TH Ulm startet Forschungsprojekt zur Kontrolle von Solarspitzen

Gerd Heilscher, Network Innovation Center, Adelaide, Australien, Solarforschung, Flexible Export Limits

Teilen

Ein in Südaustralien bereits erfolgreich eingesetztes Verfahren zur Kontrolle von Solarspitzen soll im Forschungsprojekt „FLEXSolar-BW“ (Flexible Export Limits für Solarspitzen in Baden-Württemberg) unter den Bedingungen in Baden-Württemberg – und perspektivisch für ganz Deutschland – getestet werden. Statt Photovoltaik-Anlagen pauschal abzuregeln oder zeitweise ganz vom Netz zu nehmen, wird mit „Flexible Export Limits“ die Einspeisung flexibel an die aktuelle Situation im Stromnetz angepasst, beschreibt die Technische Hochschule Ulm (THU) das Vorhaben.

Die Smart Grid Forschungsgruppe am Institut für Energietechnik und Energiewirtschaft (IEE) der Hochschule leitet das Projekt. Die erhoffte Wirkung ist eine Kostensenkung für Verbraucher und Netzbetreiber und langfristig ein verringerter Bedarf an Netzausbau. Mit dem Projekt „zeigen wir, dass Solarspitzen nicht generell abgeschnitten werden müssen. Statt starrer Begrenzungen setzen wir auf intelligente Lösungen, die sich im Alltag bewährt haben – wie in Australien“, sagt Projektleiter Gerd Heilscher, Professor für Energiedatenmanagement Dezentraler Regenerativer Energiesysteme an der THU.

Modernes Einspeisemanagement für Hausdachanlagen

Das Verfahren soll nicht nur im Labor, sondern unter Mitwirkung von Netzbetreibern gemeinsam mit Haushalten und mehreren Wechselrichterherstellern auch in der Praxis erprobt werden. Damit soll eine Alternative zu den aktuell bestehenden Bedingungen entstehen. Mit dem „Solarspitzen-Gesetz“ gilt seit rund einem Jahr, dass neue Photovoltaik-Anlagen entweder eine feste Grenze von 60 Prozent ihrer Nennleistung für die Stromeinspeisung einhalten oder aber steuerbar sein müssen, damit der Netzbetreiber sie bei Bedarf abregeln kann. In immer größeren Netzgebieten werden neue Anlagen zudem nur noch unter der Bedingung der Nulleinspeisung angeschlossen: Bis zum Ausbau des Netzes, der in vielen Fällen mehrere Jahre dauern kann, dürfen sie damit keinen Strom einspeisen.

Mit „Flexible Import Limits“ wird hingegen die tatsächliche Einspeisung kontinuierlich gemessen und kann gezielt gesteuert werden, heißt es von der THU: „So können bestehende Netze besser genutzt werden, ohne sie sofort ausbauen zu müssen.“ Das Verfahren sei eine beispielhafte Umsetzung der in Paragraf 8a EEG definierten Möglichkeit der flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreement, FCA) und gelte „international, insbesondere in Australien, als Vorreiter für ein modernes Einspeisemanagement für Hausdachanlagen“.

Einladung an interessierte Netzbetreiber

Ein Informationsportal des Netzbetreibers South Australian Power Networks, der das Verfahren praktiziert, nennt als Voraussetzung zur Teilnahme für Anlagen, die bis zu zehn Kilowatt ins Netz einspeisen können, einen entsprechend ausgestatteten Wechselrichter und eine Vorrichtung zur Überwachung der eingespeisten Strommenge. Ein Gateway ist demnach nur unter bestimmten Bedingungen nötig. Der Wechselrichter muss in der Lage sein, per Internet die von einem Portal des Netzbetreibers bereitgestellten Informationen zur jeweils vorliegenden Netzauslastung und damit zur aktuell möglichen Einspeisung zu empfangen und entsprechend zu verarbeiten. Wechselrichterhersteller können ihre Geräte qualifizieren lassen, die Geräte werden dann in öffentlich einsehbare Listen aufgenommen.

Eine gewisse Infrastruktur ist also auch für dieses Verfahren erforderlich. Für das „FLEXSolar-BW“-Projekt soll nun zunächst an der THU eine technische Plattform aufgebaut und in die deutsche Steuerungstechnik eingebunden werden, etwa über Smart Meter Gateways und spezielle CLS-Steuerboxen. Außerdem sollen Schnittstellen zu den Leitsystemen von Verteilnetzbetreibern entstehen. Bei der Erprobung im Labor und im realen Betrieb soll untersucht werden, „welche technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Vorteile sich durch ‚Flexible Export Limits‘ ergeben“, so die THU. Die Ergebnisse sollen in nationale Regeln, Normen und gesetzliche Weiterentwicklungen einfließen.

Den Angaben zufolge sind die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm Netze bereits als Projektpartner dabei, ebenso die Unternehmen Advalju, VIVAVIS, PSI und SunSpec Allianz. Weitere Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg sind eingeladen, bei Interesse Kontakt mit der THU aufzunehmen.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.

Popular content

Geleakter EEG-Entwurf: Vereinfachungen bei Stecksolargeräten mit Speicher geplant 
10 März 2026 Balkonsolar mit Speicher könnte künftig leichter installierbar werden: Der geleakte EEG-Entwurf 2027 sieht für bestimmte Systeme vereinfachte Regeln v...