Schröder verlässt Sonnen und gründet eigenes Start-up

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pv magazine: Herr Ostermann, Philipp Schröder ist in den letzten drei Jahren das Gesicht von Sonnen geworden. Er war Ansprechpartner für viele Ihrer Partner und wird immer mit der unglaublichen Transformation in Verbindung gebracht, die Sonnen in den letzten Jahren durchlaufen hat. Sind Sie über den Weggang von Philipp Schröder sehr geschockt?
Christoph Ostermann (Foto): Sehr geschockt bin ich nicht. Ich bin natürlich traurig, weil wir auch schon lange vor Sonnen freundschaftlich miteinander verbunden waren. Meine Trauer wird dadurch gedämpft, dass Philipp gar nicht vollständig weggeht, sondern uns ja noch ein bisschen erhalten bleibt. Wir haben ein langfristiges Beraterverhältnis für die Zukunft geschlossen. Ich habe Philipp damals von Tesla zu Sonnen zurückgeholt, damit er uns in einer ganz wichtigen Entwicklungsphase hilft. Es ging vor allem darum, die Marke aufzubauen und bekannt zu machen. Er ist, wie Sie sagen, in dieser Aufgabe und dieser Rolle das Gesicht von Sonnen gewesen, und hat das natürlich ganz hervorragend gemacht. Uns war aber von Anfang an klar, dass es eine Zusammenarbeit auf Zeit bleiben wird. Wie gesagt, diese Zeit endet jetzt auch noch nicht vollständig, von daher ist das für mich kein Schock. Aber ich bedauere das natürlich sehr und finde aus naheliegenden Gründen schade.

Herr Schröder, warum gehen Sie weg?
Philipp Schröder: Was im Markt einfach keiner weiß: Genau wie Christoph es sagt, wir kennen uns lange, sind gut und eng befreundet. Christoph ist auch an der neuen Firma beteiligt, die ich jetzt beginne. Schon im Oktober werden wir gemeinsam wieder auf meinem Bauernhof Holz hacken, das heißt, das Verhältnis zwischen uns ist sehr gut und es war immer so. Christoph hat mich damals angesprochen und gesagt: Hey, wir haben da was Großes bei Sonnen vor, komm doch dazu. Aber uns beiden war immer klar, dass es irgendwann einen Punkt gibt, wo Sonnen hoffentlich auch größer als eine Einzelperson wird – und den haben wir jetzt einfach erreicht. Das ist auch nicht eine Entscheidung, die wir erst jetzt vor einem Monat getroffen haben, sondern wir haben in den letzten sechs bis zwölf Monaten ganz vorsichtig Topleute ins Unternehmen gebracht und haben jetzt eine gute zweite Reihe. Wir sind extrem gewachsen und haben sehr viel erreicht. Und ganz ehrlich: Ich bin megastolz, dass ich dabei bin und bleibe. Das ist ein wichtiger Punkt: Ich werde auch immer ein Sonnen-Krieger bleiben, bis an den letzten Tag meines Lebens, da bin ich mir sicher. Nur man muss auch immer ehrlich mit sich selbst bleiben und auch neue Herausforderungen annehmen – und das tue ich jetzt. Und ich mache es auf eine Art und Weise, mit der ich Sonnen erhalten bleibe. Ich glaube, dass diese ganzen Spekulationen im Markt einfach nur das sind, was sie von außen immer sind. Die Leute können nicht in die Gespräche zwischen Christoph und mir reinhören.

Was machen Sie in Zukunft?
Philipp Schröder: Etwas komplett anderes. Ich habe mich parallel in den letzten Jahren an einer Technologie beteiligt, die nichts anderes macht, als Investmentmöglichkeiten zu vergleichen. Es handelt sich um ein kostenloses Online-Tool, das wir heute vorstellen, mit dem man sämtliche Investmentopportunitäten, die es so gibt – vom Rohstofffonds bis zum Aktienfonds weltweit – vergleichen kann. Wir wollen erreichen, dass auch im Bereich Investmentanlagen der Prosumer ein bisschen mündiger wird. Wir möchten natürlich auch in dem Markt eine Spur hinterlassen, aber es ist ein ganz anderer Markt. Mein Herz im Energiebereich bleibt und schlägt natürlich bei Sonnen.

Zurück zu Sonnen, die Transformation ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter mit den neuen Konzepten, die Sie in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht haben?
Christoph Ostermann: Wie wir zum einen eben schon gesagt haben, gibt es verschiedene Phasen und für verschiedene Phasen auch die richtigen Leute. Zum anderen ist es so, dass wir nicht nur Philipp Schröder und mich in der Geschäftsführung haben und jetzt fallen mal eben 50 Prozent weg. Unser Geschäftsführungsteam besteht aus sieben Leuten. Wir haben uns bewusst auch in den letzten Jahren so gut aufgestellt, weil wir sehr viele unterschiedliche Sachen machen, darunter das internationale Geschäft, die Sonnen-Community und vieles mehr. Der zweite Punkt ist: Wir haben unter dem Geschäftsführungsteam eine sehr starke zweite Reihe aufgebaut. Das sind Leute, die ihr Geschäft verstehen und auch die Ländergesellschaften in Australien, den USA und Italien bei uns leiten. Es war uns immer wichtig, in sehr gute Leute zu investieren. Natürlich suchen wir auch für Philipp einen Nachfolger. Die Suche läuft aber insofern entspannt, weil er gar nicht ganz weg ist. Aber wir haben schon einige sehr vielversprechende Kandidaten in Aussicht und werden mit Sicherheit in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen.

Sonnen wächst sehr schnell und hat einen großen Finanzbedarf. Wie lange steht Ihre Finanzierung noch?
Christoph Ostermann: Wir haben ja gerade eine Finanzierungsrunde über 60 Millionen Euro abgeschlossen und im Mai ist dabei Shell als Gesellschafter dazugekommen. Wir haben mit Shell und anderen Investoren ein paar sehr starke Investoren an der Hand, die gut gefüllte Taschen haben und ganz offensichtlich zu uns stehen und uns viel Geld zur Verfügung stellen. Wir hatten bis jetzt in jeder Finanzierungsrunde die Möglichkeit, uns die Investoren auszusuchen, die wir mitnehmen wollten. Also wir können uns über Finanzierbarkeit nicht beklagen. Wir wissen, dass wir aggressives Wachstum betreiben, das ist auch unsere DNA. Deswegen sind wir auch noch nicht profitabel. Das ist so lange in Ordnung, solange wir es finanzieren können – und das können wir. Das können wir auch über die nächsten Jahre hinaus.

Gibt es schon Pläne, was als Nächstes kommt – an Services, an neuen Produkten?
Christoph Ostermann: Ja, klar gibt es Pläne für Neues. Sie werden in den kommenden Monaten verschiedenste technologische Neuerungen von uns hören. Wenn Sie heute in die US-Presse gucken, werden Sie sehen, dass wir gerade in den USA ein neues Modell präsentiert haben, die ECO-Links, die den Home-Automation-Markt in den USA reingehen.

Sie haben am Anfang gesagt, Herr Schröder steht als langfristiger Berater noch zur Verfügung. Was beinhaltet das?
Philipp Schröder: Dadurch, dass ich eben nicht aus dem Energiebereich in eine andere Firma innerhalb des Energiebereiches wechsele, bleibe ich langfristig und hoffentlich sehr, sehr, sehr, sehr lange bei Sonnen in der Entwicklung involviert. Ich werde natürlich auch meine Beteiligung am Unternehmen behalten. Sonnen-Krieger, das ist man. Und das macht man nicht einfach mal so. Die Marke ist größer als Philipp Schröder. Und das, was wir machen, sucht international und national seinesgleichen. Deswegen finde ich es immer ein bisschen kleinkariert, das gebe ich jetzt auch gerne mal zurück, wenn da teilweise so spekuliert wird. Wir werden da weitermachen und ich bin immer an Sonnen-Seite und das solange Sonnen mich braucht und möchte.

Tut es nicht weh, in dem Moment loszulassen, wenn vermutlich die Früchte kommen werden?
Philipp Schröder: Nein, das tut nicht weh, wenn man weiß, dass man seinen Job gemacht hat, und wenn man weiß, dass jetzt sehr talentierte Leute in der zweiten Reihe da sind. Sie bekommen jetzt ihren Raum und so muss das auch sein. Man muss dann auch kritisch sein und hinterfragen, wann ist welche Art von Managementskill notwendig und wann eben auch nicht? Dann muss man auch einen ganz offenen und ehrlichen Dialog innerhalb einer Geschäftsführung und der Mitarbeiter auch führen und fragen: Was ist richtig für Sonnen? Wir haben bisher getan und werden weiterhin tun, was für Sonnen richtig ist. Natürlich ist das emotional und die Bindung wird auch immer bleiben. Trotzdem macht mein Leben auch aus, dass ich mutig bin und meine Entscheidungen treffe und dann auch in neue Gewässer eintauche. Das habe ich bei Tesla gemacht, da bin ich auch weggegangen. Ich habe es bei Sonnen getan, als ich zu Tesla gegangen bin. Jetzt gehe ich bei Sonnen wieder, aber ich kann zurückblicken und weiß: Da sind gute Leute, die etwas leisten werden. Zudem weiß ich, die beste Zeit liegt noch vor Sonnen.