Lastspitzenkappung mit Batteriespeicher im Gewerbe: Auslegung, Wirtschaftlichkeit und typische Fehler

Dachanlage, Photovoltaik, Gewerbe

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Das Prinzip der Lastspitzenkappung ist schnell verstanden: Ein Gewerbespeicher lädt in Zeiten mit niedrigem Strombezug und entlädt gezielt in Zeiten hoher Last, damit die gemessene Spitze am Netzanschlusspunkt sinkt. Dadurch reduziert sich die Leistungspreiskomponente der Netzentgelte, die sich für Kunden mit registrierter Lastgangmessung aus der Jahreshöchstlast in Kilowatt multipliziert mit dem Leistungspreis in Euro pro Kilowatt ergibt. Lastspitzen lassen sich auch ohne Batteriespeicher reduzieren, zum Beispiel durch Lastmanagement. Ein Speicher hat aber den Vorteil, dass er ohne Eingriff in betriebliche Abläufe wirkt und auch auf unvorhergesehene Spitzen reagieren kann.

Physische Lastspitze und gemessene Lastspitze sind nicht dasselbe
Wie Lastspitzenkappung mit Batteriespeichern funktioniert.

Grafik: Green Energy Tools

Physische Lastspitze und gemessene Lastspitze sind nicht dasselbe

Entscheidend für die Abrechnung ist der durchschnittliche Strombezug innerhalb einer Viertelstunde, nicht der physische Momentanwert. Der Strombezug darf also kurzzeitig über dem Zielniveau liegen, solange der Speicher innerhalb desselben Intervalls ausreichend entlädt, um den Durchschnitt unter dem Zielniveau zu halten. Ein Energiemanagementsystem muss daher nicht in Millisekunden reagieren, sondern rechtzeitig innerhalb der Viertelstunde einen Ausgleich schaffen. Für die Praxis bedeutet das: Die Anforderungen an die Reaktionsgeschwindigkeit des Systems sind deutlich geringer, als viele annehmen.

Wann lohnt sich Lastspitzenkappung?

Je höher der Leistungspreis, desto größer der Hebel pro gekapptem Kilowatt. Der Leistungspreis hängt vom Netzbetreiber, der Netzebene und der Jahresbenutzungsdauer ab. In vielen Netzgebieten liegt in der Mittelspannung fast ein Faktor zehn zwischen den Leistungspreisen in den beiden Preisblättern für Kunden unter und über 2500 Stunden Jahresbenutzungsdauer. Dementsprechend stark unterscheiden sich die möglichen Erlöse.

Auf der Kostenseite bestimmt das Lastprofil, wie anspruchsvoll die Kappung ist. Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Spitzen, sondern auch deren Dauer und wie viel Zeit zwischen den Spitzen zum Nachladen bleibt, ohne dabei neue Spitzen am Netzanschlusspunkt zu erzeugen. Ein weiterer Faktor ist, ob Lastspitzen vorhersehbar sind: Wenn ja, kann der Speicher zwischenzeitlich für andere Anwendungsfälle wie Eigenverbrauchsoptimierung oder dynamische Stromtarife genutzt werden, was die Wirtschaftlichkeit der Systeme verbessert, aber auch das Risiko erhöht, dass im entscheidenden Moment zu wenig Kapazität verfügbar ist.

Warum es ohne Simulation keine belastbare Antwort gibt

Lastspitzenkappung lässt sich nicht mit einer Formel oder Faustregel berechnen. Die benötigte Kapazität muss anhand einer Simulation ermittelt werden. Diese muss wiederum mit den Kosten der Batterie ins Verhältnis gesetzt werden, um das Optimum zwischen Aufwand und Ertrag zu finden.

In der Simulation wird der Lastgang im Viertelstundenraster durchlaufen. Für jedes Intervall wird geprüft, ob der Bezug am Netzanschlusspunkt das Zielniveau überschreitet. Ist das der Fall, wird eine Entladung angesetzt, um den Bezug auf das Zielniveau zu begrenzen, im Rahmen der verfügbaren Batterieleistung und des aktuellen Ladezustands. Liegt der Bezug unter dem Zielniveau, kann der Speicher wieder laden, allerdings nur so weit, dass der zusätzliche Ladevorgang selbst keine neue Spitze erzeugt. So ergibt sich aus der zeitlichen Abfolge, welches Kappungsziel zuverlässig mit welcher Batterieleistung und Kapazität erreicht werden kann.

Lineare Erträge bei überproportionalem Aufwand

Aus der Auswertung realer Lastgänge zeigt sich ein robustes Prinzip: Jedes zusätzlich gekappte Kilowatt spart linear, während der dafür notwendige Speicherbedarf überproportional steigt. Die ersten Kilowatt sind meist leicht gekappt. Je weiter das Zielniveau abgesenkt wird, desto mehr Spitzen werden relevant und desto enger werden die Ladefenster.

Die nebenstehende Grafik veranschaulicht diesen Effekt anhand eines realen Lastprofils. Eine Kappung von beispielsweise 120 auf 90 Kilowatt ist häufig noch einfach, weil gegebenenfalls nur die höchste Spitze betroffen ist. Bei einem Zielniveau von 80 Kilowatt betrifft die Kappung bereits mehrere Spitzen, es liegen aber noch große Nachladefenster dazwischen. Bei 60 Kilowatt als Zielniveau muss der Speicher teilweise über längere Zeiträume entladen, die Nachladefenster werden kürzer und die notwendige Kapazität steigt stark.

Lastprofil am Netzanschlusspunkt mit verschiedenen Zielniveaus zur Lastspitzenkappung

Beispielrechnung

Die folgende Grafik verdeutlicht diese Dynamik anhand eines anderen Lastgangs mit deutlich höheren Strombezügen, mit einer maximalen Last von rund 1000 Kilowatt und einem Leistungspreis von 150 Euro pro Kilowatt und Jahr. Bei einer Reduktion um 300 Kilowatt ist eine Kapazität von circa 500 Kilowattstunden erforderlich, die Einsparungen liegen bei 45.000 Euro pro Jahr. Bei einem Batteriepreis von 400 Euro pro Kilowattstunde kostet die Batterie 200.000 Euro und amortisiert sich in circa 4,5 Jahren.

Strebt man dagegen eine Kappung um 400 Kilowatt an, benötigt man etwa 1250 Kilowattstunden und realisiert circa 60.000 Euro Ersparnis. Der Batteriespeicher kostet dann 500.000 Euro, die Amortisation dauert circa 8,3 Jahre. Das zeigt, wie wichtig es ist, den wirtschaftlichen Sweetspot zu finden.

Typische Denkfehler bei der Speicherauslegung

Typische Denkfehler bei der Speicherauslegung

Ein häufiger Fehler ist, die höchste Lastspitze im Jahr automatisch für die anspruchsvollste zu halten. Für die Auslegung zählt nicht nur die Höhe, sondern vor allem die Dauer. Eine Spitze von 10 Kilowatt über 15 Minuten erfordert nur 2,5 Kilowattstunden. Eine Spitze von fünf Kilowatt über eine Stunde dagegen bereits fünf Kilowattstunden, obwohl sie niedriger ist. Entscheidend ist die Energie unter der Spitze, nicht nur der Maximalwert.

Ein zweiter Fehler ist, mit der Nennkapazität der Batterie zu rechnen. In der Praxis ist nur ein Teil dauerhaft nutzbar. Bei vielen Lithium-Ionen-Systemen wird ein Puffer bis 20 Prozent Ladezustand gelassen, bei Lithium-Eisenphosphat-Systemen sind häufig 10 Prozent möglich. Für eine konservative Auslegung sollte diese Reserve nicht fest als Arbeitskapazität verplant werden.

Häufige Fragen

Die Auslegung nur auf einem einzelnen Jahr Lastgangdaten aufzubauen, birgt ein reales Risiko, da saisonale Besonderheiten oder außergewöhnliche Spitzen das Bild verzerren können. Besser ist es, mehrere Jahre zu prüfen, wenn verfügbar. Ebenso muss das Kappungsniveau angepasst werden, wenn sich die Laststruktur ändert, etwa durch neue Maschinen oder eine neue Photovoltaik-Anlage.

Wer steuerbare Lasten hat, kann das Risiko einer Zielverfehlung mit einem Energiemanagementsystem minimieren, das gezielt Lasten abwirft, bevor das Kappungsziel gefährdet ist. Zusätzlich hilft eine etwas konservativere Auslegung mit Kapazitätsreserve über den simulierten Bedarf hinaus, um unvorhergesehene Situationen abzufedern – was allerdings auch eine schlechtere Wirtschaftlichkeit bedeutet.

Lennart Wittstock, Green Energy Tools— Der Autor Lennart Wittstock ist Gründer von Green Energy Tools, einem Softwareanbieter für die Wirtschaftlichkeitsanalyse und Auslegung von gewerblichen Batteriespeichern. —

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