Wachablösung bei Heterojunction-Modulen: Panasonic steigt aus – Meyer Burger steht in den Startlöchern

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Panasonic hat am Dienstag bekanntgegeben, dass es sich innerhalb von 14 Monaten aus der Solarindustrie zurückziehen wird. Dies beinhaltet die Schließung der Photovoltaik-Produktionen in der Fabrik in Malaysia, die Liquidation der Tochtergesellschaft Panasonic Solar Energy Malaysia und die Entlassung von Mitarbeitern bis März nächsten Jahres vor. Bis dahin soll ebenfalls die Herstellung von Solarwafern, -zellen und -modulen in der inländischen Fabrik des Unternehmens in der Präfektur Shimane eingestellt werden, wie der japanische Konzern mitteilte. Die Mitarbeiter in Japan würden allerdings nicht entlassen. „Die Beschäftigung wird durch die Verlagerung in andere Geschäftsbereiche, in denen Wachstum erwartet wird, grundsätzlich innerhalb der Fabrik aufrechterhalten.“ Panasonic bestätigte zudem, dass in der Fabrik in Shimane weiterhin Wechselrichter, Batterien „und andere Produkte“ herstellen würden. Für die Mitarbeiter in Malaysia kündigte Panasonic ein Unterstützungsprogramm sowie Abfindungszahlungen an.

Während sich Panasonic gerade aus der Photovoltaik-Herstellung verabschiedet, ist Meyer Burger dabei, seine Produktionen von Heterojunction-Solarmodulen und Solarzellen in Deutschland vorzubereiten und hochzufahren. Just am Tag der Bekanntgabe des Ausstieges des japanischen Konkurrenten, konnte CEO Gunter Erfurt einen weiteren Meilenstein verkünden. Das erste Solarmodul zu Testzwecken mit der neuen Smartwire-Heterojunction-Technologie sei in Freiberg gefertigt worden, kommentierte er auf Linkedin die symbolische Koinzidenz der beiden Ereignisse.

Meyer Burger ist derzeit dabei seine Fertigung für hocheffiziente Heterojunction-Solarmodule im sächsischen Freiberg aufzubauen sowie in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eine Produktion für Heterojunction-Solarzellen. Beide Werke sollen ab Sommer mit einer Jahreskapazität von 400 Megawatt fertigen und die Kapazität von Meyer Burger bis 2026 auf 5 Gigawatt weiter hochgefahren werden.

Doch zurück zu Panasonic: Der Konzern will weiterhin Solarmodule unter seiner Marke verkaufen, wie es weiter hieß. Sie würden von Subunternehmen hergestellt und sollen in Japan nach Schließung der eigenen Fabriken verkauft werden. Bislang agierte Panasonic nur im Ausland nach diesem Modell. Die Entscheidung, aus der Photovoltaik-Produktion auszusteigen, werde auch dazu führen, dass die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Nishikinohama-Fabrik des Unternehmens in Kaizuka City, Osaka, „verkleinert“ werden, so das Unternehmen. Die dortigen Mitarbeiten sollen „in andere Wachstumsbereiche verlagert werden“.

Bereits im August 2020 hatte Panasonic die geplante Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller von Heterojunction-Solarmodulen, GS Solar, aufgekündigt. Eigentlich war geplant, die Aktivitäten in Malaysia an GS Solar zu übertragen und eine gemeinsame Forschungsabteilung zu gründen. Die Kündigung der Vereinbarung begründete Panasonic damit, dass GS Solar bestimmte Fristen nicht eingehalten habe, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Zudem behalte sich der japanische Konzern das Recht vor, rechtliche Schritte gegen das chinesische Photovoltaik-Unternehmen einzuleiten, um daher resultierende Verluste einzuklagen.

Nach der gescheiterten Kooperation mit GS Solar kündigte Panasonic an, alle möglichen Optionen prüfen zu wollen, darunter auch neue Geschäftskooperationen mit anderen Partnern, um die Rentabilität des Photovoltaik-Geschäfts bis zum Ende des Geschäftsjahres 2022/2023 wiederherzustellen. Dabei wollte das Unternehmen einen stärkeren Fokus auf das Geschäft mit Energielösungen legen, dass Solarmodule, Energiemanagementsysteme und Batteriespeicher kombiniert. Eine Sprecherin der Unternehmens erklärte am Mittwoch auf Nachfrage von pv magazine: „Panasonic hat alle Möglichkeiten gründlich untersucht, ist jedoch zu dem Schluss gekommen, sich aus der Produktion zurückzuziehen, da Panasonic der Meinung ist, dass die Kostenwettbewerbsfähigkeit nicht aufrechterhalten werden kann.“

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