Elektroautos können mit integrierter Photovoltaik in Mitteleuropa bis zu 55 Prozent ihres Strombedarfs decken

Ein Forschungsprojekt von Fraunhofer ISE und Partnern zeigt, dass fahrzeugintegrierte Photovoltaik die Belastung der Stromnetze erheblich reduzieren kann. Das Konzept lohnt sich besonders im Logistiksektor, da die LKW für Kühlung, Heizung und Hilfsaggregate viel Strom verbrauchen und die Dachfläche groß ist.
Dieser Lieferwagen mit fahrzeugintegrierter Photovoltaik war Teil der Studien-Flotte. Wie alle anderen Fahrzeuge ist er mit einem Sensor zur Erfassung der Einstrahlungsdaten ausgestattet. | Image: Fraunhofer ISE

Durch die Integration von Photovoltaik in Dach, Motorhaube und Seitenwände von Fahrzeugen („Vehicle Integrated Photovoltaics“, kurz VIPV) lassen sich Stromnetze erheblich entlasten. Das zeigt das europäische Forschungsprojekt „Solarmoves“, das das Fraunhofer ISE zusammen mit dem Netzbetreiber TNO und den VIPV-Spezialisten Sono Motors, IM Efficiency und Lightyear im Auftrag der Europäischen Kommission untersucht haben.

Die Untersuchungen ergaben, dass ein PKW in Mitteleuropa – unter der Annahme von kurzen jährlichen Benutzungszyklen und viel Dachfläche, wie es etwa bei SUV der Fall ist – bis zu 55 Prozent seines Strombedarfs selbst erzeugen kann. In Südeuropa sind es bis zu 80 Prozent. Das senkt nicht nur die Stromkosten, sondern verbessert auch der Komfort, da weniger externe Ladevorgänge nötig sind.

„Die Studie analysierte Daten von 23 unterschiedlichen Fahrzeugtypen – von kompakten Stadtautos bis hin zu schweren Lastkraftwagen – und kombinierte detaillierte Fahrzeug- und Fahrprofile mit Meteosat-Satellitendaten, sowie meteorologischen Daten aus Amsterdam und Madrid“ erklärt Christian Braun, Projektmitarbeiter und Wissenschaftler am Fraunhofer ISE. „Dafür wurden die Fahrzeuge mit Sensoren ausgestattet und Messdaten von 1,3 Millionen gefahrenen Kilometern ausgewertet.“

Investitionen können sich binnen zwei Jahren amortisieren

Mit einer Simulation hat das Forschungsteam zudem ermittelt, dass der Strombedarf aus dem europäischen Netz im Jahr 2030 um 15,6 Terawattstunden sinken könnte, wenn alle Neufahrzeuge zwischen 2024 und 2030 mit VIPV ausgestattet würden. „Elektrifizierung allein reicht nicht aus. Wir brauchen Innovationen, die den Energiebedarf strukturell senken. VIPV leistet genau hier einen Beitrag“, erklärt Lenneke Slooff-Hoek, Solarmoves-Projektmanagerin bei TNO.

Als besonders groß schätzt das Forscherteam die Vorteile im Logistiksektor ein. Lieferwagen, Lkw und Fahrzeug-Anhänger verfügen über viel Dachfläche und verbrauchen gleichzeitig viel Energie für Kühlung, Heizung und Hilfsaggregate. Bei Elektro-Lkw verlängert VIPV die tägliche Reichweite um bis zu 15 Prozent, zeigt das Forschungsprojekt. Bei Lkw-Anhängern kann der Stromertrag im Sommer bis zu 55 Kilowattstunden pro Tag erreichen und 90 bis 110 Kilowattstunden, wenn auch die Seitenwände mit Solarmodulen ausgestattet sind. Das reicht, um Kühl- oder Hydrauliksysteme vollständig zu betreiben.

Auch für Diesel-Lkw bietet VIPV Vorteile, so die Experten: Da Klimaanlage, Heizung und andere Systeme weniger Diesel benötigen, verringere sich der Kraftstoffverbrauch deutlich. Das Projektteam hat ausgerechnet, dass sich dadurch die Investitionskosten für VIPV in weniger als zwei Jahren amortisieren könnten.

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Kommentare

darwin-c
May 26, 2026

Den selben Effekt hat man wenn man den Firmenparkplatz mit einem Balkonkraftwerk ausstattet.
Und zusätzlich noch einen schattigen Parkplatz.

Matthias Schäfer
May 21, 2026

Ich kann das nur bestätigen, fahre seit 2 Jahren einen umgebauten VW T3 mit E-Antrieb und integrierter Solaranlage.
Der lädt einfach jeden Tag, selbst bei bedeckten Himmel, weil er’s kann…

Bernhard Niehoff
May 20, 2026

In der Schweiz gibt es Versuche, Flächen an Bahngleisen und zwischen den Schienen mit PV zu belegen. Vielleicht könnte damit auch der Einsatz von Pestiziden verringert werden.
In den USA gibt es auf einer Zugstrecke Schienenfahrzeuge mit PV drauf. Das hat Potential!

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Norbert S.
May 25, 2026

@Jürgen Winkler:
Was ist gemeint, mit „fast nichts“?
Wie viel Zusatzgewicht nehmen Sie für die Solarfolie an?
Leider gibt dieser „Forschungsbericht“ nicht viel Substanz zu solchen entscheidenden Fragen her. Auch auf die Kosten je kWp wird nicht eingegangen.
Oder ist der hier abgedruckte Bericht an den entscheidenden Stellen unvollständig wiedergegeben?

Jürgen Winkler
May 21, 2026

Bringt fast gar nichts, durch das höhere Gewicht und ein paar kWh Ertrag.

HD
May 19, 2026

Und jetzt noch ’nen Forschungsprojekt zu Autobahnüberdachungen, Lärmschutzwänden und Integration in Verkehrswege.

Die sind da an einer ganz großen Sache dran!

Ach wartet: gründet eine Firma und baut Fahrzeuge mit integrierter PV! So eine geniale Idee. Dass darauf noch nie einer gekommen ist?!?
Oder wenigstens Bausätze für LKW- Aggregate. Das setzt sich sicher durch 😀 😀

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C.M.
May 21, 2026

Ganz recht, ganz recht ! Volle Zustimmung ! Ein planbarer garantierter Erfolg wären auch Lastkraftwagen – Ruheplätze welche das enorm starke Vollmond- ,Sternen- und Neumondlicht nutzen.
Die spezialisierten Photovoltaikmodule auf den Lkw – Dächern speisen direkt in das Bundesautobahnstromnetz ein , und beleuchten damit die Fahrbahn vollflächig und vollständig. Nebenbei werden auch noch die E-LKW aufgeladen.
Eventuell könnte man das ganze auch auf die Tageslichtzeit übertragen,und ein 24/365 Fahrverbot für LKW in Deutschland erlassen. Dann bewegen sich die LKW nicht mehr und verschleißen nicht – was Kosten spart. Und die graumelierte Deutsche Spaßgesellschaft kann ihrem liebsten Hobby uneingeschränkt frönen : Uralte Automobiltechnik mit Rührstab im Getriebe und Kolbenschuss im Motor über freie Autobahnen ohne Tempolimit hetzen.