Solarpower Europe: Photovoltaik erreicht 2022 das Terawatt-Zeitalter

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Eigentlich wollte Solarpower Europe – wie jedes Jahr – am Dienstag auf der Intersolar in München sein Update des „Global Market Outlooks“ präsentieren. Trotz Absage der Messe stellte der Verband die wichtigsten Eckzahlen zur Entwicklung des Photovoltaik-Marktes 2019 samt Erwartungen für die kommenden Jahre vor – wie so viele auf digitalem Wege.

So erwartet der Verband für dieses Jahr eine leicht rückläufige Entwicklung beim Zubau. Nach 116,9 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung im vergangenen Jahr – ein Wachstum um 13 Prozent –  wird für dieses Jahr ein Rückgang um 4 Prozent auf 112 Gigawatt erwartet. Die Gründe dafür sind natürlich die Auswirkungen der Corona-Krise und der Lockdown der Weltwirtschaft. Der Effekt klingt nicht so dramatisch, doch die Dimension wird deutlicher, wenn man die ursprüngliche Prognose von Solarpower Europe zugrunde legt. So war der Verband ursprünglich von einem globalen Zubau von 144 Gigawatt für dieses Jahr ausgegangen. Doch mit der Corona-Krise ist in vielen Ländern zumindest die Nachfrage rückläufig. Zudem gibt es Einschränkungen in der Lieferkette und auch vielfach bei den Installationen von neuen Photovoltaik-Anlagen.

Nach Ansicht von Solarpower Europe wird für die weitere Marktentwicklung auch entscheidend sein, ob sich die Regierungen für nachhaltige Konjunkturpakete zur Wiederbelebung ihrer Wirtschaft entscheiden. Wenn dies verbreitet der Fall sein wird, dann geht der Verband in seinem Ausblick von einem starken Wachstum der jährlichen Nachfrage in den kommenden Jahren aus. Sie könnte 2021 bereits um ein Drittel auf 150 Gigawatt steigen, um sich danach sukzessive auf 200 Gigawatt im Jahr 2024 zu erhöhen. „Je nach den Prioritäten des Konjunkturpakets können wir in den nächsten fünf Jahren zu einem beeindruckenden Wachstum der Photovoltaik zurückkehren“, erklärte Aristotelis Chantavas, Präsident von Solarpower Europe.

Bereits 2022 könnte die Photovoltaik damit das „Terawatt-Zeitalter“ erreichen. In seinem optimistischsten Szenario erreicht die installierte Photovoltaik-Leistung weltweit insgesamt 1,67 Terawatt bis 2024 – im mittleren Szenario sind es 1,4 Terawatt. Getrieben wird die ganze Entwicklung auch von den günstigen Preisen. „Nur ein Jahr nach mehreren Ausschreibungen, bei denen es Gebote für Solarstrom in die Höhe von 2 US-Cent/Kilowattstunde gab, wurde 2019 die nächste Grenze erreicht, wobei in vier verschiedenen Regionen Photovoltaik-Tarife im Bereich von 1 US-Cent erreicht wurden: Lateinamerika, Nordamerika, Europa, Naher Osten“, erklärte Interims-CEO von Solarpower Europe, Aurélie Beauvais.

In Europa hat sich im vergangenen Jahr der Zubau auf 22,9 Gigawatt mehr als verdoppelt gegenüber 2018. Das starke Wachstum könne fortgesetzt werden, wenn politisch die richtigen Weichen für die Post-Corona-Zeit gestellt würden. Dazu gehört nach Ansicht von Beauvais eine Beschleunigung des EU Green Deal im Sinne eines weiteren Photovoltaik-Ausbaus.

Weltweit hätten bereits 16 Länder die Marke von einem Gigawatt beim jährlichen Zubau geknackt. Im „Global Market Outlook“ veröffentlicht Solarpower Europe auch Abschätzungen für einzelne Staaten. Für Deutschland wird für dieses Jahr im mittleren Szenario mit einem Rückgang gerechnet – die Spanne je nach Ausblick reicht von 2,7 bis 4,5 Gigawatt neu installierter Leistung. In den Jahren nach 2021 wird sie dann stetig wachsen. Für 2024 erwartet der Verband für Deutschland einen jährlichen Photovoltaik-Zubau zwischen 3,5 und 8,1 Gigawatt – je nach Szenario.

Solarpower Europe geht davon aus, dass fast drei Viertel der 20 wichtigsten Photovoltaik-Märkte zwischen 2020 und 2024 nach unserem mittleren Szenario jeweils mindestens 10 Gigawatt zubauen werden. Dabei reicht die Spanne dieser Länder von 281 Gigawatt in China bis hin zu 5,9 Gigawatt in Israel als Nummer 20 auf der Liste. Für alle Länder zusammen nimmt Solarpower Europe demnach einen Zubau von insgesamt 693 Gigawatt bis 2024 an.

„Wenn unsere High-Scenario-Annahmen eintreten könnten, würde dies zu einer globalen jährlichen Marktgröße von bis zu 255 Gigawatt im Jahr 2024 führen“, erklärte Michael Schmela, Executive Advisor und Leiter des Bereichs Market Intelligence bei Solarpower Europe. „Die niedrigen Kosten, die Skalierbarkeit und die Arbeitsplatzrelevanz der Photovoltaik machen sie zu einem offensichtlichen Anwärter darauf, die Energiewende anzuführen und dazu beizutragen, die Volkswirtschaften in ein klimaneutrales Zeitalter zu führen.“