IHS Markit: Acht Trends für die Photovoltaik- und Speichermärkte weltweit

IHS Markit hat am Montag ein Whitepaper mit acht globalen Trends für den Photovoltaik- und Energiespeichermarkt veröffentlicht. Demnach werden in diesem Jahr zwanzig Länder Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt mehr als 500 Megawatt Leistung neu installieren, im vergangenen Jahr waren es noch 16 Länder, zu Beginn des Jahrzehnts nur zehn Länder. „Ägypten, Spanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Argentinien sind die aussichtsreichsten Kandidaten, dieses Jahr mehr als 500 Megawatt zu installieren“, heißt es auf Nachfrage von pv magazine.

Die drei größten Photovoltaik-Märkte weltweit – China, Indien und die USA – werden den Analysten zufolge bis zu zwei Drittel der insgesamt für 2018 erwarteten installierten Leistung von 108 Gigawatt  ausmachen. Die restlichen 17 der Top-20 Nationen würden auf ein Viertel der Gesamtnachfrage kommen. In diesen Ländern soll der Markt in diesem Jahr demnach um 38 Prozent im Vergleich zu 2017 wachsen, besonders stark in Spanien, Argentinien und Malaysia, wo IHS Markit mindestens eine Verzehnfachung der jeweiligen Märkte erwartet.

Den Analysten von IHS Markit zufolge werden als ein zweiter Trend schwimmende Photovoltaik-Anlagen ihr Nischendasein verlassen und zunehmend auf Dämmen, Stauseen und anderen Gewässern installiert. Demnach hätten China, Indien und Südkorea bereits bis dato entsprechende Anlagen mit insgesamt 450 Megaweatt Leistung zugebaut. Führend sei hier China, dass mit 40 Megawatt die weltweit größte schwimmende Photovoltaik-Anlage installiert habe, weitere Anlagen mit 70 beziehungsweise 150 Megawatt seien noch für das erste Quartal geplant. Indien will zehn Gigawatt Leistung für solche Anlagen ausschreiben und die Niederlande planen 2,3 Gigawatt bis 2023. Durch diese Entwicklung müsse sich der derzeitige Marktführer für schwimmende Photovoltaik-Anlagen, das französische Unternehmen Ciel et Terre, künftig auf mehr Wettbewerb einstellen, wie es in dem „Whitepaper“ heißt.

Einen dritten Trend sieht IHS Markit in der zunehmenden Anwendung der bifazialen sowie der Halbzellen-Technologie. Beide Technologien sind demnach vergleichsweise günstig: Sie erhöhen die Leistung eines einzelnen Moduls und senken so die Systemkosten. Ein weiterer Technologie-Trend ergibt sich IHS Markit zufolge aus dem Einsatz von Diamantdrahtsägen, mit denen zunehmend auch multikristalline Wafer geschnitten und durch die die Kosten für die Wafer um bis zu 15 Prozent gesenkt würden. Wie bei monokristallinen Wafern soll sich diese Sägetechnik bis spätestens 2019 auch bei multikristallinen Wafern komplett durchgesetzt haben – 2016 habe der Anteil hier noch bei unter 20 Prozent gelegen. Damit würden multikristalline Solarzellen auch 2021 weiterhin rund die Hälfte des Marktes ausmachen.

Politisch erwarten die Analysten vor allem durch die Handelspolitiken der USA und Indiens Auswirkungen auf Preise und Beschaffung von Modulen. Dabei würden beispielsweise die Anfang des Jahres verhängten US-Importzölle für ausländische Photovoltaik-Module und -Zellen nicht ausreichen, um in den USA größere Produktionserweiterungen anzuregen. Indien wiederum prüft derzeit Importzölle für Photovoltaik-Produkte aus China, Malaysia und Taiwan. Ende 2018 könnte hier die Entscheidung fallen, bis dahin sollen Schutzabgaben von bis zu 70 Prozent vorgezogene Importe verhindern. Sowohl in Indien als auch in den USA könnte sich so der Markt für Solarmodule und -zellen aus dem Reich der Mitte schließen. In China befinden sich IHS Markit zufolge etwa 70 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten für Photovoltaik-Module.

Ein weiterer Trend für dieses Jahr sei, dass Wechselrichter-Hersteller in eine „neue Ära der Digitalisierung“ eintreten. Sie würden zunehmend auch nach digitalen Geschäftsmodellen suchen. Auf diese Weise werden die Wechselrichter-Hersteller mit neuen Partnern in Branchen wie Elektromobilität, Energiespeicherung, Beleuchtung, Heizung und Kühlung zusammenarbeiten, wie die Analysten erwarten.

Der nächste der von IHS Markit ausgemachten Trends ist der Einsatz von Batteriespeichern bei großen Photovoltaik-Anlagen. Durch den massiven Preisverfall bei Lithium-Ionen-Batterien – zwischen 2012 und 2017 fast 70 Prozent – seien Solar- und Speichersysteme im Versorgungsmaßstab inzwischen kostengünstig genug und stellenweise Realität geworden, heißt es in dem „Whitepaper“. Wegen der insgesamt hohen Strompreise sei Hawaii in diesem Bereich ein Vorreiter, Projekte gebe es aber inzwischen auch in anderen Teilen der USA und Australien. Allein in Down Under sind demnach Photovoltaik-Kraftwerke mit Speicher mit insgesamt 2,1 Gigawatt Leistung in der Pipeline. Als letzten der acht Trends nennt IHS Markit die Elektrofahrzeuge, die den Weg für neue Synergien mit stationären Energiespeichern ebnen – zum Beispiel durch die Wiederverwendung von „Second Life“-Batterien aus Elektrofahrzeugen.