McKinsey: Europa bei Elektromobilität auf Überholspur

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Im vergangenen Jahr sind in Europa 1,4 Millionen Elektroautos neu zugelassen worden. Das entspricht einem Zuwachs von 138 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Somit wurden in Europa mehr Elektroautos als in China und den USA zugelassen haben. Diese Zahlen gehen aus dem neues „Electric Vehicle Index“ der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervor. Seit 2010 untersucht das Unternehmen die Stimmung am Markt für Elektromobilität in 15 Nationen, die McKinsey als wichtigste Märkte einstuft. Dazu gehören China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Dänemark, Italien, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden, Südkorea, und die USA.

Die Analysten untersuchen für den Index den Marktanteil von Elektrofahrzeugen am Gesamtmarkt in den Ländern sowie Förderprogramme und Subventionen. Außerdem fließt eine Bewertung der Ladeinfrastruktur in den Index ein. Des Weiteren wird auch die Bedeutung der Automobilindustrie am Weltmarkt für Elektrofahrzeuge ermittelt, in dem zum Beispiel die derzeitigen und zukünftigen Marktanteile für Fahrzeuge, aber auch Teile wie Motoren oder Batterien mit einbezogen werden.

Gemessen am Anteil des Weltmarktes für verkaufte Elektrofahrzeuge kam Europa auf 43 Prozent und konnte sich somit noch vor China, das 41 Prozent erreichte, setzen. Die USA kamen lediglich auf einem Weltmarktanteil von 10 Prozent. Die Quote von batterieelektrischen und Plug-in-Hybrid Fahrzeugen bei Neuzulassungen betrug über Europe verteilt knapp über 10 Prozent – eine Verdreifachung der Vorjahreszahlen. Wobei Norwegen mit 60 Prozent besonders hervorstach. Aber auch in Schweden, Dänemark und den Niederlanden wurden Neuzulassungsquoten von über 20 Prozent für Elektrofahrzeuge erreicht. In China beträgt der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Neuzulassungen 5,6 Prozent in den USA nur 2,2 Prozent.

Der Trend scheint auch nicht von kurzer Dauer. Zwar wurden in Europa im ersten Quartal dieses Jahrs mit 450.000 Elektrofahrzeugen etwas weniger Elektrofahrzeuge zugelassen als zum vorausgegangenen Quartal, jedoch doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Auch in Deutschland kommen die Verkaufszahlen langsam so richtig in Fahrt. Im Juni vergangen Jahres führte die Bundesregierung eine Innovationsprämie für den Kauf eines Elektrofahrzeugs ein. So habe sich laut dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Zahl der Anträge für die Förderung eines Elektroautos schlagartig verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2021 seien bereits 273.000 Anträge eingegangen. Das wären mehr als im gesamten Jahr 2020. Obwohl durch die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen geringere Verkaufszahlen wahrscheinlicher gewesen wären, kam der E-Fahrzeugsektor gut durch das Jahr. „Weltweit hat die E-Mobilität in einem durch die Corona-Pandemie geprägten Markt im vergangenen Jahr weiter gewonnen“, sagt Patrick Schaufuss, Partner im Münchner Büro von McKinsey. „Global nahmen die E-Auto-Verkäufe um 43 Prozent zu, während der Rest des Marktes um 16 Prozent eingebrochen ist.“

Lokale Produktion

Europa kauft nicht nur viele Elektroautos, sondern baut auch sehr viele. Die deutsche Automobilbranche wird den Erwartungen von McKinsey nach mit der chinesischen Konkurrenz gleichziehen. So würden im Jahr 2021 jeweils 1,6 Millionen Elektroautos in den beiden Ländern hergestellt. Im nächsten Jahr könne die deutsche Automobilbranche bei den Stückzahlen an der chinesischen vorbeiziehen.

Allerdings bliebe die chinesische Branche von großer Bedeutung, so McKinsey. Bei reinen batterieelektrischen Fahrzeugen hat der Markt mit einem Absatz von 1,1 Millionen Fahrzeugen immer noch die Nase vorn. Und auch bei den Batterien liegt der chinesische Markt mit einem Jahresvolumen von 430 Gigawattstunden hergestellter Batteriekapazität deutlich vor den 60 Gigawattstunden, die Europa hergestellt wurden. Bis 2025 erwarten die Analysten bei McKinsey jedoch, dass Europa und die USA lokale Wertschöpfungsketten weiter ausgebaut haben. Dann würde China nur noch 58 Prozent der weltweiten Batterieproduktion ausmachen.

„Es ist kein Zufall, dass Europa zum führenden Markt für E-Mobilität wird“, sagt Patrick Schaufuss weiter. „Staatliche Unterstützungsprogramme wie die Kaufprämien für E-Fahrzeuge sowie die strengen CO2- Vorgaben haben die Nachfrage nach und Produktion von Niedrig- und Nullemissionsfahrzeugen enorm angekurbelt. Zudem gehen viele Autohersteller mit ihren Dekarbonisierungsstrategien deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.“

Ein weiterer Grund für die steigenden Verkaufszahlen wäre das immer besser werdende Angebot an Fahrzeugen. In Europe gäbe es 160 verschiedene Modelle zur Auswahl, was das Kundeninteresse wecke. In China seien es knapp 250 Modelle und in den USA 50. Die Auswahl wird auch weiterhin stetig wachsen, sagt McKinsey in der Studie. Bis 2025 würden 600 neue Modelle auf den Markt kommen, die Hälfte davon bereits im kommenden Jahr.

Ladeinfrastruktur

Mit Blick auf die Ladeinfrastruktur erkennt McKinsey hierzulande ein Defizit. Bisher wurden 34.000 Ladesäulen installiert. Das ließe sich in 23 Fahrzeuge pro Ladesäule umrechnen. In den benachbarten und viel kleineren Niederlanden können sich Elektroautofahrer schon jetzt über die 65.000 Ladesäulen freuen. Dort kommen auf jede Ladesäule nur neun Elektroautos. Um mit dem steigenden Absatz von Elektroautos Schritt zu halten, müssten in ganz Europa wöchentlich 10.000 neue Ladepunkte errichtet werden – und das bis 2030, so die Unternehmensberatung. Zumindest in Deutschland ist unter den derzeitigen Bedingungen der wirtschaftliche Betrieb einer Ladesäule nicht immer so einfach, was den zögerlichen Ausbau zur Folge hat.

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