Solarwatt: Modulproduktion profitabel und Speichergeschäft eine Investition

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Solarwatt wird dieses Jahr voraussichtlich um 20 Prozent wachsen und mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Euro oder etwas darüber abschließen. Das erklärte Solarwatt Geschäftsführer Detlef Neuhaus anlässlich eines Pressegesprächs zum 25-jährigen Jubiläum des Unternehmens in Dresden. Bei den Stückzahlen habe das Wachstum je nach Produkt zwischen 20 und 70 Prozent gelegen.

Das Umsatzwachstum bleibe zwar hinter den geplanten 40 bis 50 Prozent zurück, könne sich aber  sehen lassen, erklärte Neuhaus. Erstens sei der Speichermarkt nicht ganz so gut gelaufen wie ursprünglich gedacht. Zweitens seien die Preise bei den Modulen dieses Jahr aufgrund der Ereignisse in China so drastisch gefallen. Insgesamt bewege sich das Unternehmen auf dem mit den Gesellschaftern abgesprochenen Weg, den Neuhaus als „Marathon“ bezeichnet. Nach den Plänen strebe man die schwarze Null für 2020 an.

Neuhaus erklärte weiter, dass die Modulproduktion trotz der gesunkenen Preise profitabel arbeiten würde. Dem Unternehmen käme zu Gute, dass der Anteil der Glas-Glas-Module an der Gesamtproduktion von 110 Megawatt inzwischen bei 85 Prozent liege und die Bedeutung der Glas-Folie-Module immer weiter abnehme. Bei Glas-Glas-Modulen und in dem Endverbraucher-Segment, das Solarwatt neben das Kleingewerbe fokussiert, sei man dem Preisdruck nicht mit voller Wucht ausgeliefert. Sind auf dem Weltmarkt Glas-Folie-Modulpreise dieses Jahr um mehr als 30 Prozent gefallen, musste Solarwatt nur 25 Prozent im Preis nachgeben. Gleichzeitig sind die Solarzellen deutlich günstiger geworden, so dass das Unternehmen im Einkauf Geld spare.

Investitionen im Speichersegment

Das Speichersegment ist im Gegensatz zum Modulsegment noch nicht profitabel. Dort investiere man viel, unter anderem in die Übernahme der Batteriespezialisten von E-Wolf aus dem nordrhein-westfälischen Frechen, die jetzt unter dem Namen Solarwatt Innovation firmieren. Derzeit zieht die Herstellung von Frechen nach Dresden um.

Detlef Neuhaus sieht sich mit der Bilanz in guter Gesellschaft. „Es gibt derzeit keine Speicherhersteller, die Gewinne machen“, sagt er. Die Investitionen seien für alle Unternehmen notwendig, um sich für die Zukunft aufzustellen. Derzeit könne man sagen, dass Speicher eine Photovoltaik-Anlage nicht unwirtschaftlicher machen. Der nächste Schritt müsse sein, dass durch die Speicher eine Anlage sogar wirtschaftlicher wird.

25-jähriges Jubiläum

Streckentelefone der deutschen Bahn aus den 90er Jahren mit Solawatt-Modulen.

Foto: Solarwatt

Das Unternehmen hat eine für die Branche lange Geschichte, die genau genommen schon vor der Wende begann. Der Standort von Solarwatt war Teil des Zentrums für Mikroelektronik Dresden ZMD mit 3000 Mitarbeitern, wie Dieter Winkler erzählt. Er ist Solarwatt-Mitarbeiter der ersten Stunde und war bis 2013 Vertriebschef. Auch Frank Schneider und Lothar Schlegel, die 1993 Solarwatt gegründet haben, haben bei ZMD gearbeitet. Sie starteten mit einem von der Ludwig-Bölkow-Stiftung finanzierten Solarlicht-Projekt in Afrika. Es ging weiter mit Solarmodulen für autonome Geräte, etwa für Streckentelefone der deutschen Bahn und „schönen“ Vorzeigeprojekten wie beispielsweise Spezialmodulen für Gebäudeintegration.

Dieses Hochhaus in Japan von 2001 ist rundherum mit speziell gefertigten gebäudeintegrierten Solarmodulen von Solarwatt ausgestattet.

Foto: Solarwatt

In den 2000er-Jahren profitierte Solarwatt von dem Photovoltaik-Boom in Deutschland und belieferte große Projekte. Zunächst haben die Ingenieure des Unternehmens in der „Abteilung Betriebsmittel“ sogar noch Produktionsequipment selbst gebaut. Die im Jahr 2010 in Betrieb genommene automatisierte Produktion sei damals die fortschrittlichste überhaupt gewesen, erklärt Neuhaus. Mit dem Ende des Solarbooms ging Solarwatt in die Insolvenz in Eigenverwaltung. Mit der neuen Ausrichtung als Systemlieferant und dem Hauptgesellschafter, BMW-Erben, Stefan Quandt hat das Unternehmen letztlich überlebt – als einer der wenigen Photovoltaik-Hersteller in Deutschland, wie Detlef Neuhaus betont. Heute hat Solarwatt 340 Mitarbeiter. 2000 bis 3000 Installateure würden bei Solarwatt kaufen, mit 150 bis 200 von ihnen arbeite man so eng zusammen, dass sie als Markenbotschafter fungieren.

Neuhaus sieht die Unternehmensentwicklung als Erfolgsgeschichte, insbesondere die Ausrichtung als Systemhersteller seit 2013. Derzeit sind insbesondere Deutschland und die Benelux-Staaten wichtige Märkte für Solarwatt. Doch auch hierzulande müsse der Markt noch wachsen, um die Energiewende voranzubringen. Dazu müsse man insbesondere die Quote der Neubauten, die mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden, steigern.