Europäische Photovoltaik-Anlagen haben seit Eskalation des Iran-Konflikts Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden

Hätte Europa den mit Photovoltaik erzeugten Strom in Gaskraftwerken erzeugt, wären damit seit Anfang März Kosten von zehn Milliarden Euro entstanden. Das hat der Branchenverband Solarpower Europe errechnet. Die Photovoltaik deckte 2025 insgesamt 12,5 Prozent des europäischen Strombedarfs, so der Copernicus Climate Change Service.
Belectric, Solarpark "Herleshof", 2025, Pflanzen
Zusammen mit der Windenergie hat die Photovoltaik 2025 mehr Strom geliefert als die fossilen Kraftwerke | Foto: Belectric

Nach Berechnungen von Solarpower Europe haben die europäischen Photovoltaik-Anlagen seit der Eskalation des Nahostkonflikts Anfang März so viel Strom geliefert, dass sich damit auf dem Papier zusätzliche Gasimporte im Wert von 10 Milliarden Euro vermieden ließen. Im März betrug die rechnerische Ersparnis im Durchschnitt etwa 110 Millionen Euro pro Tag.

Die Gaspreise sind in Folge der Blockade der Straße von Hormuz und aufgrund von Schäden an der Infrastruktur für fossile Brennstoffe spürbar gestiegen. So erreichten die europäischen Gas-Futures im März einen Höchststand von über 60 Euro pro Megawattstunde, doppelt so viel wie der Durchschnitt in den Monaten zuvor. Bis Mitte April fiel der Preis auf etwa 38 Euro, um dann wieder auf derzeit rund 52 Euro zu steigen.

Solarpower Europe verweist darauf, dass die EU mit zehn Milliarden Euro rund acht Gigawatt an Photovoltaik-Leistung installieren könnte. Das entspricht etwa zwölf Prozent der gesamten Leistung, die 2025 in der EU neu installiert wurde.

„Zwar müssen die vollen Kosten der Energiekrise noch ermittelt werden. Klar ist aber schon jetzt: Das ist ein Preis, den Europa nicht zahlen sollte“, sagt Walburga Hemetsberger, CEO von Solarpower Europe. Sie verweist darauf, dass die durch den Überfall Russlands auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise die EU sogar insgesamt 1,7 Billionen Euro gekostet habe.

Photovoltaik legt 2025 kräftig zu, Windenergie schwächelte

Im vergangenen Jahr hat die Photovoltaik 12,5 Prozent des europäischen Strombedarfs gedeckt, nach 10,3 Prozent im Vorjahr. Das geht aus dem neuen Jahresbericht hervor, den der Copernicus Climate Change Service – eine Einrichtung des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus – veröffentlicht hat. Der Bericht stellt dar, wie sich das Klima auf dem europäischen Kontinent und in der Arktis im jeweils vergangenen Jahr verändert hat. Seit einigen Jahren thematisiert er auch den Stand der Dinge beim klimagerechten Umbau der Energieversorgung.

Die Copernicus-Experten führen diese Entwicklung vor allem auf den Photovoltaik-Zubau zurück, der 2025 bei 65 Gigawatt gelegen hat. Hinzu kamen eine überdurchschnittliche Sonneneinstrahlung in Nordwest-, Mittel- und Osteuropa, dem allerdings unterdurchschnittliche Werte in weiten Teilen Südeuropas und Teilen Nordeuropas gegenüber standen. Als einen weiteren Faktor nennt der Copernicus Climate Change Service die geringere Aerosol-Konzentration in der Luft. Hier zeigten Vorschriften zur Luftreinhaltung Wirkung.

Die Erneuerbaren haben 2025 zusammen 46,4 Prozent des europäischen Strombedarfs gedeckt. Im Vorjahr war der Anteil ähnlich hoch. Der Anteil der Windenergie ging von 18,4 auf 18 Prozent zurück. Gemeinsam mit der Photovoltaik lieferte die Windenergie im letzten Jahr aber erstmals mehr Strom als die Kohle- und Gaskraftwerke.

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Kommentare

H.
May 21, 2026

Die EE Lobby ist schon riesig. (insbesondere Batterie)
Nur man sollte mal kostenmäßig überlegen.
1 MW Gas hat im Mai 44€ gekostet.
Da finde ich das als Preistreiber zu nennen, zu kurz gedacht. Aber überall steht es.
Also nichts mit Fossil Lobby… und eher doch EE Lobby.
Da heißt es immer , die ist so Billig….aber wieso kommt seit Jahren nichts an.
Obwohl beim Strom 80% Langlaufverträge sind und nur 20 % am Spotmarkt gehandelt werden.

Also eher der Verdacht, dass die garnicht billig verkaufen wollen…. Und die 2 Cent PR Blödsinn sind. Schade ….

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Stephan Scherer
May 22, 2026

Bitte selbst die Vollkosten von Strom aus einem neuen Gaskraftwerk überschlägig nachrechnen, bevor man von „EE-Lobby“ schwurbelt. Danke.

Dirk Schiller
May 22, 2026

e-Golfer schrieb:
„Bei neuen Gaskraftwerken garantiert nicht unter 200€/ MWh.“

Dabei sind in den 200€ / MWh noch nicht einmal die Transport- und Infrastrukturkosten erhalten.

Dort sind noch einmal erhebliche Mengen des Bruttosozialproduktes gebunden, welche dementsprechend nicht für die Energiewende zur Verfügung stehen.

e-Golfer
May 21, 2026

“ 1 MW Gas hat im Mai 44€ gekostet.“
Damit hat man lange noch keinen Strom!

Wirkungsgrad Gaskraftwerke? Betriebskosten? Marge?

Das meiste der enthaltenen Energie verpufft und geht durch den Schornstein. 40-60% Wirkungsgrad. Ergo 88€ + Betriebskosten, Marge, Investment.

Bei neuen Gaskraftwerken garantiert nicht unter 200€/ MWh.

PV liegt in den Ausschreibungen um die 5ct / kWh (50€ / MWh).

HD
May 21, 2026

Im Ernst jetzt?

„[…] Da finde ich das als Preistreiber zu nennen, zu kurz gedacht. […]“

Sie muss man ja von ganz von Anfang an abholen. Sie kommen schon noch dahinter – es ist aber noch ein ganz schön weites Stück zu gehen.

HD
May 20, 2026

Die EE-Lobby gibt halt nicht so viel Geld für Selbstmarketing aus. „Die anderen“ framen die Mainstream-message deutlich aggressiver. Aber auch da: Ich würd sagen, die meisten Leute haben’s gecheckt – selbst die härtesten Fuelheads schaffen sich nun E-Autos an.

Der Kampf (Fakenews, Desinformation, Stimmungsmache) wird mit harten Bandagen geführt. Siehe aktuell „Total“ und „BP“ (Wind in Nordsee). Es ist noch nicht vorbei – noch lange nicht. Iran, Russland…. das geht im Kern doch auch um Zugang und Verteilung von fossiler Energie. Fürchterlich, wie durchschaubar brutal und rücksichtslos Spielchen gespielt werden von wenigen sehr reichen Menschen und Organisationen.

„EE ist Freiheitsenergie.“ Wer hätte das gedacht, dass ich den Christian jemals zitieren würde…

Hans Diehl
May 20, 2026

Die Krise bringt die Realität ans Tageslicht. Die Milliarden an Gasvermeidung entstehen auch ohne Krise. Denn der Merit Order Effekt ist „Physikalisch“ das heißt die EE werden vor Ort eingespeist , und verdrängen die teuren Gaskraftwerke. Auf dem Papier sind die Erneuerbaren seit 2010 allerdings nur „Kaufmännisch“ an den Spotmarkt der Börse zum Verramschen verbannt.

Das Ergebnis zeigt sich an anderer Stelle

Siehe hier. https://www.fr.de/wirtschaft/macht-milliarden-gewinn-dank-erneuerbarer-energien-einstiger-klimasuender-rwe-94306118.html

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Hans Diehl
May 21, 2026

@Hallo Torsten

Das war meine „Meinung“ , zum Merit Order, und jetzt kommt die Wirkung oder nicht Wirkung auf die Strompreise.

Bis 2010 wurden die EE mit sogenannten „Grünen Bändern „ den Versorgern zwingend in ihre Bilanzkreise zugeteilt. In die Bilanzkreise, wo ein Tag vor Liefertermin am Day Ahead Markt die Feinabstimmung für die Langzeitverträge vom Terminmarkt stattfinden. Und da fand der Preis senkende MeritOrder Effekt statt. Das war die Lösung für Alle

Wie das geschah, zeige ich nun im Folgenden..

Klicken Sie die folgende Merit Order Grafik an, und Scollen Sie das vierte Bild von unten nach oben https://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order

Dann sehen Sie Folgendes.
Weil der EEG Strom. — . Grüne Bänder — schon zwingend den Versorgern zugeteilt war, mussten die bei der endgültigen Bedarfs und Preisermittlung – beim Day Ahead dem Vortagshandel – weniger Nachfragen., Sprich die „teuren“ Gaskraftwerke waren nicht gefragt Auf der Grafik sank N1 auf N2 und und der Preis infolgedessen von P1 auf P2. Es war am nächsten Tag kein Überschuss da, und die Vorteile durch Sonne und Wind, waren nicht nur auf alle Vebraucher verteilt, sondern der Staat hatte da auch nichts auf dem EEG Konto auszugleichen.

Dann kam es:
Ab 2010 wurden die Grünen Bänder aus den Bilanzkreisen der Versorger, wo der Day Ahead Handel und Merit Order stattfindet, zum separaten Verkauf an die Börse verbannt, sie werden seitdem quasi als Überschuss verramscht.

Hatten somit keinen Einfluss mehr auf die Nachfrage N1 auf N2 und konnten P1 nicht mehr auf P2 senken.

Während der Irankrise besinnt man sich wieder auf die Erneuerbaren

Siehe hier.
Europäische Photovoltaik-Anlagen haben seit Eskalation des Iran-Konflikts Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden

Das ist lediglich der Merit Order Effekt. Den gibt es Immer wenn Sonne scheint und Wind weht, weil da keine oder wenig Gaskraftwerk gebraucht werden. Leider kommt der nicht mehr der Allgemeinheit, wie mit den zwingenden Grünen Bändern zugute.

Hans Diehl
May 21, 2026

Torsten Buchwald schreibt.
Merrid Order ist ja anscheinend ein notwendiges Übel, oder wie sehen Sie es?

@ Torsten.
Um meine Meinung über Merit Order deutlich zu machen schauen Sie sich die folgende Merit Order Grafik an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order

Sie sehen, dass beim ersten Dreiviertel der Anbieter die Preiskurfe sehr moderat ansteigt, und im letzte Viertel sehr stark. Das letzte sehr stak ansteigende sprich „teure“ Viertel wollen wir aber verdrängen, um das gesamte Strompaket billiger zu machen. Damit vom vordere Viertel so viel wie möglich angeboten wird, um die Hinteren vom Markt zu drängen, muss für diese vorderen ein Anreiz geschaffen werden. Der Anreiz besteht darin, dass sie „Alle“ zum letzten noch benötigten Angebot bezahlt werden. Was da hinten trotzdem noch für monetäres Potential stekt haben sie ja jetzt wieder gelesen infolge des Konfliktes.

HD
May 21, 2026

*hust*
Die Shareholder müssen mit (möglichst) steigenden Renditen versorgt werden. Wenn nun X % ihrer Einnahmen durch Prosumer wegfallen (Tendenz steigend) – was soll man dann also tun?

1. Möglichst unauffällig Sündenböcke aufbauen (Strohmannargument).
2. Preise erhöhen (unter Berücksichtigung von 1.)
3. Politik und Bevölkerung beeinflussen (Druck aufbauen, u.a. durch 2.)
4. Die eingesetzten Mechanismen maximal wirtschaftlich für sich ausnutzen.

Ich finde das total schlüssig und nachvollziehbar.

Um aus dieser Spirale herauszukommen (Oligolpol), gibt es eigentlich nur das Prinzip „Standard Oil“ von 1911 *oder* die klare Entscheidung pro EE. Das fossile Kapital darf man dabei allerdings nicht unterschätzen. Es mag schweigsam wirken, aber es arbeitet.

Die klare Entscheidung pro EE kann allerdings aufgrund tiefer Verstrickungen kaum aus der Politik kommen. Von Seiten der Grünen noch am ehesten. Allerdings haben sie in ihrer letzten Regierungszeit das fossile Einflusskapital (Springer und hilfreiche weitere Idioten) und deren Macht + Willen sträflich unterschätzt.

In den U.S.A. erhalten die Konerne nun „Zahlungen“, wenn sie „freiwillig“ z.B. auf den Bau Offshore-Windparks verzichten. Derart offene fossile Korruption ist hierzulande allerdings verpönt – in Deutschland muss man über Bande spielen, oder, wie geschehen beim Energiegipfel mit Vertretern der Minternalölwirtschaft: Hinter verschlossenen Türen den politischen Vertretern offen Drohen (und zeigen, wer hier wirklich die Zügel in der Hand hält).

Torsten Buchwald
May 21, 2026

Hallo Herr Diehl,
Wie wäre denn eine bessere, für alle auch akzeptable Lösung? Leider ist das Thema sehr komplex und der Diskurs wird auf allen Ebenen eher sehr holzschnittartig geführt. Merrid Order ist ja anscheinend ein notwendiges Übel, oder wie sehen Sie es? Meine Theorie war immer, dass die Grossen prinzipiell nichts gegen EE haben, allerdings am Besten nur in ihrer Hand. Und wenn es geht, eine Rechnung wo die Kraftwerke die abgeschrieben und alt, also cashcows, trotzdem teuer produzieren und verkaufen können. Also intern günstig, externe teuer.
Es stört allenfalls die Möglichkeit privater Bauherren die sich millionenfach dezentral und günstig teilweise selbst versorgen. In der Masse ist das doch nicht tu vernachlässigen. Wie sehen Sie dies?
Mfg

Hans Diehl
May 20, 2026

Hallo Peter Rentfort, Sie haben an anderer Stelle geschrieben
Ich mache alles mit, wenn es billiger ist als heute.

Jetzt mal ran, und eine PV Anlage aufs Dach.