Intersolar Europe 2017: Ein Blick zurück

Die Intersolar Europe 2017 konnte sich in der vergangenen Woche über leicht gestiegene Zahlen freuen. Insgesamt rund 40.000 Besucher schafften es nach München. Sie fanden Stände von mehr als 1100 Ausstellern vor, die während der drei Tage ihre Produkte und Dienstleistungen bewarben. Der augenfälligste Unterschied zu den Jahren davor erwartete die Besucher direkt am Eingang von Halle A1. Statt des obligatorischen Solarworld-Stands fanden sie eine mit Gaffa-Tape abgeklebte Fläche vor, auf der drei kleine Bäumchen samt Bänken zum Verweilen einluden.

Die Modulhersteller in Deutschland hoffen von der Lücke, die Solarworld hinterlässt, zu profitieren. So etwa die Solar-Fabrik, die ein reges Kundeninteresse während der Messetage verzeichnen konnte. Oder auch Astronergy, das derzeit dabei ist, seine Produktion in Frankfurt/Oder noch weiter hochzurüsten und umzustellen, um künftig auch flexibler auf Marktverwerfungen, wie sie im vergangen Sommer auftraten, reagieren zu können, wie Geschäftsführer Thomas Volz betont. Dabei setzt der Hersteller, der zur chinesischen Chint-Gruppe gehört, nicht nur große Hoffnungen in den deutschen Photovoltaik-Markt, sondern will seine Position in ganz Europa weiter ausbauen. So gibt es Pläne für die Türkei und die Niederlande, wie der CEO von Chint Solar Lu Chuan sagt. Die Ausschreibung für das Gigawatt-Projekt in der Türkei hat Astronergy zwar knapp gegen Hanwha Q-Cells verloren, doch in den Niederlanden werden bereits Projekte mit Astronergy-Modulen realisiert. Insgesamt 400 bis 500 Megawatt Absatz sei das Ziel für Europa, sagt Chuan weiter.

Doch nicht nur für Modulhersteller, auch für Projektierer sind die Niederlande ein interessanter Zielmarkt. Experten sagen voraus, dass das Land auf dem Weg zu einem Gigawattmarkt auf Jahresbasis gerechnet ist. Pfalzsolar hat dort erste Solarparks bereits realisiert. Das EPC-Unternehmen will aber auch von dem wieder wachsenden deutschen Markt profitieren. Adler Solar hingegen schielt weniger auf die neuen, sondern mehr auf die bestehenden Photovoltaik-Anlagen. Der Bremer Dienstleister hat sich als einer der führenden Anbieter beim Repowering in Deutschland positioniert. Der Markt in diesem Bereich dürfte eher noch am Anfang stehen, denn die Defizite der Solarparks, die in den Boomjahren in Deutschland gebaut wurden, seit einiger Zeit verstärkt zutage treten. Alles online rund um die Photovoltaik-Anlage will auch Milk the Sun anbieten. Es will sich nicht länger nur mit dem Handel von Photovoltaik-Anlagen oder Projektrechten befassen, sondern weitere Dienstleistungen anbieten. Vor einigen Wochen startete Milk the Sun eine Untersuchung, ob sich die Reinigung von Solarparks lohnt. Erste Zwischenergebnisse sind auf der Intersolar vorgestellt worden. Auch Montagegestell-Anbieter wie Schletter erwarten wieder wachsende Geschäfte in Deutschland, haben sich mittlerweile auch international positioniert.

Mit einem wachsenden deutschen Photovoltaik-Markt rechnet auch SMA-Vorstand Jürgen Reinert. Nach 1,5 Gigawatt in den vergangenen zwei Jahren dürfte der Zubau dieses Jahr wohl wieder über der 2-Gigawatt-Marke liegen, so seine Prognose. Dennoch spüren auch die Wechselrichter-Hersteller in Deutschland gerade einen verstärkten Preiskampf mit der asiatischen Konkurrenz. „Wir sind für fairen Wettbewerb und dadurch sinkende Preise. Wir sehen aber kritisch, wenn Wettbewerber niedrige Preise anbieten, indem sie die Vorgaben nicht einhalten. Die verzichten auf Tests und wir sehen wirkliche Gefahren, die die Geräte für Umwelt und Installateure haben. Das könnte alle Wechselrichterhersteller in Verruf bringen“, sagt Reinert.

Auch kleinere deutsche Wechselrichter-Hersteller suchen derzeit nach passenden Nischen. Refu etwa stellte auf der Intersolar ein neues Produkt vor, dass es so weltweit noch nicht gibt, wie der Hersteller erklärt. Es ist eine Containerlösung mit Stringwechselrichtern. Von außen sieht es aus, wie ein Zentralwechselrichter, im inneren sind jedoch ausschließlich Stringwechselrichter verbaut, wie Henner Funk, Director Technical Sales von Refu erklärt. Dies bringe erhebliche Kostenvorteile bei der Wartung und Reparatur der Geräte, gerade wenn diese in entlegenen Regionen verbaut würden. Refu ziele mit dem Produkt daher vor allem auf Projekte in Lateinamerika oder der MENA-Region ab. Demnächst soll das Produkt am Markt verfügbar sein. Konkurrent Steca gewährte den Besuchern einen unverhüllten Blick in seine Coolflex-Wechselrichter. Der Hersteller versucht derweil, seine Position am Markt als OEM-Fertigerer zu festigen. Derzeit laufen die Werke in Deutschland und Bulgarien gut ausgelastet, wie Geschäftsführer Michael Voigtsberger sagt. Die Fertigung in Osteuropa sei aus Kostengründen notwendig. Der chinesische Anbieter Huawei drängt nicht nur mit seinen Wechselrichtern auf den europäischen Markt. Er liefert mit dem Fusion Solar Smart Home Solution-Konzept nun auch eine Lösung für Haushalte, die darüber hinaus geht.

Konkurrent SMA setzt neben seinen Wechselrichtern auch stark auf Batteriespeicher-Lösungen. Der leicht anziehende Zubau und die Tatsache, dass bereits jede zweite private Photovoltaik-Anlage mit einem Speicher gebaut wird, gibt Reinert leichten Anlass zu Optimismus. Dennoch ist der Speichermarkt in Deutschland hart umkämpft. In zwei Hallen der begleitenden ees präsentieren etwa 250 Anbieter ihre neuesten Produkte. Insgesamt warben knapp 440 Unternehmen um Kunden für ihre Speicherlösungen. Die Zahl der Geräte und Hersteller ist weiter gestiegen, der Markt hingegen wächst eher verhalten. Auf 20.000 bis 25.000 neue Batteriespeicher wird das Volumen für das vergangene Jahr geschätzt. In diesem Jahr ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, doch ob der reicht, um alle Unternehmen zufriedenzustellen, kann bezweifelt werden. Hinzu kommt, dass auch auf dem Speichermarkt bereits ein massiver Preiskampf in Gange ist, der die Margen empfindlich schmälert. Auch berichten verschiedene Unternehmen von drohenden Lieferengpässen bei Batteriezellen. Diesem Thema hat sich BMZ verschrieben. Der Hersteller aus Karlstein am Main will mit Partnern zusammen eine Batteriezellenfertigung im Gigawattmaßstab aufbauen. Derzeit werden noch Investoren für Terra E gesucht, so auch am Rande der Intersolar Europe auf einem zweitätigen Event. Einen konkreten Zeitplan, wann die ersten Batteriezellen in Deutschland vom Band laufen und wo, gibt es daher auch noch nicht.

Im deutschen Speichermarkt angekommen ist auch der Energiekonzern Eon. Auf der Messe vis-a-vis zu seinem Konkurrenten Innogy platziert, war mächtig viel Andrang auf dem Eon-Stand zu verzeichnen. Der Energiekonzern bietet neben Photovoltaik-Anlagen, Speichern und Energiemanagementlösungen mittlerweile auch seine Solar-Cloud an. Diese will Eon auch noch weiter ausbauen und wird dazu wohl in den kommenden Tagen Neuigkeiten verkünden. Besonders gut kam die Visualisierung der Effekte der Solar-Cloud bei den Besuchern an. Wenn alles nur noch virtuell funktioniert, freuen sich Menschen immer etwas Greifbares zu haben.

Während die Energiekonzerne die Zeichen der Zeit scheinen verstanden zu haben, steht das Thema Photovoltaik bei deutschen Spitzenpolitiker selbst in einem Wahljahr weniger weit oben auf der Agenda. So kann Hans-Josef Fell, Mitautor des EEG und ehemaliges langjähriges Bundestagsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, wohl noch als einer der prominentesten Vertreter der deutschen Politik gesehen werden. Er lieferte sich mit Milan Nitzschke, Präsident von EU Prosun und Solarworld-Konzernsprecher, einen „Fireside Chat“ über die unterschiedliche Perspektiven von fairem Handel in der EU. Dabei bestand weitgehende Einigkeit darin, dass es in der EU an einer Industriepolitik fehlt. „Die europäische Politik war in den letzten Jahren destruktiv für Innovationen und Produktionen“, sagte Fell. Die Industrie- und Energiepolitik sei immer geleitet von den massiven Einflüssen der fossilen Energiewirtschaft. „Die Solarworld-Insolvenz stellt einen großen Schaden für die Solarindustrie in Europa insgesamt dar“, so Fell weiter. Milan Nitzschke verwies darauf, dass Europa eine heimische Zell- und Modulproduktion brauche, denn nur so könne die Photovoltaik weiterentwickelt werden. „Wir brauchen fairen Wettbewerb, dann sind die europäischen Hersteller auch konkurrenzfähig“, erklärte Nitzschke. Der derzeitige Preisverfall spiegele nicht den wahren Wert wieder. So lange es dieses Dumping gebe, werden die Anti-Dumping-Maßnahmen gebraucht. Der Mindestimportpreis habe dabei die weiter sinkenden Kosten für die Photovoltaik in Europa in den vergangenen fünf Jahren auch nicht aufgehalten, so Nitzschke weiter. Fell sagte dazu, dass Zölle nicht die Lösung seien. Es würden Maßnahmen gebraucht, die der kompletten Photovoltaik-Wertschöpfungsketten helfen, nicht nur den Hersteller, so der Grünen-Politiker.

Während die deutschen Spitzenpolitiker in München durch Abwesenheit glänzten, schaffte es der indische Energieminister Piyush Goyal in die bayerische Landeshauptstadt. Er erklärte, dass es die Regierung Modi ernst meine mit der Energiewende und dabei sowohl auf Photovoltaik als auch auf Windkraft setze. Das Ziel sei eine installierte Photovoltaik-Leistung von 100 Gigawatt bis 2022 in dem Land. Derzeit lege Indien eine jährliche Verdoppelung des Photovoltaik-Zubaus hin und sei auf einem guten Weg, das Ziel zu erreichen. „Indien hat viel Sonne und die Sonne kann uns keiner nehmen“, erklärte Goyal. Die Regierung setze dabei auf Ausschreibungen, um eine kosteneffizienten Ausbau zu erreichen. Die Preise seien dabei in den rückliegenden Auktionen immer weiter gefallen, was ihn optimistisch für den weiteren Ausbau mache. „Das Ziel Indiens ist eine kohlenfreie Wirtschaft – für die Menschen, die Umwelt und den Klimaschutz“, so Goyal. Wenn seine Regierung ihren eingeschlagenen Weg fortsetzt, könnte Indien die Energiewende noch vor Deutschland realisieren, auch wenn die Technik, Dienstleistung und Produkte hierzulande mehr als reichlich vorhanden sind, aber eben der politische Wille schwindet.