Ökologisch nachhaltiger Tourismus und Photovoltaik passen einfach sehr gut zusammen

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pv magazine: Erstmals steht ein Projekt des Energiespeicherspezialisten Autarsys zur Refinanzierung auf der Plattform „ecoligo.investments“ Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Markus Schwaninger ist Geschäftsführer von Ecoligo.

Foto: Alex Gärtner

Markus Schwaninger (Foto): Ich habe Matthias Ross 2013 in Kenia auf einer Solarkonferenz kennengelernt, als ich noch für die deutsche Entwicklungsorganisation GIZ gearbeitet habe. Was ich an Matthias schon immer geschätzt habe, ist sein Blick für das Ganze. Matthias denkt Projekte nicht nur aus Sicht des Ingenieurs, der seine Energiespeicher vermarkten will, sondern überlegt sich durch welche Geschäfts- und Finanzierungsmodelle man Projekte realisieren kann und implementiert diese dann auch. Genau solche Partner suchen wir.

Matthias Roß: Markus hat uns, als wir uns 2013 kennengelernt haben, als Projektmanager in Ostafrika im Off-Grid-Bereich unterstützt. Seitdem sind wir in Kontakt geblieben. Seine Idee zur Gründung einer Crowdfinanzierungs-Plattform für erneuerbare Energie in Entwicklungs- und Schwellenländern hat uns gut gefallen, da uns relativ schnell klar war, dass das einer der sinnvollsten Wege zur Finanzierung dieser Projekte ist.

Wer hat die Anlage ursprünglich finanziert und was soll mit den Geldern aus dem Crowdinvestment passieren?

Matthias Roß ist Geschäftsführer des Berliner Speicheranbieters Autarsys.

Foto: Autarsys GmbH

Matthias Roß (Foto): Ursprünglich wurde das Projekt direkt von den Gesellschaftern der Enervinci Philippines vorfinanziert. Die Gelder aus dem Crowdinvestment sollen das zu einem großen Anteil ablösen, damit neue Projekte vorfinanziert werden können.

Markus Schwaninger: Für die Crowdinvestoren ergibt sich der Vorteil, dass sie in ein bestehendes System investieren, dass seine Leistungsfähigkeit bereits unter Beweis gestellt hat. Das reduziert die technischen Projektrisiken.

Gibt es schon konkrete Pläne für die Erweiterung der Photovoltaik-Anlage und des Batteriespeichers in dem Resort „Qi Palawan“ oder wovon wird das abhängig gemacht?

Matthias Roß: Die erste Runde der Erweiterung ist seit Oktober 2017 umgesetzt. Wir haben die Leistung erheblich erweitert: Verdoppelung der Photovoltaik-Anlage, Verdreifachung der Batteriekapazität. Das geschah nach einem Jahr mit Messungen und Erfahrungen – also noch vor der Refinanzierung. Eine neuerliche Erweiterung würde erst wieder nötig, wenn das Resort ausbauen sollte.

Wie reagieren die Gäste des Resorts auf das Projekt?

Matthias Roß: Die finden das natürlich toll. Es stinkt nicht mehr nach Diesel und es sind keine Diesel-Generatoren zu hören. Zum anderen fühlen sich Touristen wohler in einem Resort, das bewusst ökologische Ziele verfolgt.

Kann das Projekt Symbolcharakter für andere touristische Ziele haben? Haben Sie schon weitere ähnliche Projekte umgesetzt oder in Planung?

Matthias Roß: Ja, natürlich kann es das haben. Die Resonanz ist überwältigend. Bereits jetzt haben wir drei weitere Resorts auf den Philippinen vertraglich gebunden. Das nächste, Cauayan, wird in den nächsten Wochen bei ecoligo.investments online gehen. Wir erwarten, dass es nicht bei den bisher entwickelten acht Projekten auf den Philippinen bleibt. Die Tourismusindustrie auf Palawan hat bereits die Richtung Öko und Naturerlebnis eingeschlagen, da passen unsere Systeme gut ins Bild.

Markus Schwaninger: Auf der Crowdinvesting-Plattform wurden bereits mehrere Projekte mit Kunden aus dem Agrarsektor finanziert. Das aktuelle Projekt „Qi Palawan“ ist das erste Solarprojekt mit einem Resort als Endkunde auf der Plattform. Auch wir erwarten, dass dieses Marktsegment weltweit stark wächst. Ökologisch nachhaltiger Tourismus und Solarenergie passt einfach sehr gut zusammen.

Autarsys hat auch gerade ein spannendes Großprojekt in Australien realisiert. Sie haben Speicher zu einem großen Solarpark installiert. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Matthias Roß: In Lakeland gab es von der Australian Renewable Energy Agency (ARENA) ein großes Interesse daran, ein Demonstrationsprojekt zu schaffen, mit dem man die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Batteriesystemen zeigen kann. Das sind fünf verschiedene Bereiche. Es geht darum die die Solaranlage zu unterstützen, planbar zu werden. Das Netz zu unterstützen, die Frequenz zu stabilisieren. Ohne das Netz im Inselmodus die Menschen weiter mit Strom zu versorgen. Strom zu speichern, wenn er billig ist, und verkaufen, wenn er teuer ist – also auf dem Markt Gewinne erwirtschaften. Und letztlich, der wichtigste Modus: Alles das, gleichzeitig. Dazu wurde auch ein umfangreiches Forschungsprojekt aufgesetzt, dass die Anlage die nächsten Jahre begleiten wird, daran sind unter anderem Universitäten sowie der Netzbetreiber beteiligt.

Sind auch hier weitere ähnliche Projekte geplant?

Matthias Roß: Wir haben ein kleineres Projekt in Zypern, dass ebenfalls Forschungs-Charakter hat und dem in Australien nicht unähnlich ist: Auch dort gibt es ein Forschungsprojekt zum Thema Speicher und Photovoltaik-Anlagen. Der Speicher dort ist allerdings sehr viel kleiner. Das war in Zypern die erste Speicheranlage überhaupt, und im Mittelmeerbereich gibt es noch ein erhebliches Potenzial für Speichersysteme. Hier haben Projekte eher Energieunabhängigkeit und Planbarkeit von kleineren Solarkraftwerken zum Ziel.

Haben Sie Pläne, weitere solche Projekte auf ecoligo.investments zu finanzieren?

Matthias Roß: Wie schon erwähnt: Das nächste Projekt wird Cauayan sein, wieder ein Ecoresort – dieses Mal allerdings deutlich größer mit einem größeren Finanzvolumen von 500.000 Euro. Zusätzlich haben wir sieben weitere Projekte auf den Philippinen vertraglich gebunden – sowohl Resorts als auch Gemeinden -, zwei in Tansania, vier in Madagaskar in der Realisierung und 20 weitere dort in der Planung. Für all diese Projekte werden wir Finanzierungskampagnen machen, auch auf ecoligo.investments.

Markus Schwaninger: Wir freuen uns bereits darauf.

Was macht die Zusammenarbeit im Offgrid-Photovoltaik-Bereich so spannend?

Matthias Roß: Man weiß nie genau, was einen erwartet. Der Natur des Gewerbes entsprechend ist man meistens in Gegenden, in denen sich gerade viel verändert. Elektrifizierung ist eine Schwelle die so viel mehr Möglichkeiten eröffnet. An Orten den Dieselgenerator mit erneuerbaren Energiesystemen zu ersetzen ist das Gebot der Stunde. Die Zukunft ist grün und es braucht Speicher, wenn auch im Off-Grid-Bereich Strom genauso verwendet werden soll wie bei uns. Die Technologie hat ihre Marktreife bewiesen. Das einzige Problem ist die Finanzierung. Crowdfunding bedeutet hier für viele Zugang zu Energie zu haben – oder eben nicht. Nicht zu vergessen: Crowdfunding bedeutet nicht nur Energieversorgung finanzieren zu können, sondern auch transparent zu finanzieren. Crowdfunding ist bei der Finanzierung von Siedlungen auch ein Mittel gegen Korruption, was den Strom noch einmal deutlich günstiger macht.

Markus Schwaninger: Für uns ist die Zusammenarbeit unter anderem dadurch so spannend, dass Autarsys weltweit, mit einem Fokus auf Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv ist. Was Autarsys aus meiner Sicht auszeichnet, ist die starke vor Ort Präsenz. Die Firma ist ein gutes Beispiel, einer deutschen Firma, die es verstanden hat, dass man Off-Grid-Märkte nicht aus der Ferne erschließen kann, sondern vor Ort aktiv sein muss. Das ist ebenso unser Anspruch, weshalb wir auch kürzlich ein Büro in Ghana eröffnet haben.