Roth Capital: US-Regierung könnte die Zollbefreiung für bifaziale Module wieder beenden

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von pv magazine USA

Wenn es eine Gewissheit über die Handelsaktionen der Trump-Regierung gibt, dann ist es, dass sie unsicher und schwer vorherzusagen sind.

Im Juni feierten sowohl US-Photovoltaik-Projektentwickler als auch asiatische Zell- und Modulhersteller, als die Bundeshandelsbehörde bekannt gab, bifaziale Solarzellen und -module von den eineinhalb Jahre zuvor festgelegten Zöllen nach Section 201 auszunehmen.

Die Aussicht auf den Import von zollfreien bifazialen Modulen, die nicht wesentlich teurer sind als ihre monofazialen Pendants und zusätzliche Erträge bieten, führt zu potenziell niedrigeren Kosten für Photovoltaik-Systeme. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei großen Freiflächen-Projekten, bei denen der Preis von Solarmodulen einen größeren Anteil an den gesamten Systemkosten ausmacht.

Und als Reaktion darauf begannen große chinesische Photovoltaik-Hersteller mit Fabriken in Südostasien bald damit, einen größeren Teil ihrer Fabriken auf die Herstellung bifazialer Produkte umzustellen. Diese Aktivität kann sich jedoch verlangsamen, wenn die Behauptung von Roth Capital wahr ist: dass die US-Regierung von Donald Trump beschlossen hat, diese Politik wieder rückgängig zu machen.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse erklärte Roth-Analyst Philip Shen, dass seine Untersuchungen darauf hindeuten, dass die Trump-Regierung beschlossen hat, die Befreiung für bifaziale Produkte gemäß Section 201 aufzuheben. Bislang hat das Büro des US-Handelsbeauftragten nicht auf diese Aussage reagiert.

Auswirkungen auf die Fertigung

Roth Capital stellt fest, dass es für 2020 keine Rolle mehr spielen wird, ob die Befreiung wegfällt oder nicht, da der größte Teil des Volumens, das in die USA geliefert werden soll, auf monokristallinen Standard-Siliziumzellen mit passivierter Emitter- und Rückzellentechnologie (PERC) basiert. Dies wird durch die Gespräche des pv magazins mit PV-Herstellern bestätigt, die erklären, dass sie seit mehr als einem Jahr im Voraus ausverkauft sind, so dass Verträge, die mindestens für die nächsten neun Monate abgeschlossen werden, vor der Zollbefreiung unterzeichnet wurden.

Es gibt jedoch einen wahrscheinlichen Gewinner in dieser Situation: First Solar. Roth Capital beschreibt dies als „schrittweise positiv“ für den Dünnschicht-Photovoltaik-Hersteller und seine Serie-6-Technologie, die bei großen Projekten im Wettbewerb mit preiswerten asiatischen kristallinen Silizium-Solarmodulen steht. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich First Solar bereits in einer beneidenswerten Position befindet. Die Produkte des Unternehmens sind schon Jahre im Voraus ausverkauft, und dies obwohl First Solar weitere Fabriken in Ohio und Vietnam baut und hochfährt.

Das Gesamtbild

Die Zölle nach Abschnitts 201 sanken im Februar dieses Jahres auf 25 Prozent und im Februar 2020 werden sie auf 20 Prozent fallen, danach werden die meisten der jetzt getätigten Bestellungen ausgeführt.

Diese Zölle – und die Unsicherheit durch den Section 201-Verfahren – haben den US-Markt 2018 definitiv getroffen. Der Photovoltaik-Markt ist jedoch in diesem Jahr wieder auf Wachstumskurs, wobei Wood Mackenzie Ende Juli einen Rekord von 8,7 Gigawatt DC-Leistung bei großen Anlagen im Bau vermelden konnte.

Wood Mackenzie schätzt, dass die USA in diesem Jahr 12,6 Gigawatt Photovoltaik installieren werden, und mit einer gesamten heimischen Modulproduktionskapazität von weniger als der Hälfte davon ist es klar, dass die Importe fortgesetzt werden, – Section 201 hin oder her, und Zollbefreiungen ja oder nein.

Dies wird durch die vom US-Energieministerium veröffentlichten Modullieferdaten gestützt. Der jüngste Bericht der Agentur ergab, dass im Juni und Juli jeweils mehr als ein Gigawatt an Modulimporten getätigt wurden, wobei die Importe den größten Teil der insgesamt ausgelieferten Produkte ausmachten.