Wenn Naturgesetze auf Systemfehler stoßen: Warum wir unseren Energiereichtum verschwenden

Die aktuellen, sonnenreichen Tage legen die Schwächen unseres derzeitigen Systems offen. Wir haben Energie im Überfluss, aber wir können sie nicht nutzen. Ist das der Fehler der Energiewende oder eines veralteten Systems?
Foto: Ecostor

Wir sind eigentlich reich, vor allem an Solarenergie, wie es der 26. April eindrucksvoll gezeigt hat. An diesem Tag hätten wir uns rechnerisch zu 100 Prozent aus Erneuerbaren versorgen können. Aber wir konnten es nicht, die Erneuerbaren mussten abgeregelt werden, wertvolle Energie aus Wind und Sonne konnte nicht gespeichert werden. Trotz der Abregelungen von 11,5 Gigawatt Solar- und Windleistung fiel der Strompreis auf bis zu -500 Euro pro Megawattstunde. Allein dieser Tag bescherte den Steuerzahlern eine Rechnung von etwa 266 Millionen Euro. Und zwar nur dafür, dass Stromüberschüsse entsorgt und staatliche Garantievergütungen und teure Netzeingriffe gezahlt werden mussten. Und nur wenige Stunden später mussten wir Strom aus Gas für +200 Euro pro Megawattstunde erzeugen. Aus einem Brennstoff, den wir nicht haben, für den geopolitische Konflikte geführt werden und der uns im kommenden Winter erneut fehlen könnte.

Das ist kein Naturgesetz. Das ist ein Systemfehler. Wir haben Energiereichtum, aber wir können ihn nicht nutzen. Und wir zahlen sogar dafür, dass wir ihn nicht nutzen.

Die erste Phase der Energiewende war erfolgreich: Photovoltaik und Windkraft sind heute die günstigsten Stromquellen. Doch mit steigenden Anteilen erneuerbarer Energien verändern sich die Anforderungen. Entscheidend werden nun Flexibilität und Speicher. Stromspeicher sind daher kein Zusatz, sie sind vielmehr die Voraussetzung für ein funktionierendes System. Sie können die Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch schließen und damit eine sichere und kosteneffiziente Versorgung ermöglichen.

Gerade Bayern verfügt mit rund 27 Gigawatt installierter Photovoltaik-Leistung über einen enormen Energiereichtum. Speicher könnten diesen Vorteil nutzbar machen. Doch während sie im privaten und gewerblichen Bereich bei Neuanlagen längst Standard sind, spielen sie im Stromsystem bisher nur eine Nebenrolle.

Die Gründe sind bekannt. Genehmigungen dauern zu lange, das aktuelle Planungsrecht schafft mehr Unsicherheit als Sicherheit. Investoren finden keine verlässlichen Rahmenbedingungen. Es werden sämtliche regulativen Scheren und Sägen angesetzt, um die wachsende Pflanze des Speicherhochlaufs im Zaum zu halten. Nur ist das kein leichter Heckenschnitt, sondern eine radikale Kappung von Wachstumstrieben. Oder ganz einfach: Speicher scheinen trotz gegenteiliger Fensterreden politisch nicht gewollt zu sein. Ist es, weil die Politik Vorbehalte gegen eine Infrastrukturleistung hat, die privat finanziert und somit außerhalb ihres direkten Einflussbereichs ist? Die Folge ist, dass Investitionen abwandern und hier nicht passieren. Die Standortentscheidungen für den Speicherhochlauf fallen jetzt und Bayern droht, sie zu verlieren.

Dabei wäre der Freistaat nicht machtlos. Schnellere Verfahren, klare Flächenpolitik und verlässliche Rahmenbedingungen könnten Investitionen in Batteriespeicher ermöglichen und beschleunigen. Doch selbst das reicht nicht aus. Denn die zentrale, eigentliche Frage entscheidet sich nicht in München, sondern in Berlin.

Die energiepolitische Debatte auf Bundesebene bewegt sich zunehmend in Richtung einer Gas-only-Strategie. Das ist problematisch. Sie ist teurer als technologieoffene Ansätze und verstärkt die Abhängigkeit von Importen. Andere Länder zeigen dabei durchaus, dass es anders geht. So setzt Großbritannien auf technologieoffene Kapazitätsmärkte und verbindet so Versorgungssicherheit mit Kosteneffizienz. Große Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle.

Uns ist völlig klar, dass Gaskraftwerke auch künftig eine Rolle spielen werden. Doch eine einseitige Ausrichtung auf Gas ist weder resilient noch wirtschaftlich sinnvoll.

Gleichzeitig wird über die Kosten dieser Strategie kaum gesprochen. Dabei steht schon jetzt fest, wer sie tragen muss, nämlich Industrie und Haushalte. Also wir alle. Denn europarechtlich gilt das Verursacherprinzip: Die Hauptlast tragen diejenigen, die ihren Verbrauch in Knappheitssituationen nicht flexibel anpassen können.

Dabei liegen die Lösungen auf dem Tisch. Berechnungen zeigen: Mit einer Speicherleistung von rund 50 Gigawatt könnten große Teile der aktuellen negativen Preiseffekte vermieden werden. Überschüssige Energie würde gespeichert und später genutzt, statt verloren zu gehen und durch teure fossile Energie ersetzt zu werden. Diese Größenordnung ist erreichbar. Die Netzbetreiber haben bereits deutlich höhere Anschlussleistungen für Speicher genehmigt. Entscheidend ist nun die schnelle Umsetzung.

Die wirtschaftlichen Chancen dieser Richtung wären erheblich. Eine Gas-only-Strategie ist nicht nur ineffizient. Sie ist die teuerste Option. Und damit ein trojanisches Pferd für Verbraucher und Industrie. Während Gaspreise zuletzt stark gestiegen sind, zeigt sich gleichzeitig, wie stabil und günstig erneuerbare Energien sein können.

Hierin bestätigt sich eine neue Gewissheit: Bei der Umstellung auf Strom hat die ökonomische Vernunft die Seite gewechselt. ‚All-Electric‘ ist vom grünen Experiment zum wirtschaftlichen Standard geworden. Wir haben Energiereichtum, aber ein System, das uns zwingt, ihn zu verschwenden. Lasst uns doch daran arbeiten, dieses System zu verbessern.

— Der Autor Georg Gallmetzer ist Mitgründer der Eco Stor GmbH, Chief Business Development Officer und Geschäftsführer. Er verantwortet den Bereich der Projektentwicklung, Regulierung, Kommunikation und Geschäftsentwicklung. Gemeinsam mit seinen Teams sorgt er für die Gestaltung des Regulierungsrahmens für Batteriespeicher in Deutschland, entwickelt baureife Großspeicherprojekte und innovative Geschäftsfelder für die Stärkung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens im Umfeld der Energiewende. https://www.eco-stor.de/de —

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Kommentare

Tom
May 10, 2026

Hallo, mal eine dumme Frage an die Experten bzgl. der Abregelungsproblematik bei sogenannter Hellbrise. Generator = Motor, richtig ? Warum nicht in solchen Situationen die WKA in jeweils benötigter Zahl aus dem oder gegen den Wind drehen und mit dem überschüssigen Strom als Motor laufen lassen ? Vorübergehende Nutzung zur Landschaftsbelüftung sozusagen… Oder auch Kraftwerksturbinen ?

darwin-c
May 08, 2026

4 kWh-Akku pro kWp sollten Standard werden – Erzeugung und Speicherung verschmelzen und decken 1 kompletten Tag ab. Oder aber 3 Tage bei 33% Defizit in der Erzeugung.

Kostet nicht mal etwas extra. Ist ja bei der PV und der WKA schon dabei.

Hans Diehl
May 07, 2026

Zitat aus dem Artikel.
Wir sind eigentlich reich, vor allem an Solarenergie, wie es der 26. April eindrucksvoll gezeigt hat. An diesem Tag hätten wir uns rechnerisch zu 100 Prozent aus Erneuerbaren versorgen können. Aber wir konnten es nicht, die Erneuerbaren mussten abgeregelt werden, wertvolle Energie aus Wind und Sonne konnte nicht gespeichert werden. Zitat Ende.

@ Ich weiß dass ich mit meinen Wiederholungen einigen hier auf die Nerven gehe. Möchte aber mit Tatsachen diese Diskussion bereichern, und die EEG Urväter in Schutz nehmen.
Der Systemfehler wurde erst nachträglich von Lobbyisten ins EEG eingebaut.

Ursprünglich, – bis 2010 – sah das System nämlich wie folgt aus Die Erneuerbaren wurden mit sogenannten grünen Bändern den Versorgern zwingend zugeteilt

Und das geschah wie folgt. Klicken sie auf den folgende Merit Order Link.

https://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order

Scrollen Sie das vierte Bild nach oben. Dann sehen Sie bei der Bedarf und Preisbildung das Folgende. Weil die Versorger die EE schon zwingend zugeteilt bekamen, sank deren Nachfrage am Deay Ahead dem Vortagshandel automatisch von N1 auf N2 und entsprechend der Preis von P1 auf P2.

Überschuss und negative Preise waren so gut wie ausgeschlossen.

Seit 2010 ist das nicht mehr der Fall weil die Fossilen nach belieben einspeisen, und das Geschenk des Himmels wird gegen die Energiewende aufgebracht.

Mark Müller
May 07, 2026

Solange Analysten, Journalisten und andere bei Speichern immer primär von Leistung (GW) statt von Kapazität (GWh) reden, werden wir das Problem nicht lösen – weil wir es gar nicht richtig verstanden haben.
Das Problem der Batterien ist ja, dass sich die Kapazität nicht unabhängig von der Leistung skalieren lässt. Wenn ich einen Batteriespeicher mit 4 Stunden 1 GW Leistung will, kostet das genau das Doppelte des Speichers mit 2 Stunden 1 GW Leistung (typisch). Bei 8 Stunden das Vierfache, bei 24 Stunden das 12-fache und bei einer Woche das 84-fache.
Das widerum heisst, dass Batterien für 2 Stunden einigermassen günstig sind, für 4 Stunden teuer, für 8 Stunden sehr teuer und für 24 Stunden unbezahlbar.
Wenn man das mal verstanden hat (hätte), kann (könnte) man vernünftig über die Aufteilung der Speicherbedürfnisse auf verschiedene Technologien (Batterien, Wasserspeicher, H2-Gasturbinen, etc.) sprechen.

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Dirk Schiller
May 08, 2026

Mark Müller schrieb:

„Wenn es darum geht, ob du im Winter mit der Batterie eine 3-tägige Schattenzeit überbrücken kannst“

Also in den Breiten, in denen ich wohne, geht auch im Winter die Sonne jeden Tag auf. Zusätzlich ist dann da noch reichlich Windenergie im Winter da, welcher gerne abgeregelt wird. Bezahlen muss ich diese so oder so, da kann ich auch versuchen, diese zu nutzen.

„Im Artikel geht es aber um grosse Batterien. “

Gut erkannt. Mit diesen Batterien laesst sich eben am Morgen der Spitzenbedarf decken, Windspitzen lassen sich kappen, wann immer diese anfallen, die Solarspitze möchte auch weggespeichert werden und natürlich die Nachmittagsspitze will ausgeglichen werden. Wenn ich Glück habe, dann kann ich 3-5h laden und die Entladezeit ist meist im Bereich von 3h. Dafür brauche ich keine Batterie, die ich in den 3-5h nie voll bekäme und schon gar keinen 3-Tages-Speicher.

Bist du mit dem das Gleichzeitigkeitsprinzip vertraut? Wenn ja, dann brauche ich dir ja nicht zu erklären, was passiert, wenn ich einen 2h-Speicher habe und dann einen zweiten und dritten Speicher dazu baue?

Falls doch nicht, ich erkläre es gerne.

Mark Müller
May 08, 2026

@ Dirk: Du sprichst da wahrscheinlich von irgendeiner Mini-Batterie. Im Artikel geht es aber um grosse Batterien. In deinem Fall richtet sich die Ladeleistung nach der Leistung deiner PV-Anlage, die Entlade-Leistung nach deinem Verbrauch. Darüber hinaus ist die Leistung völlig unbedeutend.
Wenn es darum geht, ob du im Winter mit der Batterie eine 3-tägige Schattenzeit überbrücken kannst, sind nicht die Lade- oder Entladeleistung massgeblich, sondern die Kapazität deiner Batterie.
Es ist auch primär die Kapaziät, die den Preis ausmacht. Die Leistung kann man je nach Verschaltung der Batteriezellen fast beliebig variieren.

Dirk Schiller
May 07, 2026

Mark Müller, ich glaube, das Verständnisproblem scheint woanders zu liegen.

Mein Speicher zum Beispiel funktioniert 24h lang. Das heisst, je nach Angebot speichere ich gar nicht, einmal oder mehrmals. Hauptsächlich die Lade- und Entladeleistung bestimmt, inwiefern ich vom Angebot profitieren kann.

Norbert L.
May 07, 2026

Stichwort Erdwärme: die Autarkie des einzelnen „Verbrauchers“ (*und* gleichzeitigen Eigenstrom-Erzeugers) – rückt für Strom-Überkapazitäten näher: zum Beispiel mit der/einer Langzeit-Wärmespeicherung bei Überschuss im Sommer – mit einem oder mehreren meterdicken, stark isolierten, unterirdischen Stein- oder Betonklötzen, die 3D mit Wasserrohren durchzogen sind… Meine Frage nur dazu in die Runde: welches (preiswerte) Isoliermaterial wäre dafür das geeignetste?

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Ralf Fichtner
May 07, 2026

Es nützt nichts die EE zu verteufeln und für die derzeitigen Probleme verantwortlich zu machen, was derzeit oft geschieht. Die EE sind nicht schuld an negativen Strompreisen. Vielmehr gilt es die Ursachen zu korrigieren, und den Systemfehler zu beseitigen. Da stimme ich dem Autor voll und ganz zu. Wir brauchen jede selbst erzeugte Kilowattstunde, weil wir dafür kein Gas einkaufen müssen. Dazu braucht es ein intelligentes und flexibles Stromnetz. Hier liegt der Krebsschaden, nicht beim Zubau der Erneuerbaren. Daher muss hier auch der Hebel angesetzt werden. Aber die Bundesregierung steht für Stillstand und Rückschritt.

BotU
May 07, 2026

mir viel sofort Glasschotter ein, wurde als tragendes isolierendes Material unter Bodenplatten verwendet

Christian Mäder
May 07, 2026

Das „unbedingt Wollen“ steht manchmal einer nüchternen Betrachtung der realen Probleme und deren (einfachen) Lösungen im Weg. Natürlich wollen wir alle die Umstellung auf erneuerbare Energien, aber vor diesem Erfolg hat der Urknall die wunderbare planetare Realität und die europäische Strombörse gesetzt. Dass an der Strombörse negative Preise für Strom zugelassen werden, ist entweder ein Konstruktionsfehler der Börse, unabdingbar für die Funktion des Strom-Börsenhandels oder „böse“ Absicht.
Man hätte vielleicht auch den Erdgeschossboden bei 0,00 EURO/ Megawattstunde einziehen können, und nicht noch einige Kellergeschosse unter Null zulassen.
Aber dies wäre nicht differenziert genug , denn zwischen -0,04 EURO / kWh und -0,40 EURO / kWh gibt es eben doch erhebliche finanzielle Unterschiede.
Negative Preise für ein Produkt welches im Normalfall positive Preise erzielt , sind dramatisch neu. Eventuell springt der Virus der negativen Preise auch irgendwann auf andere Handelssysteme über . Wenn der Discounter
„DEIN LEBEN“ zukünftig seine kurz vor dem Verfall stehende Gemüse- und Obstabteilung leerräumen möchte , werden die Vitaminbomben ganz gering negativ bepreist , und schon stürmen die Kunden das Geschäft und räumen alles leer. Eventuell ist dies für den Discounter günstiger als eine Fachkraft dafür anzustellen. Containern auf höchstem Niveau.Speziell die Deutschen sind unglaublich preissensibel und über Geld leicht steuerbar . Gerade auch bei alltäglichen Dingen wie Brot , Kraftstoffen und anderen Lebensmitteln.
Was kann man alles mit Sonnen- und Windstrom Strom anfangen ?
Es gibt unzählige Möglichkeiten!
+ Man könnte das Fundament aus Tonziegeln eines Südfrüchte-Gewächshauses stark erwärmen , und diese träge Wärme über viele Tage nutzen. Das gute alte Nachtspeicheröfen – System.
+ Ebenso könnte man Erdwärmebohrungen im Sommer aufheizen, beziehungsweise das Material drumherum, und diese so für den Winter regenerieren.

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khk
May 07, 2026

Das wirklich erschreckende ist, dass wir nicht nur Energie im Überfluss in D haben – sondern auch die Technik zum Speichern vorhanden ist – unsere Regierenden diese aber mit abstrusen Auflagen und Monster-Bürokratie verhindern wollen. Neben Strom in Batterien (die immer günstiger werden siehe China), eben auch Langzeitspeicher per Elektrolyse als Wasserstoff oder Methan/Propan-Speicher (Power to gas) oder in Form von Thermospeichern , z.B. Kalk (s. https://blog.paradigma.de/heizungs-abc-heizen-mit-kalk-wie-funktioniert-das/), leider viel zu wenig bekannt und eben nicht staatlich gefördert.
Anstatt Technologieoffenheit nur irrsinnige Subventionierung veralteter Technik und EEG-Ausgleichszahlungen als Geschenke an Stromkonzerne für „entgangene Gewinne“.

Aber alle Mißstände geniessen eben den Schutz ihrer Nutznießer – Dank schmieriger Deals scheffeln fossile Verbrecherstaaten und Energiekonzerne weiter Milliarden – eine volkswirtschaftliche Katastrophe für Arbeitnehmer und Industrie, sowie die fortschreitende Zerstörung unserer Lebensbedingungen.

Manfred Uhlig
May 07, 2026

„… natürlich wollen wir alle die Umstellung auf erneuerbare Energien …“ – nein, leider nicht. Die alten Verdächtigen sind nach wie vor sehr aktiv und gerade gegenwärtig wieder gesetzgeberisch gewillt und in der Lage zu bremsen. Und der überwiegende Teil der Bevölkerung macht mit. Oder wie kämen sonst solche Wahlmehrheiten zu Stande? Woran liegt es? Unter anderem am allgemeinen Aufklärungs- und Bildungsstand zu den Regenerativen. Ich für meinen Teil „missioniere“ für PV+Speicher, wo es nur geht. Aber was einem da so an Unkenntnis und Fehlinformation entgegenkommt, ist frappierend. Und das nach über 25 Jahren PV-Erfolgsgeschichte.
Besonders krass trat z.B. diese mangelnde Aufklärung bei der (nicht) Kommunikation des sogenannten „Heizungsgesetzes“ zu Tage. Auch sind nach wie vor die Produkte vor allem für den „besserverdienenden“ Eigenheimbesitzer und Solarpark-Investor gemacht, nicht aber für die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich Mieter und Vermieter.

Manfred Steuer
May 07, 2026

Selbst eine Zeitschaltuhr würde einen privaten Speicher netzdienlicher machen. Die geraden Hausnummern dürfen frühestens um 10:00 Uhr ihren Speicher laden, die ungeraden Hausnummern ab 13:00 Uhr. Stattdessen laden alle frühmorgens, sobald die Sonne richtig aufgegangen ist.

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Felix Hauptmann
May 07, 2026

Ist es denn wirklich stures verhalten, wenn Netzteilnehmer marktwirtschaftlich optimal agieren? Hätte ich einen dynamischen Stromtarif, welcher auch die Netznutzung und lokale Auslastung einpreist (und außerdem eine PV-Anlage), würde ich sicherlich morgens einspeisen und erst meinen Speicher laden, wenn der Strompreis entsprechend des Gesamtbedarfs sinkt.

In meinen Augen ist es zu großen Teilen ein Problem des Strommarkts. Börsenpreis-gekoppelte Tarife müssten sowohl für Einspeisung als auch Entnahme üblich sein. Merit-Order und fehlende Einpreisung der lokalen Netzauslastung bedingt durch eine einzige zentrale deutsche Strombörse sind da natürlich nicht förderlich. Klar, wer will möge selbstverständlich immer einen Festpreis-Vertrag abschließen, muss dann aber mit entsprechendem Aufpreis rechnen.

Ralf Fichtner
May 07, 2026

Wer einen Home-Speicher besitzt sollte darauf achten dass dieser netzdienlich, zum Zeitpunkt der höchsten Erzeugung geladen wird. Das funktioniert zB. bei Fenecon über die App. Sollte es bei älteren Systemen keine Möglichkeit geben die Ladezeit des Speichers zu konfigurieren, hilft ein Energiemanagment, zB Consolinno Energy, was bei allen gängigen HybridSystemen, Fox, Fronius, Goodwe, Huawei, Kosten, Qcells, RCT und mehr, kompatibel ist. Das EMS hilft den Eigenverbrauch zu steigern, kostet nicht viel, bringt viel.

Mark Müller
May 07, 2026

Genau wegen diesem sturen Verhalten werden Ihnen die Energieabnehmer künftig über Mittag für die Einspeisung nichts mehr bezahlen.
Ein modernes Verwaltungstool für die PV-Anlage ‚weiss‘, wann die nächsten 24 Stunden die Sonne scheint. Ein ausgewachsenes Energiemanagementsystem sowieso.
Selbst ohne diese Information sollten Sie sinnvollerweise den Speicher primär über Mittag laden.

Christian
May 07, 2026

Natürlich lade ich gleich morgens. Erstens weiß ich nicht immer, ob die Sonne den ganzen Tag scheint und zweitens warum nicht? Mittags koche ich und lade das EV wenn nötig und wenn der Bedarf nicht durch PV gedeckt ist springt die Batterie ein. Das Netz liefert eigentlich nur noch Regelstrom und wie teuer der ist ist eigentlich fast Wurst.

Stephan Lindner
May 06, 2026

Es ist eine absurde Situation: Wir behandeln den Smart-Meter-Rollout wie einen heiligen Gral, während er in Wahrheit zur größten Bremse der Energiewende wird. Wir haben 20 GWh Speicherkapazität in Privathand, die sofort netzdienlich helfen könnten – ein Potenzial von 10 bis 20 Pumpspeicherkraftwerken!

Statt diese Kapazitäten einzusetzen, verheddert sich die Politik in einem bürokratischen Digitalisierungs-Fetischismus. Während Länder wie Italien pragmatisch vorhandene Messwerte der Energiedienstleister nutzen, blockieren wir uns in Deutschland mit überzogen perfektionistischen Anforderungen an die Smart-Meter. Wir verwalten hier einen künstlich erzeugten Mangel. Die verstockte Fixierung auf zertifizierte Hardware und die steuerliche Gier bei Abgaben auf Speicherstrom verhindern den Arbitragehandel und entwerten die Investitionen der Bürger. Wir brauchen keine bürokratische Perfektion bis zur letzten Dezimalstelle, sondern endlich den Mut zur Nutzung dessen, was längst installiert ist!

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Mark Müller
May 07, 2026

Da referenzieren Sie aber sehr kleine Pumpspeicherwerke. Das Pumpspeicherwerk Nant-de-Drance in der Westschweiz hat alleine mehr als 20 GWh Speicherkapazität.

Uwe Dyroff
May 06, 2026

„Man habe bislang Falsches perfekt gemacht, es damit aber im Grund nur: perfekt falsch. Und eben nicht richtig.“

(Michael Braungart Februar 2020)

Martin Schachinger
May 06, 2026

Völlig absurd, das Ganze.
Kennt jemand hier eine Abschätzung, wieviel Energie in Deutschland an einem Tag mit Hell-Brise gedrosselt bzw. abgeregelt wird in TWh oder Prozent?

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Dirk Schiller
May 07, 2026

Leider nein, im Gegensatz zu Großbritannien, wo entsprechende Zahlen durchaus öffentlich verfügbar sind:

https://wastedwind.energy/

Dort wird auch klar, dass die Abregelung der günstigste Teil ist. Um trotz Abregelung den Strombedarf decken zu können, muss dieser nämlich durch thermische Kraftwerke erzeugt werden. Und zwar nicht nur später, sondern auch zeitgleich.

Das liegt daran, dass dort, wo die Industrie gigantische Mengen Strom verbraucht, vergleichsweise geringe Mengen an erneuerbarem Strom erzeugt werden. Dort sind statt dessen thermische Kraftwerke zugange. Und das Übertragungsnetz ist eben nicht darauf ausgelegt, den Windstrom aus dem Norden dorthin zu bringen.

Als Resultat werden dann die Windkraftwerke gegen Geld herunter gefahren und gleichzeitig thermische Kraftwerke, meist zum 3-5fachen Preis, hochgefahren.

Als Resultat sieht man dann am 26.4.26 2,5GW an Kohle, 1,8GW Gas (übrigens wurde am meisten Erdgas zur Mittagsspitze verfeuert) und satte 4,2GW an Biomasse zur Mittagszeit laufen. Das sind 7,5GW an thermischen Kraftwerken, die eigentlich unnötig laufen und teils extra hochgefahren wurden.

Martin Schachinger
May 07, 2026

Danke Hans für die Abschätzung, aber die betrifft nur die Solaranlagen, richtig? Welche Überschüsse werden denn bei den ganzen Windparks vergeudet bzw. gar nicht erst erzeugt, weil abgeregelt? Gefühlt steht an einem sonnigen Tag mit Wind jede 4. WKA still… 🙁

BotU
May 07, 2026

Ne, ganz schwierig, es müsste ja gemeldet und in eine Datenbank eingetragen werden. Bisher habe ich nichts gefunden.

Christian Mäder
May 07, 2026

Deutschland fehlt ein Energieministerium . Der Energieminister / Die Energieministerin sollte so pragmatisch und seriös agieren wie vor langer Zeit Klaus Kinkel *FDP als Außenminister.
Mit Aktentasche, freundlichem Auftreten, und dem inneren Auftrag gehorchend wieder Ordnung und Stabilität in die schlingerende Energiewende zu bringen.

Christian Mäder
May 07, 2026

„Völlig absurd das Ganze.“ . Besser und klarer kann man diese groteske Situation in einem Satz nicht zusammenfassen. Danke Martin.

Hans Urban
May 06, 2026

Hallo, Martin,

an dem Artikel hab ich ja ein wenig mitgeschrieben 😉
Und das was Du meinst hatte ich kürzlich mal für einen Vortrag anhand der Energy Charts abgeschätzt: An einem guten Tag könnte man momentan 90 bis 100GWh an Solarüberschüssen „wegspeichern“ und nutzbar machen.

Hans

Uwe Dyroff
May 06, 2026

@Martin,
hier https://m.bild.de/politik/inland/strom-flutet-netze-experten-raten-solar-anlagen-abzuschalten-69f47ccace673f8cd2abb2d5?t_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
dazu ein interessanter Artikel aus der allbekannten Nonplusultra Investigativ Zeitung.
Inklusive interessanter Namen…