Covid-19: Woodmac erwartet 20 Prozent weniger Nachfrage nach Photovoltaik und Speicher 2020

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Mittlerweile ist etwa die Hälfte der Weltbevölkerung von Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie betroffen. Zugleich sinkt die Nachfrage nach Strom und das Risiko einer globalen Rezession steigt, wie die Analysten von Woodmac in ihrem aktuellen Marktbericht schreiben. Diese Situation werde sich unterschiedlich auf den weiteren Zubau der erneuerbaren Technologien auswirken. Überproportionale Auswirkungen erwarten sie auf die Nachfrage nach Photovoltaik- und Speichersysteme sowie Elektrofahrzeuge. Eher gedämpft werden sie beim globalen Zubau von Windkraft ausfallen.

Die Analysten von Woodmac haben ihre Erwartungen für den globalen Zubau an Photovoltaik-Anlagen gegenüber der Vor-Corona-Zeit für dieses Jahr um 18 Prozent auf 106,4 Gigawatt revidiert. Zuvor prognostizierten sie eine Nachfrage von 129,5 Gigawatt. Auch im kommenden Jahr würden die Folgen der Corona-Krise noch spürbar sein, weswegen sie ihren Ausblick um drei Prozent gegenüber früheren Prognosen senkten.

Die Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie wirken sich dabei unterschiedlich auf die verschiedenen Segmente aus. Während es bei Photovoltaik-Kraftwerken vornehmlich zu zeitlichen Verzögerungen bei den Installationen kommen werde, gehen die Woodmac-Analysten von einer rückläufigen Nachfrage nach privaten und gewerblichen Photovoltaik-Anlagen aus, da die Kunden unter erheblichen wirtschaftlichen Druck infolge von Covid-19 stünden.

Dabei seien erste sinkende Modulpreise in Europa und den USA zu verzeichnen. In den vergangenen Wochen hatten viele Photovoltaik-Hersteller in China ihre Produktion wieder aufnehmen können. Einige haben nach eigenen Angaben schon wieder die volle Produktionskapazität erreicht. Dies führe in Europa und seit Anfang April in den USA zu ersten Preisrückgängen, heißt es von den Woodmac-Analysten.

Bezüglich der Entwicklung des globalen Speichermarktes in diesem Jahr ist die Prognose ähnlich düster wie bei der Photovoltaik. So haben die Analysten ihr Basisszenario für 2020 um 20 Prozent gesenkt, was hauptsächlich auf Verzögerungen bei Projektrealisierungen zurückzuführen sei. Allerdings werde der Zubau an Speichern weltweit dennoch das Niveau von 2019 übertreffen. Ähnlich wie bei Photovoltaik-Anlagen gehen die Analysten davon aus, dass die Nachfrage nach Photovoltaik-Heimspeichern stärker von den Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie betroffen sein werde als Großprojekte.

Noch drastischer könnte nach jetzigem Stand der Rückgang bei der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ausfallen. Woodmac prognostiziert einen Rückgang um voraussichtlich 43 Prozent des Marktes gegenüber 2019. Dies sei hauptsächlich auf die Maßnahmen in den USA zurückzuführen, während in China und Europa bis zum Jahresende eine Erholung erwartet werde, womit zumindest das Niveau von 2019 wieder erreicht werden sollte.

Woodmac betont weiter, dass sich die Hauptrisiken für die regionalen Energiemarkte an der Dauer und Tiefe des wirtschaftlichen Stillstands und damit des Nachfragerückgangs infolge einer Rezession konzentrieren. In Europa sei auf den Strommärkten weiterhin eine Verlagerung bei fossilen Kraftwerken von Kohle zu Gas zu verzeichnen. Die sinkende Stromnachfrage und die günstigen Witterungsbedingungen für Windkraft und Photovoltaik hätten jüngst zu niedrigen Strompreisen und in einigen Ländern – wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien – auch vermehrt zu negativen Börsenstrompreisen geführt. Dies erschwere auch einen wirtschaftlichen Betrieb von Gaskraftwerken in Europa derzeit, heißt es weiter.

Auch in den USA und Lateinamerika seien ähnliche Tendenzen bereits erkennbar. Für Lateinamerika sei zu erwarten, dass die Finanzierung neuer Erneuerbaren-Anlagen und Gaskraftwerke angesichts der Inflation problematisch werden könnte. Auch der sinkende Ölpreis könnte dafür sorgen, dass sich die geplante Umstellung von Öl auf Kohle in vielen Ländern verzögere.