Die Elektromobilität wird schnell kommen, selbst gegen den Widerstand aus Deutschland

Wie weit andere Länder und vor allem große Firmen in der Umstellung auf Elektromobilität sind kommt in den großen deutschen Medien kaum vor. Zu sehr unterstützen sie noch den jahrzehntelangen Abwehrkampf der großen deutschen Automobilkonzerne gegen die Nullemissionsantriebe. Über den neuen Automobilkonzern Tesla aus den USA dringen dann schon mal offensive Meldungen durch, was sich aber an Dynamik in Fernost entwickelt wird hierzulande kaum wahrgenommen.

So hat der chinesische Marktführer BYD im letzten Jahr mehr als 100.000 reine E-Autos produziert und weltweit davon abgesetzt. Insgesamt hat BYD letztes Jahr 355.000 und bis August 2017 bereits 346.000 Autos mit neuer Antriebsform, also auch Hybridantriebe verkauft. Zum Vergleich: VW hat im letzten Jahr ca. 4.000.000 Autos in China verkauft (alles Benziner) und hat es gerade geschafft, mit Hilfe von Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel die chinesische Regierung zu überreden, eine verbindliche Quote von 10% alternativer Antriebe um ein Jahr zu verschieben (statt 2018 nun 2019). Ob VW es schafft, im Jahre 2019 nun tatsächlich 400.000 Elektromobile abzusetzen, darf mehr als bezweifelt werden, da VW, Daimler und andere deutsche Konzerne ja ihre Ingenieurskunst in die Entwicklung krimineller Schadstoffsoftware legten, statt in die Entwicklung von Nullemissionsantrieben.

Das bedeutet, dass der Kampf gegen die hohe Luftverschmutzung in Chinas großen Städten um ein Jahr verlangsamt wurde. Ursache für die hohe Luftverschmutzung in Peking und anderen großen Städten sind ja gerade Autos mit Verbrennungsmotoren und Kohlekraftwerke, beides zu einem großen Teil aus deutschem Export. Wie offensiv aber chinesische Firmen an Luftreinhaltung und Klimaschutz arbeiten und an den Erfolg glauben, zeigt die Einschätzung von BYD Gründer und CEO Wang Chuanfu. So äußerte er kürzlich seine Einschätzung, dass bereits 2030 alle chinesischen Autos elektrifiziert sein werden, also reine E-Mobile oder Plug-In-Hybride.

(https://cleantechnica.com/2017/09/25/byd-expects-chinas-shift-electrified-vehicles-completed-just-decade/ (https://www.hans-josef-fell.de/content/index.php?subid=486&option=com_acymailing&ctrl=url&urlid=1033&mailid=528 ))

Europäische Hersteller sind hier meilenweit von solchen offensiven Strategien und damit natürlich auch solchen Einschätzungen entfernt.

Offener Brief an die Renault-Nissan Alliance zur Ladeinfrastruktur für E-Autos

In einem offenen Brief an die CEOs der Renault-Nissan Alliance, Carlos Ghosn und Hiroto Saikawa, appellieren daher Personen der Öffentlichkeit, Aktivisten, Gründer und viele andere an die Alliance, sich für einen besseren Ausbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge einzusetzen.

Der Brief hebt die sehr guten Elektrofahrzeuge, die Renault und Nissan anbieten, hervor. Dennoch wird ein Hindernis gesehen, warum sich viele Menschen trotz der offensichtlichen Vorteile kein Elektrofahrzeug anschaffen: die fehlende Ladeinfrastruktur über lange Distanzen. Ich selber fahre seit vier Jahren den Renault ZOE mit ungebrochener Begeisterung. Im offenen Brief, den auch ich unterzeichnet habe, werden Renault und Nissan aufgefordert, sich an das bestehende Schnellladenetz von Tesla anzuschließen. Denn Tesla sei offen für neue Partner in diesem System. Und da es die Bundesregierung bisher nicht geschafft hat, ein solches System aufzubauen, wäre die unternehmerische Initiative von Renault genau die Antwort auf das Versagen der Bundesregierung.

Den Brief finden Sie hier: https://cleantechnica.com/2017/08/28/open-letter-renault-nissan-alliance-regarding-supercharging/ (https://www.hans-josef-fell.de/content/index.php?subid=486&option=com_acymailing&ctrl=url&urlid=1034&mailid=528 )

Dabei wird immer noch oft behauptet, dass das E-Auto nicht ökologisch sei, weil der Strom dafür ja immer noch nicht zu 100 Prozent Ökostrom sei. Das können Sie selbst aber schnell ändern. Bauen Sie sich, sofern Sie es noch nicht haben, eine PV-Anlage um Ihr eigenes E-Mobil zu laden. Mit Strom von 1 m² Solaranlage kann man 1000 km im Jahr fahren.

Ein E-Auto braucht etwa 15 Kilowattstunden (kWh), um damit 100 km zu fahren. Ein Quadratmeter eines (1,7 Quadratmeter großen 250-Watt-) PV-Moduls liefert etwa 150 kWh Strom pro Jahr – also 10 x 15 kWh. Man braucht also nur etwa einen Quadratmeter Photovoltaik um so viel Strom zu produzieren, dass man damit 1.000 km E-Auto pro Jahr fahren kann, so rechnet es Daniel Bannasch von MetropolSolar in einer groben Rechnung vor.

6 Module mit insgesamt 1.500 Watt (1,5 kWp) benötigen eine Fläche von 10 Quadratmetern – also die Größe eines Carports. Der produzierte Strom reicht dann, um 10.000 km weit zu fahren.

Auch finanziell ist die MetropolSolar-Rechnung interessant: Eine Solaranlage mit 1,5 kWp kostet zur Zeit etwa 2.000 Euro fertig installiert. Auf 20 Jahre gerechnet wären das dann pro Jahr 100 Euro PV-Spritkosten für 10.000 Kilometer – also 1 Euro auf 100 Kilometer. Ein Verbrenner mit 7-8 Litern auf 100 Kilometer und 1,30-1,40 Euro pro Liter belastet den Autofahrer mit etwa 10 Euro Spritkosten auf 100 Kilometer. Macht ca. 1.000 Euro im Jahr bei 10.000 Kilometer. Nach dieser Rechnung ist es also 10 Mal so teuer ein Auto mit Benzin oder Diesel zu tanken wie mit PV-Strom.

Selbst wenn man berücksichtigt, dass die PV-Anlage im Tages- und Jahresverlauf den Strom nicht immer dann liefert, wenn er gerade fürs E-Auto gebraucht wird und man den kompletten Strom fürs E-Auto aus der Steckdose beziehen würde, hätte man beim aktuellen Strompreis von 25-30 Cent für die kWh nur rund 400 Euro jährliche Spritkosten für 10.000 Kilometer.

MetropolSolar ist übrigens gerade dabei das Buch von Tony Seba „Clean Disruption of Energy and Transportation“, in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Saubere Revolution 2030“ zu veröffentlichen (http://blog.metropolsolar.de/2017/09/tony-seba-saubere-revolution-2030/ (https://www.hans-josef-fell.de/content/index.php?subid=486&option=com_acymailing&ctrl=url&urlid=1035&mailid=528 )).

Auch Tony Seba rechnet vor, dass die saubere E-Mobilität viel schneller in die Welt kommen wird, als es VW, Daimler, Ford, General Motors und Kanzlerin Merkel glauben wollen. Tony Seba aus den USA sieht es damit ähnlich wie Wang Chuanfu von BYD aus China. Nur Deutschland wird dem nur noch hinterherschauen können und sich noch wundern, wie schnell die einst starke deutsche Automobilindustrie vor die Hunde geht.

— Der Autor Hans-Josef Fell saß für die Grünen von 1998 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Der Energieexperte war im Jahr 2000 Mitautor des EEG. Nun ist er Präsident der Energy Watch Group (EWG). Mehr zu seiner Arbeit finden Sie unter www.hans-josef-fell.de.

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