Taiwans Fair Trade Commission ermittelt gegen PVInsights und Energy Trend wegen zu niedriger Preisangaben

Die EU-Kommission will demnächst zur Ermittlung des Mindestimportpreises für kristalline Photovoltaik-Produkte aus China den Index von PVInsights – anstelle wie bisher von Bloomberg – heranziehen, wie sie in dem kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht des laufenden Prüfverfahrens veröffentlicht hat. Doch es bestehen erhebliche Zweifel daran, dass dieser die wahren Kosten widerspiegelt, wie die Recherchen von pv magazine ergeben haben.

Taiwans Photovoltaik-Verband TPVIA hat im Namen seiner Solarzellhersteller vor einigen Wochen eine Beschwerde bei der heimischen Fair Trade Commission (FTC) gegen PVInsights und Energy Trend eingereicht, wie verschiedene Quellen bestätigten. Der Vorwurf lautet: Die wöchentlich veröffentlichten Preise der beiden taiwanesischen Marktforschungsinstitute für Solarzellen und Solarmodule seien zu niedrig. Die FTC eröffnete im Juni daraufhin ein Untersuchungsverfahren, wie aus einem Dokument hervorgeht, das pv magazine vorliegt. Die Ermittlungen beziehen sich auf mögliche Verstöße gegen die Artikel 25, 26 und 42 des Freihandelsgesetzes.

Ihre wöchentlichen Veröffentlichungen zur Entwicklung der kristallinen Solarzellen zeigten Preise, die unterhalb des realen Marktniveaus lägen, bestätigten Vertreter der taiwanesischen Solarindustrie pv magazine. Dies habe einen direkten negativen Einfluss auf die Solarzellhersteller in Taiwan und ihre Möglichkeiten für einen fairen Handel. Die von PVInsights und Energy Trend veröffentlichten Preise lägen sogar unter dem Niveau der realen Herstellungskosten vieler Produzenten im Land, hieß es aus Industriekreisen weiter. Auch ein Analyst aus der Region bestätigte, dass kein namhafter Hersteller zu den bei PVInsights angegebenen Preisen seine Produkte verkaufen könne. Sie seien zu niedrig.

Die aktuellen Daten (19. Juli, siehe Screenshot links) von PVInsights zeigen durchschnittliche Spotmarktpreise für multikristalline Solarzellen mit 0,217 US-Dollar pro Watt und für aus Taiwan stammende multikristalline Solarzellen mit 0,218 US-Dollar pro Watt. Bei Energy Trend sind es zum gleichen Zeitpunkt für diese Kategorien Durchschnittspreise von 0,229 US-Dollar (China) und 0,233 US-Dollar pro Watt (Taiwan). Nach Angaben aus Industriekreisen wundern sich taiwanesische Zellhersteller, wie die beiden Institute auf ihre Preise kommen. Viele hätten bislang keine Preisabfragen von PVInsights oder Energy Trend erhalten.

Zwar werden die meisten Solarzellen in China gefertigt. Die dortigen Photovoltaik-Hersteller nutzen sie aber zumeist direkt für die eigene Modulproduktion. Taiwan ist hingegen derzeit der wohl größte Exporteur von Solarzellen weltweit. Allein schon aus diesem Grund sollten PVInsights und Energy Trend die Preise der taiwanesischen Produzenten abfragen, heißt es aus Industriekreisen. Dort vermutet man, dass die in China ansässigen Modulhersteller, die einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Solarzellen aus Taiwan importierten, nur die niedrigsten Preise von taiwanesischen Herstellern bei PVInsights und Energy Trend angeben, woraus diese schließlich ihren Preisindex generierten.

Viele Kunden – auch international – orientierten sich bei den Verhandlungen an den Preisen bei PVInsights und Energy Trend. In den Verträgen gebe es oftmals Anpassungsklauseln, die sich nach der Entwicklung dieser Preisindices richteten. Chinesische Hersteller könnten somit gezielt die Bezugspreise drücken, heißt es aus der Industrie.

Hochgerechnet auf eine Exportmenge von acht Gigawatt jährlich wären dies bei 0,1 US-Dollarcent pro Watt Preisunterschied bereits 80 Millionen US-Dollar Mindereinnahmen für die taiwanesischen Hersteller. Da sich die Beschwerde gegen beide Marktforschungsinstitute richtet, ist anzunehmen, dass die Preisdifferenz zu den realen Produktionskosten die 0,1 Cent pro Watt deutlich übersteigt – zumindest bezogen auf die Angaben bei PVInsights. Ein taiwanesischer Industrievertreter gab an, dass sich im vergangenen Geschäftsjahr die Verluste aller taiwanesischen Solarunternehmen auf 13,4 Milliarden Taiwan-Dollar summierten. Dies sind umgerechnet fast 444 Millionen US-Dollar oder 378,5 Millionen Euro. Dabei sei schwer einzuschätzen, zu welchem Prozentsatz die zu niedrigen Preise von PVInsights dafür verantwortlich seien. Die taiwanesische Solarindustrie mache das Institut aber für einen „Großteil“ der Verluste verantwortlich, erklärt er.

Die scheinbar zu niedrigen Preise bei PVInsights könnten bald auch auf die Ergebnisse der europäischen Photovoltaik-Hersteller auswirken. Die EU-Kommission plant, dass der Minimumimportpreis für chinesische Zell- und Modulimporte von seinem derzeitigen Niveau bis September 2018 sukzessive auf das bei PVInsights angegebene Preisniveau aus dem ersten Quartal 2017 abgesenkt wird. Für multikristalline Solarmodule würde er damit bei 33 Eurocent pro Watt und für multikristalline Solarzellen bei 19,5 Eurocent pro Watt liegen. Für monokristalline Solarzellen und -module würden dann Mindestimportpreise von 21,8 und 38 Eurocent pro Watt gelten, wie aus einer Veröffentlichung der EU-Kommission hervorgeht.

Derzeit gibt es keine Unterscheidung zwischen multi- und monokristallinen Solarmodulen oder Zellen. Der Mindestimportpreis für Solarmodule aus China liegt seit Jahresbeginn bei 46 Eurocent pro Watt und für Solarzellen bei 23 Euroent pro Watt. Für die Zeit der Zwischenprüfung, die voraussichtlich bis September dauern wird, sind sie auf diesem Niveau eingefroren. Wann die FTC ihre Untersuchungen zu den Preisindices von PVInsights und Energy Trend abschließen wird, blieb zunächst unklar.

PVInsights erklärte auf Nachfrage von pv magazine nichts von laufenden Ermittlungen gegen seinen Preisindex zu wissen und bislang keine Benachrichtigungen von irgendeiner Kommission erhalten zu haben. Mit dem Hinweis auf die Veröffentlichung eines Artikels – angesichts der eindeutigen Belege für die Existenz eines solchen Verfahrens – wollte das Unternehmen dann doch Stellung beziehen. PVInsights bekräftigte dabei erneut, keine Kenntnis zu haben. Es betonte, seit einem Jahrzehnt für seine Datenerhebung auch taiwanesische Industrievertretern zu kontaktieren. Die Anschuldigungen von TPVIA hätten keine sachliche Grundlage, so eine Sprecherin von PVInsights. Die Frage, auf welcher Datenbasis das Marktforschungsforschungsinstitut der wöchentliche Preisindex beruhe, beantwortete sie jedoch nicht.