Es ist gegenwärtig eine der größten Herausforderungen für die Energiewende, wie sich das System flexibilisieren lässt. Wenn das mit profitablen Geschäftsmodellen funktioniert, verdienen daran alle. Diejenigen, die die Flexibilität zur Verfügung stellen genauso wie diejenigen, die Strom verbrauchen oder erzeugen.
Vor diesem Hintergrund muss man die neueste Meldung von 1Komma5° steuert ein Gigawatt Flexibilität aus privaten Photovoltaik-Speicheranlagen verstehen. Das Unternehmen meldet, jetzt ein Gigawatt an Leistung in seinem virtuellen Kraftwerk zeitlich verschieben zu können. Die Flexibilität stellen die privaten Endkunden mit ihren Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Wallboxen zur Verfügung. Ein Gigawatt sind immerhin rund ein Achtzigstel der maximalen Peaklast in Deutschland. „Wir können darüber entscheiden, wie wir Verbrauch und Erzeugung so aussteuern, dass der Kunden per Definition immer den günstigsten und saubersten Strom bezieht“, sagt Co-Gründer und CEO Phillipp Schröder im Interview mit pv magazine. Bis 2030 will das Unternehmen auf eine systemrelevante steuerbare Leistung von 20 Gigawatt anwachsen. Wenn die Preissignale richtig sind, ist dieser Einsatz dann auch für das Stromsystem sinnvoll.
Die Prosumer-Kunden von 1Komma5° steuert ein Gigawatt Flexibilität aus privaten Photovoltaik-Speicheranlagen sind im unternehmenseigenen Wording Abonnentinnen und Abonnenten. „Unsere Abonnenten zahlen eine fixe monatliche Gebühr für die Optimierung“, so Schröder. „Mit Heartbeat AI können wir ihre Verbräuche zeitlich so verschieben, dass sie den Strom entweder aus der Photovoltaikanlage oder zu Niedrigpreiszeiten beziehen beziehungsweise über die Direktvermarktung bei Spitzenpreisen wieder verkaufen. Damit umgehen Haushalte Preisspitzen und entlasten das Netz.“ Über 100.000 Systeme werden bereits durch Heartbeat AI gesteuert.

Foto: 1Komma5 Grad
Auf die hohe Zahl von Systemen kommt das Unternehmen dadurch, dass es sein „Heartbeat AI“-System, das aus einem Energiemanagementsystem, der Vermarktung und dem dynamischen Stromtarif besteht, für nicht durch das Unternehmen selbst installierte Anlagen geöffnet hat. Das sei von Anfang an Teil eines Masterplans aus drei Schritten gewesen, so Schröder. Im ersten Schritt habe 1Komma5° steuert ein Gigawatt Flexibilität aus privaten Photovoltaik-Speicheranlagen begonnen, Haushalte zu elektrifizieren und die energiewirtschaftlichen Schritte selbst abzuwickeln. Damit das funktioniert, habe das in einem geschlossenen Ökosystem stattgefunden. „Im zweiten Schritt haben wir all diese Prozesse digitalisiert und automatisiert“, sagt Schröder. Im dritten Schritt schließlich steht die Öffnung des Systems für alle im Fokus.
„Ein geschlossenes Ökosystem hieß immer auch, dass Installateure und auch Hersteller Heartbeat AI nicht für Ihre Kunden nutzen konnten und damit Potenzial ungenutzt blieb“, erklärt Schröder. Die „Energieintelligenz“ könne schon heute eine große Bandbreite des Marktes abdecken. „Wir wollen nach dem Ende der Einspeisevergütung aber für alle Markteilnehmer da sein und so Preissignale für die Masse aussteuern – und können das auch.“ Daher können Installateure den Energiemanager seit Kurzem mitanbieten und davon profitieren. Die Kunden können dann an die Optimierung mit „Heartbeat AI“ für 14,99 Euro monatliche Gebühren angeschlossen werden – genauso wie die Kunden von 1Komma5°-Installationsbetrieben.
Das gilt auch bei Bestandsanlagen. Wer kompatible Komponenten hat, kann sich „Heartbeat“, eine kleine Box, einfach bestellen und selbst installieren. Das sei so einfach wie der Einbau eines Internetrouters und risikolos. Wenn die Kompatibilität doch nicht gegeben sei, könne man ihn einfach mit Geld-Zurück-Garantie zurückgeben. Das Potenzial ist groß. Es gibt rund viereinhalb Millionen Anlagen. „Fünf Prozent sind Kostal-Anlagen, bei denen man ‚Heartbeat AI‘ sofort nutzen kann“, erklärt Schröder. Für die neuen Vermarktungsoptionen sei es da unter Umständen sinnvoll, die älteren kleineren Speicher mit einem neuen Speicher zu ergänzen, so Schröder.
Direktvermarktung jetzt umsetzen
Das würde umso relevanter, wenn in Zukunft die Einspeisevergütung abgeschafft werden sollte, wofür sich Schöder ausspricht. „Die Vergütung setzt Anreize, die nicht netzdienlich, ja dumm sind. Wir können mit ‚Heartbeat AI‘ das Wegfallen der Einspeisevergütung kompensieren und sogar bessere Ergebnisse im freien Markt erzielen“, sagt er. Damit dann nicht nur kleine Eigenverbrauchsanlagen gebaut werden, muss der Strom aus den kleinen Anlagen genauso direkt vermarktet werden wie heute schon der aus großen Anlagen. Gerade bei den Anmeldeprozessen hakt es aber noch erheblich, weil Netzbetreiber die Marktkommunikation nicht umsetzen. Daher fordert ein großer Teil der Branche, dass dieses Problem erst gelöst sein müsse.
Schöder sieht das anders. Man solle sich jetzt nicht „festklemmen an der Dysfunktionalität vieler Verteilnetzbetreiber“. Er warnt davor, dass einige diese als Scheinargument benutzten würden, „weil sie die Hängematte der Einspeisevergütung noch länger haben wollen“. Wenn man den Umstieg jetzt nicht mache, bestehe das Risiko, dass gar nichts passiere. Allerdings befürwortet Schröder auch das Marktprämienmodell, um die hohen Prozesskosten abzufedern, bis die schwierigen Prozesse funktionieren. Marktprämien sind das äquivalent zu einer Einspeisevergütung für direktvermarkteten Strom. Sie fördern also die Anlagen, reizen aber gleichzeitig ein marktdienliches Verhalten an.
Außerdem erwartet Schröder, dass die Politik gleichzeitig mit der Abschaffung der Einspeisevergütung das Problem löst, dass Netzbetreiber die Umsetzung der Direktvermarktung teilweise blockieren. „Wenn Oligopole oder Monopole für den Netzbetrieb und den Messstellenbetrieb Entgelte nehmen, dann darf und muss die Politik und Gesellschaft fordern können, dass sie leistungsfähig sind. Ich glaube sie werden das bewältigen“, sagt Schröder. Wie das am besten geht, ob mit Pönalen, Anreizen oder anders, müssten Politik und Bundesnetzagentur entscheiden.
„Wir haben jetzt die Chance zu wechseln, von staatlichen Vergütungen mit falschen, dummen Preissignalen in ein Modell mit richtigen Preissignalen, die der Markt setzt“, so Schröder weiter. Es gibt inzwischen mehrere Anbieter, mit dem das alle Installateure umsetzen können, unter anderem 1Komma5°. Der Bedarf dafür gilt im Übrigen auch für die vielen Anlagen, die bis Februar 2025 in Betrieb gegangen sind und die zu den viel kritisierten negativen Strompreisen beitragen. Damit diese auch in das neue Direktvermarktungssystem wechseln, schlägt Schröder einen zusätzlichen Anreiz vor. Die Solarbranche müsse nun ein marktwirtschaftliches System anbieten und aus dem internen Gegeneinander herauskommen.
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„Wenn das mit profitablen Geschäftsmodellen funktioniert, verdienen daran alle.“
In diesem Satz ist ein Wort auffällig.
Hat Fritze die letzten Tage mehrfach benutzt, DoppelWummsOlaf hatte das schon vor 25 Jahren benutzt …
… was zum Teufel heißt-> ALLE???
„weil sie die Hängematte der Einspeisevergütung noch länger haben wollen“
… die proKopf Photovoltaik-Leistung in der BRD sind ca. 1400W/Einwohner, mit Spitzen in Brandenburg 3465W, Mecklenburg-Vorpommern 3191W und Sachsen-Anhalt mit 2711W je Einwohner.
… die durchschnittliche Photovoltaik-Anlagengrösse in der BRD erreicht ca. 20.5kW(p)
Mit 1.4kW(p) je Einwohner, erwirtschaftet man mit der Einspeisevergütung von 0.0778€/kWh (Neueinspeiseanlagen, ohne Verg. in neg. Börsenstrompreisstunden) dann ‚hängemattige‘ 9.07€/Monat, damit weniger als die Optimierungsgrundgebühr.
Die Vereinbarung dabei?
„Featured
Bis zu 500 Millionen Euro Finanzmittel für Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur im öffentlichen Sektor“
„Die Vergütung setzt Anreize, die nicht netzdienlich, ja dumm sind. Wir können mit ‚Heartbeat AI‘ das Wegfallen der Einspeisevergütung kompensieren und sogar bessere Ergebnisse im freien Markt erzielen“
Die Kleinanlage wird durch die Profi-Vermarktung ersetzt und damit die Teilhabe in die wohlwollenden Hände der ‚Profis‘ in der Stromvermarktung und ‚Regulierung‘ gelegt. Dazu sollte man sich §1 des EnWG durchlesen und mit dem Angebot vergleichen (bei lokaler Möglichkeit)(?)
Die Forderung ist also, die ‚lokale Netzdienlichkeit‘ für alle Bürgerinnen und Haushaltstromkunden anschaulich zu machen, dafür tritt somit auch 1.5° ein?
So kann man das den öffentlichen Institutionen erklären … Danke
Hyper hyper! Hyper hyper!
Ich hatte mich schon gewundert, warum es zuletzt so still um 1K5 und das Heißluftgebläse an der Spitze geworden ist!
Aber jetzt bin ich beruhigt: Es bleibt alles beim Alten!