Baywa r.e.: Heute Spanien und morgen Deutschland

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Baywa r.e. hat das Solarkraftwerk Don Rodrigo in Südspanien mit 175 Megawatt fertiggestellt und an die Meag verkauft, eine zur Munich Re gehörende Vermögensmanagement-Gesellschaft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Einen Anhaltspunkt dafür bietet die 100 Millionen Euro schwere Zwischenfinanzierung, die die Nord LB vor kurzem gewährt hat. Der Verkaufspreis dürfte einige zehn Prozent darüber liegen.

Der „planmäßige“ Verkauf noch vor Silvester hilft der Konzernmutter Baywa AG, dass sie die „Gesamterwartungen für 2018 erfüllt”, so der Vorstandsvorsitzende Klaus Josef Lutz. Insgesamt wurden in der 20 Kilometer südlich von Sevilla gelegenen Anlage rund 500.000 Solarmodule auf einer Fläche von 265 Hektar installiert. Vom ersten Spatenstich an dauerte das nur zehn Monate. In den nächsten Monaten soll die Anlage an das Netz angeschlossen werden.

Don Rodrigo ist nicht nur das bisher größte Projekt, das die BayWa r.e. im Solarbereich umgesetzt hat, sondern auch das erste seiner Art, das sich in Europa in dieser Größenordnung ohne Subvention rein über einen Stromabnahmevertrag refinanziert. „Das ist bahnbrechend“, sagt Benedikt Ortmann, Geschäftsführer von BayWa r.e. Solar Projects. „Es zeigt, dass es möglich ist, im europäischen Verbundnetz ein Solarkraftwerk in der Größenordnung von 100 Megawatt auf dem Kostenniveau von Kohlekraftwerken zu betreiben und diese zu schlagen“.

Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreement, PPA) sind in anderen Teilen der Welt bereits durchaus üblich, etwa in den USA. Doch dort erhalten solche Projekte mit Steuererleichterungen von bis zu 30 Prozent eine staatliche Unterstützung. Das führt dazu, dass Solarkraftwerke dort zunächst von so genannten „tax investors“ gehalten und dann weiter verkauft werden.

Die genauen Bedingungen des Stromabnahmevertrags für Don Rodriguez sind nicht veröffentlicht, außer dass Statkraft der Abnehmer ist und sich für 15 Jahre verpflichtet hat. Der Preis dürfte zwischen 3,5 und 4 Cent pro Kilowattstunde liegen (siehe Berichterstattung über förderfreie Solarparks in pv magazine Juni 2018).

Neu ist bei solchen Projekten im Vergleich zu den über das EEG geförderten Anlagen, dass es zusätzlich zu den technischen Risiken ein Vermarktungsrisiko gibt. In dem Projekt in Südspanien ist der Vermarkungspreis an den Börsenstrompreis minus einen Abschlag gebunden. Das sichert Statkraft vermutlich einen Preisvorteil. Wenn der Börsenstrompreis unter einen bestimmten Schwellwert sinkt, sinkt der Vermarktungspreis allerdings nicht tiefer. Dadurch ist das Risiko auf den Käufer und auf den Solaranlagenbetreiber aufgeteilt.

In Spanien hat Baywa r.e. laut Ortmann für die nächsten Jahre eine Pipeline von über einem Gigawatt solcher förderungsfreier Kraftwerke. Zwei Anlagen würden vermutlich schon in 2019 gebaut. Außerdem habe das Unternehmen jetzt auch andere südeuropäische Länder im Blick.

Perspektive für Deutschland

Benedikt Ortmann hält solche Projekte auch in Deutschland für möglich. „Mit entsprechend großen Solaranlagen können wir schon in zwei Jahren Kosten von drei Cent pro Kilowattstunde erreichen und damit den Solarstrom ohne Förderung verkaufen“ sagt er. Die größte Hürde ist nach Einschätzung Ortmanns in Deutschland dabei nicht, ein Solarkraftwerk auch bei der im Vergleich zu Südspanien um rund 50 Prozent geringeren Sonneneinstrahlung ausreichend günstig zu bauen. Eine größere Hürde liege darin, ausreichend große Flächen zu bekommen.

Die großen Flächen gibt es in Deutschland durchaus, etwa ehemalige Braunkohle-Abbaugebiete am Niederrhein oder in der Lausitz, oder ehemalige russische Truppenübungsplätze. Doch zum einen muss man es als Projektierer schaffen, mit den Eigentümern überein zu kommen, zum anderen muss man die notwendigen Genehmigungen erhalten.

In Spanien geht das laut Ortmann inzwischen relativ problemlos. In Deutschland seien Verantwortliche in den Gemeinden teilweise noch der Auffassung, dass solche förderfreien Anlagen nicht wirtschaftlich seien, teilweise herrsche noch die Vorstellung, dass Solaranlagen nicht in so großen Einheiten gebaut werden sollten. Dabei würden nach Berechnungen des Fraunhofer ISE selbst für 200 Gigawatt Photovoltaikleistung als Freiflächenanlagen nur 0,8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausreichen. Das ist weniger Fläche, als bisher stillgelegt wurde.

Die Idee, mit Gigawattanlagen Braunkohlerevieren eine neue Perspektive zu geben ist nicht neu. Benedikt Ortmann hat auf dem letzten Forum Neue Energiewelt vorgerechnet, wie solch ein Projekt aussehen könnte. Jetzt sei allerdings politische Unterstützung nötig, sagt er. Auch Greenpeace hat bereits die Absicht bekundet, gerne die RWE-Braunkohlesparte zu übernehmen und dort ein gigantisches Erneuerbaren-Projekt umzusetzen.