EIB unterstützt „Nordlink“ mit 100 Millionen Euro

Teilen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) wird als Alleininvestor in Tennets-Hybridanleihen im Wert von 100 Millionen Euro den Bau des „Nordlink“-Interkonnektors zwischen Norwegen und Deutschland unterstützen. Dies teilte der niederländische Übertragungsnetzbetreiber am Mittwoch mit. Nach eigenen Angaben wird die EIB die Hybridanleihen im Wert von 100 Millionen Euro aus Tennets Hybridanleihen-Programm, das Anfang 2017 ins Leben gerufen wurde, kaufen.

Die norwegische Netzbetreibergesellschaft Statnett und Tennet bauen gemeinsam an dem „NordLink“-Interkonnektor. Statnett hat hierbei 50 Prozent Besitzanteile an dem Projekt, während der Rest zu DC Nordseekabel gehört. Die Gesellschaft ist verantwortlich für den Bau auf deutscher Seite und gehört zu gleichen Teilen zu Tennet und der KfW Entwicklungsbank. Nach der Fertigstellung soll der „NordLink“-Interkonnektor über eine Länge von 624 Kilometer reichen, wovon 516 Kilometer Seekabel durch die Nordsee verlegt werden. Den Angaben zufolge soll die Übertragungskapazität 1400 Megawatt betragen, genug um den Strombedarf von 3,6 Millionen Menschen zu decken.

Otto Jager, kaufmännischer Geschäftsführer von Tennet, fügt hinzu: „Die heutige Transaktion unterstreicht die weitere Vertiefung unserer starken Beziehung zur EIB. Zusätzlich zu den ranghöheren Verpflichtungen von 1,5 Milliarden Euro unterstützt die EIB heute eines der anspruchsvollsten Projekte zur Einrichtung eines vernetzten Markts für erneuerbare Energien in Europa. Wir sind stolz darauf, der erste Aussteller einer Hybridanleihe mit der EIB als Teilhaber zu sein und wir freuen uns, unsere Beziehung mit der EIB in nächster Zeit erweitern zu können.“

Der Schweizer Konzern ABB wird derweil den Bau der Umspannwerke auf beiden Seiten übernehmen. Hierfür kommen zwei 525 Kilovolt, 1.4 Gigawatt Umspannwerke mit der Voltage Sourced Converter (VSC)-Technologie, auch als HVDC Light bekannt, zum Einsatz. Die Umspannwerke werden demnach nahe der Stadt Tonstad im südlichen Norwegen und Wilster in Norddeutschland gebaut.

Die Hochspannungstrasse werde die Integration der steigenden Windkraft- und Photovoltaik-Einspeisung unterstützen, indem dieser in Deutschland erzeugte Strom auf dem norwegischen Elektrizitätsmarkt angeboten werden könne. Norwegen hat im Gegenzug die Möglichkeit, Strom aus Wasserkraft direkt im deutschen Markt anzubieten. Den Projektbetiligten zufolge verbessert die Unterseeleitung die Versorgungssicherheit deutlich und sorgt zugleich auch für eine verbesserte Integration von erneuerbaren Energien.

Stärkere Vernetzung

Seit 2015 verfolgt die EU Pläne für eine stärkere Vernetzung des europäischen Strommarkts, um Produktionsspitzen von erneuerbaren Energien besser auszugleichen. In diesem Jahr haben sich zum Beispiel Spanien, Frankreich und Portugal mit Hilfe der EU auf den Bau von mehreren Stromtrassen einigen können.

In Deutschland hat der schleppende Netzausbau zuletzt den Diskurs um die Energiewende bestimmt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte bereits zu seinem Amtsantritt im März 2018 an, dass er den weiteren Ausbau von erneuerbaren Energie vom Netzausbau abhängig zu machen. Die Pläne der Bundesregierung umfassen den Bau von 1800 Kilometern neuer Stromtrassen innerhalb Deutschlands. Diese sollen dabei helfen, die Veränderung im Netz nach dem Abschalten aller Atomkraftwerke 2022 und dem Ausbau von erneuerbaren Energien zu stemmen. Bisher wurden jedoch nur 800 Kilometer dieser Zielsetzung realisiert.

Am Dienstag präsentierte Altmaier den „Aktionsplan Stromnetz“, um den Netzausbau zügiger voranzutreiben. „Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir moderne und gut ausgebaute Netze genauso wie den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Stromnetze sind dabei das Herz-Kreislauf-System unserer Stromversorgung“, erklärte er. Der für die Energieunion zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič, erklärte dazu: „Wir brauchen zukunftsorientierte Investitionen in eine moderne Energieinfrastruktur mit adäquaten Verbindungsleitungen, insbesondere um erneuerbare Energien in das Netz zu integrieren.“