In Deutschland sind 2025 so viele Erneuerbaren-Erzeugungsanlagen wie nie zuvor freiwillig vom Netz genommen worden. Die kommerzielle oder marktbasiert motivierte Abregelung sei auf fast 1,75 Terawattstunden und damit um 25 Prozent gegenüber 2024 angewachsen, heißt es im Bericht „European Price Sensitive Curtailment Report“, den Montel am Montag veröffentlichte. Damit seien sogar die Werte aus Zeiten der Corona-Pandemie übertroffen worden, als es 2020 mit 1,62 Terawattstunden den bislang höchsten Wert zu verzeichnen gab.
Im Bericht finden sich Angaben zu freiwilligen Abregelungen in zehn europäischen Ländern. Deutschland liegt klar vor Frankreich mit 1,43 Terawattstunden und den Niederlanden mit 0,71 Terawattstunden. In der Schweiz summierten sich Abregelungen 2025 auf 172,7 Gigawattstunden. Am Ende der Liste liegt Österreich mit 34,9 Gigawattstunden an freiwillig abgeregelter Erneuerbaren-Erzeugung.
Ursächlich für die freiwilligen Abschaltungen der Erneuerbaren-Anlagen seien vor allem die zunehmenden Stunden mit negativen Börsenstrompreisen an den europäischen Day-ahead-Märkten, so die Montel-Analyse weiter. Diese seien wiederum Folge des schnellen Ausbaus vor allem der Photovoltaik, während die Stromnachfrage nicht so rasch stieg. Dazu komme die Struktur des deutschen Kraftwerkparks. So sei die Kohleverstromung zwar rückläufig, doch die Kraftwerke reagierten bei hoher Einspeisung aus Photovoltaik und Windkraft unflexibel und blieben am Netz, was den Preisverfall an der Strombörse zusätzlich treibt.
Die Verschärfung der EEG-Förderbedingungen hat Montel zufolge dazu geführt, dass Betreiber ihre Anlagen nicht um jeden Preis anbieten, sondern nur Gebote abgeben, wenn der Handelsstrompreis über 0 liegt. Andernfalls schalten sie ihre Anlagen freiwillig ab. Für neue Anlagen gibt es seit Einführung der Regelungen aus dem „Solarspitzengesetz“ keine EEG-Vergütung in Zeiten negativer Strompreise. Bei dieser Art der kommerziellen Abregelung erhalten die Betreiber auch keine Entschädigung, allerdings wird unter bestimmten Voraussetzungen die Zeit an die EEG-Förderzeit von 20 Jahren angehängt.
Eine Entschädigung für Anlagenbetreiber gibt es nur, wenn ihre Anlagen zwangsweise durch den Netzbetreiber abgeschaltet werden. Gleichzeitig führen die freiwilligen Abschaltungen der Anlagen jedoch dazu, dass die Verbraucher bei den Engpass- und Redispatchkosten entlastet werden. „Obwohl das Abschalten emissionsfreier Erzeugung umstritten ist, hilft die kommerzielle Abregelung, die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten“, sagt Studienautor Jean-Paul Harreman. „Produzenten erneuerbarer Energie begrenzen den Preisverfall und stabilisieren die Capture-Preise sowie die Kannibalisierungseffekte, indem sie in Zeiten negativer Preise ihr Angebot vom Markt zurückziehen.“
Dabei stellt die Montel-Analyse fest, dass die Abregelungen nicht nur in den Zeiten stark negativer Preise erfolgen. So sei das nicht abgeglichene Angebotsvolumen im Preisbereich zwischen 0 und 15 Euro pro Megawattstunde deutlich gestiegen. Das Volumen, das unterhalb von 5 Euro pro Megawattstunde nicht zum Zuge kommt, ist inzwischen mehr als doppelt so hoch wie das Volumen, das bei Preisen unter null Euro abgeregelt wird, wie die Analysten weiter schreiben.
„Der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung ist schneller vorangeschritten als das Wachstum der Nachfrage sowie der Ausbau von Speichern und Flexibilitätsoptionen. Als Reaktion darauf diversifizieren Betreiber erneuerbarer Anlagen ihre Erlösquellen zunehmend – etwa durch die Teilnahme an Regelenergiemärkten, Ausgleichs- und Intraday-Märkten oder durch die Kopplung von Erzeugungsanlagen mit Speichern“, sagt Harremann weiter. „Solange Elektrifizierung, Speicher und grenzüberschreitende Flexibilität nicht deutlich schneller ausgebaut werden, werden Phasen von Überangebot – und die damit verbundene kommerzielle Abregelung erneuerbarer Energien – ein prägendes Merkmal des deutschen Strommarkts bleiben.“
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.







„Eine Entschädigung für Anlagenbetreiber gibt es nur, wenn ihre Anlagen zwangsweise durch den Netzbetreiber abgeschaltet werden. Gleichzeitig führen die freiwilligen Abschaltungen der Anlagen jedoch dazu, dass die Verbraucher bei den Engpass- und Redispatchkosten entlastet werden.“
Die Katze rennt im Kreis und erwischt ihren Schwanz nicht.
CxU lässt grüßen
„„Obwohl das Abschalten emissionsfreier Erzeugung umstritten ist, hilft die kommerzielle Abregelung, die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten“, sagt Studienautor Jean-Paul Harreman.“
Im Zusammenhang mit:
„So sei die Kohleverstromung zwar rückläufig, doch die Kraftwerke reagierten bei hoher Einspeisung aus Photovoltaik und Windkraft unflexibel und blieben am Netz, was den Preisverfall an der Strombörse zusätzlich treibt.“
frage ich mich, was gemeint ist mit „die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten“. Für wen funktionieren die Märkte da?
Ja, alles eine Frage der Perspektive 🙂 Lustig, wenn die eigene Sprache einen verrät.
Der eine guckt der skatet zu, andere überlegen, was aus den Zeichen der Zeit zu machen ist.
Ob hier wirklich abgeregelt wird oder in Colocation gespeichert wird, scheint nicht zweifelsfrei festgestellt worden sein. Möglicherweise auch ein Mix aus beidem. Aber klar, bei negativem Preis eine PV nicht abzuriegeln wenn man nicht vergütet wird, wäre doof… sein eigenes Problem noch verschärfen.
Preissignale funktionieren, aber negative Preise werden der Vergangenheit angehören.
Die Algorithmen werden lernen, dass die Mengen über Mittag fehlen und dann die Preise 0 oder besser auf Basis der Prognose stellen. Sobald es 0 oder mehr gibt, wird aber wieder hochgefahren, was also ein klassisches Katz und Maus Spiel ergibt…
Wobei wir wieder bei der Katze wären…
Gedankenexperiment:
Wenn ein Land mit 100 Millionen Einwohnern komplett neu elektrifiziert werden soll und die einzige Vorgabe lautet „maximiere den Profit der beteiligten Investoren“, dann käme ziemlich genau so ein System heraus wie das aktuelle deutsche:
extrem hohe installierte Leistung
sehr starke Volatilität
zahlreiche Marktsegmente und Handelsstufen
komplexe Umlagen- und Abgabenstruktur
hohe Systemundurchsichtigkeit
→ ein Arrangement, das durch seine Komplexität und seinen Materialhunger strukturell immer neue Kosten für die Endverbraucher generiert – und damit planbare, abgesicherte Einnahmeströme für Investoren und Betreiber schafft.
Die entscheidende ordnungspolitische Frage lautet deshalb:
Warum betreibt ausgerechnet Deutschland ein Stromsystem, das pro gelieferter Energiemenge ein Vielfaches an Material, Fläche und Investitionen verbraucht – ohne dass dies mit einem entsprechenden Mehrwert an Versorgungssicherheit oder Systemstabilität einhergeht?
*gähn* Was soll das nun wieder?
Dass Ihnen (und einigen anderen) dabei nie langweilig wird, finde ich erstaunlich. Sie sind wirklich sehr hartnäckig darin, miese Laune verbreitende Stammtischparolen zu spammen. Erzeugt das eine Art Freude bei Ihnen? Oder eher Erleichterung? Ich würde es so gern verstehen, zumindest ansatzweise. Sitzen Sie in Moskau in einer Trollfabrik? Oder in Erfurt? Glauben Sie den Blödsinn wirklich, den Sie versuchen zu verbreiten? Oder lachen Sie sich heimlich ins Fäustchen, wie Sie die Welt wieder „foppen“?
I have no idea…
Interessant:
– Extrem hohe installierte Leistung?
Wohl kaum. Wenn man die Energie, die wir in Benzin&Dieselmotoren tanken und in Heizungen verbrennen rechnet, sind wir immer noch weit von den notwendigen Ausbauzielen entfernt.
Sehr starke Volatitlität?
Das letzte mal, als ich die Statistik angeschaut habe, war die Synergie zwischen Wind und Sonne faszinierend. Für knapp 200 Tage in Jahr reicht in Deutschland vermutlich die Implementierung der aktuell geplanten Grossbatterien, um Angebotsspitzen zu glätten.
Hohe Systemundurchsichtigtigkeit?
Was immer das sein soll, bitte mal erklären! Der Strommarkt ist als Börde organisiert und komplett transparent.
Zum Thema Fläche: Alle Windkraft ubd Solaranlagen zusammen verbrauchen nicht mal 10% der Ackerfläche die wir für Raps/Bioethanol ausweisen. Daher ja: Es würde mehr Sinn machen, den Spritpreis um 20 Cent zu erhöhen und auf 10% weniger Nachfrage zu setzen, anstand mit kostbarem Ackerland unsere Autos zu füttern.
Thema Materialeinsatz: Vielleicht mal den Rückbau der Atomkraft, dwn Zustand der Asse und die aktuelle Lagerungssituation der Castor Behälter anschauen. Ja, wir haben da eine Menge Material, was uns eine gute zweistellige Milliardensumme kostet. Dagegen sind die Erneuerbaren in ihrem Recycling und Entsorgung spottbillig.
Thema Investitionen: 92% der weltweit zugebauten Stromproduktionskapazität sind Erneuerbare. Entweder sind die weltweit – besonders in China – „linksgrün versifft“, oder die wahrscheinlichere Antwort: Es gibt keine wirtschaftlichere Möglichkeit Strom zu produzieren als mit Wind und Sonne.
Thema Versorgungssicherheit: Haben wir ja gesehen, als uns das russische Gas abhanden gekommen ist… jetzt sind wie auf LNG auf dem Weltmarkt aber vor allem aus den USA abhängig. Auch aktuell kein verlässlicher Partner. Zudem schwankt der Preis, die Folgen für den Planeten sind katastrophal und indirekt sieht man an der Abschaltung der französischen AKW und den Blackouts nach Stürmen, Bränden und Überflutungen weltweit, dass der Klimawandel das grösste Risiko für die Versorgungssicherheit isrt.
Thema Systemstabilität: Die durchschnittlichen Ausfallzeiten des Stromnetzes sinken in Deutschland seit Jahren und haben sich gegenüber den „Atom-, Kohle und Gas“-90ern mehr als halbiert.
Um es nett zu formulieren: Nimm Dir mal etwas Zeit und recherchiere ein wenig, bevor Du mit vermeintlich intelligent klingenden Behauptungen ziemlich daneben liegst.
Guten Morgen.
Eigentlich könnten die Kohlekraftwerke direkt in ihrer lokalen Umgebung ein Wasserstoffzentrum mit Wasserelektrolyseanlangen, Wasserstoffspeicher und Brennstoffzellenkraftwerk errichten. Der Strom für die gesamte Anlage kommt – warum in die Ferne schweifen , wenn das Gute liegt so nah – direkt und permanent aus dem Kohlekraftwerk…
Das Kohlekraftwerk unterstützt das Netz nur im Bedarfsfall mit Kohlestrom. Und im Super- Bedarfsfall mit Kohlestrom und Brennstoffzellenstrom.
Vorteil: Das Kohlekraftwerk räumt seine zig Megawatt Dauerleistung aus dem Netz , und mach Platz für den Strom aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen.
Klingt energetisch und klimatechnisch skurril und abwegig – aber hey , die aktuelle Realität ist : Strom aus bestehenden Null-Klima-Veränderung – Kraftwerken wird …. weggeworfen!
Die Wirkungsgrad-Vollkatastrophe Kohlestrom – Wasserstoff – Speicherung – Rückverstromung ist zwar gegeben , aber diese dürfte durch den “ Wir – machen – den – Weg – frei – für – Ökostrom “ – Effekt um das Vielfache ausgeglichen werden.
Wenn so ein Wasserstoffzentrum erstmal steht , kann es auch seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
$$$
Australien hat keine Nachbarländer um sich herum , welche im Notfall Strom aus Atomkraftwerken und Wasserkraftwerken zuschiessen können. Australien hat kein Nachbarschafts – Strom – Back-up sondern nur ein riesiges sonniges Outback .
Deshalb setzt Australien viel stärker auf Wasserelektrolyseanlangen und die gesamte Wasserstoffperipherie drumherum.Vom Strom-Inselstaat Australien könnte Europa in Bezug auf Wasserstoffspeicherung und Wasserstoffverwendung
sicher einiges lernen.