The Smarter E 2019: Ein rein subjektiver Rückblick

Teilen

Eigentlich gehört es zum guten Ton nach einer Messe, einen Nachbericht zu schreiben. Erst recht, wenn es sich um ein so großes Event wie The smarter E handelt. Sie fragen jetzt vielleicht smarter was? Eines steht fest, der neue Name hat sich noch nicht wirklich durchgesetzt, die meisten, die ich getroffen habe, bevorzugen doch weiterhin Intersolar. In jedem Fall sind die Messe und Konferenz gemeint, die in der vergangenen Woche in München stattfanden. Die Veranstaltung gilt als größte Solarmesse Europas und konnte diesen Status auch bestätigen.

Doch was soll man für ein Fazit ziehen? Den Veranstaltern von Solar Promotion zufolge stieg die Zahl der Aussteller in diesem Jahr um 15 Prozent auf 1354, die Ausstellerfläche um 16 Prozent auf 100.000 Quadratmetern, die sich über zehn Hallen erstreckte und die Besucherzahl lag mit rund 50.000 ebenfalls höher als 2018. Wie viele der Aussteller und Besucher kann man in drei Tagen treffen, um ein qualifiziertes Fazit zu ziehen? Ich jedenfalls habe nur ein Bruchteil davon getroffen, auch wenn ich der Marathondistanz zwischen Mittwoch und Freitag nahe gekommen sein dürfte.

In den A-Hallen der Messe München finden sich traditionell die Modulhersteller sowie Montagegestell- und andere Komponenten- und Softwareunternehmen, aber auch EPC-Firmen. In diesen Hallen herrschte alle drei Tage geschäftiges Treiben. Das Fazit von ausstellenden Unternehmen, das man ab Donnerstag immer wieder hören konnte: Die Gespräche sind professioneller, fachkundiger und internationaler geworden. Einige vielversprechende Märkte in Europa, aber auch noch weiter östlich erscheinen am Horizont. Vorsichtigen Optimismus findet man, wenn es um das Wachstum des Photovoltaik-Marktes in Europa in diesem Jahr geht. Ob es allerdings, die von Solarpower Europe anvisierte Steigerung um 80 Prozent wird, da gibt es hier und da doch noch leichte Zweifel.

Auffällig auch, dass viele der Modulhersteller die Bühne in München nutzten, um ihre neuen Module zu präsentieren und dies nicht nur einfach so, sondern mit einer großen Show auf der Bühne. Dabei geht es auch immer wieder um neue Technologien. REC mit seinem Heterojunction-Modul mit bis zu 380 Watt Leistung geht ganz vornweg und sieht noch großes Potenzial für die weitere Entwicklung. Aber auch die neuen bifazialen Module von Jinko Solar und Longi Solar müssen sich nicht verstecken.

Photovoltaik-Hersteller, die bisher noch an den klassischen Modulkonzepten festhalten, äußerten sich dagegen eher zurückhaltend mit Blick auf neue Technologien wie Heterojunction oder Halbzellen. Zugleich arbeiten sie auch daran, die Leistung ihrer Module mit den bestehenden Konzepten weiter zu steigern. Doch um nicht hinter den großen Shows der oben genannten zurückzustehen, fanden Sie eigene Methoden, um Aufmerksamkeit für sich zu schaffen. Sei es mit hellblau-silbern schimmernden Amazonen auf Bouncing-Schuhen oder tapernde, gigantische Eisbären, die immerhin als Fotomotiv sehr gefragt waren, egal, wo sie auftauchten.

Die B-Hallen gehören hingegen traditionell den Speicher- und Wechselrichteranbietern. Hier war die Luft deutlich schlechter als in den A-Hallen, zumindest an den ersten beiden Tagen, was auch dem größeren Ansturm an Besuchern geschuldet gewesen sein dürfte. Ins Auge fiel hier, dass Siemens es jetzt wohl wirklich ernst mit der Rückkehr in die Solar- und Speicherbranche meint. Ansonsten waren die alten Bekannten mit großen Ständen vertreten und das Treiben eben – zumindest gefühlt – noch emsiger als in den A-Hallen.

Und dann eben noch die C-Hallen. Dort finden sich auch noch Speicheranbieter oder auch Photovoltaik-Anlagenbauer, aber auch der „Rest“, der die Intersolar zur The smarter E hat werden lassen. Sich hier an Fazit der Besucher anmaßen zu wollen, wäre verwegen. In den drei Tagen habe ich es nur zweimal bis in die „hinterste Ecke“ der Messe geschafft. Dabei war man auch hier nicht allein und die Aussteller wirkten durchaus zufrieden.

Den Hut will ich vor meinen Kollegen ziehen, die in den drei Tagen in München einen Live-Blog bespielten. Dort finden Sie kurze und längere Beiträge zu dem, was die Firmen präsentierten und wie sie die Messe erlebten. Das können sie hier für Tag 3 nachlesen ( -> Tag 2, -> Tag 1).

Was festzuhalten bleibt, ist die wirklich gute Stimmung in diesem Jahr. Optimismus war allerorts zu spüren. Wohl zum ersten Mal war die Intersolar vor der großen Messe SNEC in Shanghai. Diese hatte im vergangenen Jahr noch die Stimmung in München einigermaßen verhagelt, da nach dem angekündigten Politikwechsel in China hauptsächlich über die Höhe der sinkenden Modulpreise spekuliert wurde. In diesem Jahr war das dagegen kein Thema, eher im Gegenteil. Einige Hersteller berichteten, die Preise hätten sich erholt.

Die Gespräche am Rande zeigten zudem, dass viele glauben, der Siegeszug der Photovoltaik weltweit wird sich kaum noch aufhalten lassen. Die Zuversicht wird zum einen durch den PPA-Markt getrieben. Diese Stromlieferverträge machen den Bau neuer Anlagen von der staatlichen Förderung unabhängiger. Zum anderen wird die Photovoltaik mittlerweile nicht mehr nur allein gedacht. Es gibt viele neue Ideen und Ansätze, bei denen die Photovoltaik nur ein Element in einem viel größeren Konzept ist. Gerade die Kombination mit Ladeinfrastruktur begegnet einem immer wieder. Aber auch viele andere innovative Ideen und Konzepte.

Wie lange es dauern wird, bis diese in die Realität umgesetzt werden oder in der breiten Masse ankommen, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall werden sie die Photovoltaik smarter machen und vielleicht wird sich dann auch der neue Name etabliert haben. Im nächsten Jahr ist die Messe immerhin wieder Mitte Juni. Genug Zeit für alle oder zumindest wieder ein Monat mehr, um ihre Stände in Ruhe aufzubauen oder die neuen Module oder Systeme rechtzeitig fertigzustellen.