Parkplatz-Photovoltaik in der Schweiz wirtschaftlich und mit großem Potenzial

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Überdacht man einen Parkplatz mit Photovoltaik produziert man auf der Fläche, die für ein Auto vorgesehen ist, die Strommenge, die das Auto im Schnitt pro Jahr verfährt. Das geht aus einer Schweizer Machbarkeitsstudie für Parkplatz-Photovoltaik im Kanton Thurgau hervor. Der Kantonsrat Marco Rüegg der Grünliberalen Partei (GLP)  gab über sein eigenes Beratungsunternehmen De Lorean Power eine Studie zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Parkplatz-Photovoltaik beim Prüfer Björn Brugger von Project B in Auftrag.

In der Studie geht der Autor davon aus, dass auf einem Parkplatz pro Auto 12,5 Quadratmeter Fläche bereitgestellt werden. Die Schweiz zählt knapp fünf Millionen Autos und etwa doppelt so viele Parkplätze. Damit liegt die Erzeugungskapazität der insgesamt belegbaren Fläche bei 10 Terrawattstunden Solarstrom im Jahr, was etwa 15 Prozent des Jahresverbrauchs der Schweiz entspricht. Für die Studie erfasste er alle öffentlichen und halb-öffentlichen Parkplätze und nicht erst ab einer bestimmten Stellplatzanzahl, für die seit Anfang des Jahres in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen eine Verpflichtung zur Installation einer Photovoltaik-Anlage gilt.

Rund ein Drittel der Pkw in der Schweiz würden den Tag über am Arbeitsplatz der Besitzer stehen. Daher wäre eine Nutzung der Firmenparkplätze von besonderer Bedeutung für die Elektromobilität, heißt es in der Studie. In der Schweiz läge die mittlere Wegstrecke für Arbeitspendler bei rund 30 Kilometern. Witterungsunabhängig sollte die 12,5 Quadratmeter Überdachung pro Parkplatz, an den meisten Tage im Jahr für eine Ladestrommenge für 30 Kilometer Fahrt ausreichen. Lediglich im Winter sei es an trüben Tagen etwas wenig.

Allerdings sei auch zu beachten, dass Parkplätze nicht einzeln isoliert voneinander überdacht werden. Auf Unternehmensparkplatz mit 100 Stellflächen wäre es der Ertragsmodellierung zu Folge möglich, 6 Autos zu 80 Prozent zu laden oder 42 Autos die 30 Kilometer Weg zu ermöglichen. Der Überschuss im Sommer kann eingespeist werden.

Rund 60 Prozent der erzeugten Solarstrommenge könnten dabei ins Netz eingespeist werden, wie es in der Studie heißt. Das werde mit 10 Rappen pro Kilowattstunde vergütet; der Eigenverbrauch sogar mit 18 Rappen. Amortisiert man die Photovoltaik-Anlage lediglich über die Netzeinspeisung, würde es bei einer Anlage mit 100 Stellplätzen 28 Jahre dauern. Schlägt man 8,35 Franken pro Monat als Parkgebühr pro Stellplatz drauf, ließe eine solche Anlage bereits nach 20 Jahren amortisieren, simuliert Brugger. Als weiteres Finanzierungsmodell wurde auch die Option des Verkaufs der Ladestrommenge durchgerechnet. Hierbei wären 17 Rappen pro Kilowattstunde nötig, um die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage mit 100 Stellplätzen in 20 Jahren wieder einzuspielen. Auch über die Förderung von 2000 Franken pro Stellplatz aus Kantonsmitteln ließen sich solche Projekte innerhalb von zwei Jahrzehnten amortisieren.

Das Thema beschäftigt die Thurgauer nicht von ungefähr. Im vergangenen März gab die Thurgauer Regierung als Antwort auf eine Kleine Anfrage bekannt, einer dezidierten Förderung von Photovoltaik-Parkplätzen offen gegenüber zu sein. Im Zuge dieser Antwort wurde die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

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