Trendforce: Preiskrieg in der globalen Solarindustrie könnte aufgrund der Überkapazitäten beginnen

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Trendforce hat die weiteren Auswirkungen der neuen chinesischen Photovoltaik-Politik untersucht. „Angesichts des Überangebots werden chinesische Modulhersteller nach Möglichkeiten suchen, die überzähligen Produkte zu exportieren oder eben die Produkte im Ausland zu verkaufen“, schreiben die zu Energytrend gehörenden Analysten am Dienstag. Damit verbunden sei viel Aufmerksamkeit auf die weltweite Preisentwicklung und damit, wann die EPC-Unternehmen beginnen würden, ihre Bestellungen aufzugeben.

Mit Blick auf den europäischen Photovoltaik-Markt macht Trendforce eine Beispielrechnung anhand von Trina Solar-Modulen auf. Wenn der Verkaufspreis für die Module des chinesischen Herstellers demnach bei 0,25 US-Dollar pro Watt liegen würde, wären es mit den 56,2 Prozent Anti-Dumping- und Anti-Subventionszöllen dann 0,39 US-Dollar pro Watt. Damit lägen die Preise immer noch unter den Marktpreisen der anderen Produkte auf dem europäischen Markt, heißt es bei Trendforce weiter. Bezogen auf die geltenden Zölle in den USA, die bei insgesamt 72,54 Prozent für die chinesischen Module lägen, käme Trina Solar auf einen Preis von 0,43 US-Dollar pro Watt und wäre damit immer noch „marginal wettbewerbsfähig“. Nach Einschätzung von Energytrend befinden sich mehr als 70 Prozent der globalen Produktionskapazitäten für Solarmodule in China. „Wenn die chinesischen Modulhersteller mit dem Ausverkauf beginnen, wird der globale Modulpreis sinken. Die Auswirkungen des Ausverkaufs werden voraussichtlich bis zum zweiten Quartal 2019 andauern“, so die Analysten.

Bei IHS Markit erwartet man ebenfalls, dass ab dem dritten Quartal die Preise aufgrund der Überkapazitäten und des bestehenden Überangebots voraussichtlich weiter sinken werden. „Dies wird sich auf die finanzielle Situation der gesamten Photovoltaik-Wertschöpfungskette auswirken“, sagt Karl Melkonyan, Senior Analyst Solar Demand at IHS Markit, auf Anfrage von pv magazine. Zugleich erwartet er für das vierte Quartal wieder eine stärkere Nachfrage als noch im zweiten Quartal 2018, was den Preisrückgang graduell stoppen werde. Dann – so seine Prognose – werden die Margen der Hersteller allerdings bereits auf ein kritisches niedriges Niveau gefallen sein, dass einige Unternehmen zwingen wird, ihre Geschäfte aufzugeben oder Insolvenz anzumelden. „Dies wird nicht nur die Tier-2- oder Kleinsthersteller betreffen, sondern auch einige der führenden Produzenten“, so Melkonyan. Die Mehrheit der angekündigten Kapazitätserweiterungen würden ausgesetzt oder möglicherweise ganz aufgegeben. Die Kosten- und Technologieführer jedoch halten an geplanten Erweiterungen fest, um so ihre Ziele, wie die Erhöhung des Marktanteils bei wachsender Nachfrage oder die Senkung der Herstellungskosten durch Skaleneffekte zu erreichen, wie der Analyst sagt.

„Wir gehen davon aus, dass es einige Konsolidierungen am Markt geben wird und glauben, dass es erste Erholungszeichen bereits im vierten Quartal geben wird.“ Der Aufwärtstrend wird sich Melkonyan zufolge dann von Quartal zu Quartal fortsetzen, da die Nachfrage insbesondere auf vielen asiatischen Photovoltaik-Märkten anziehen wird. Er verweist darauf, dass es bereits im vergangenen Jahrzehnt immer wieder ein Auf und Ab in der weltweiten Solarindustrie gab – verursacht durch (handels)politische Hemmnisse, Ungleichheit von Angebot und Nachfragen, unsicheren Preisen oder extremen Wettbewerb. Diese Faktoren würden auch in den kommenden Jahren weiter eine Rolle spielen. Langfristig erwartet IHS Markit, dass die Konsolidierung mit einer geringeren Zahl von Herstellern enden und sich die Situation stabilisieren werde. Die verbleibenden Unternehmen würden dann über viel größere Kapazitäten verfügen, wobei sich die besten Technologien und Kostenführer durchsetzen dürfen.