IHS Markit erwartet sinkende Modulpreise und steigende Photovoltaik-Nachfrage in Europa

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Am 3. September sind die Mindestimportpreise für Photovoltaik-Produkte aus China, Taiwan und Malaysia nach knapp fünf Jahren ausgelaufen. Diese Entscheidung der EU wird laut IHS Markit die gesamten Systemkosten für Photovoltaik-Projekte sofort senken. Bei Photovoltaik-Modulen gehen die Analysten davon aus, dass die Preise um bis zu 30 Prozent nachgeben, und progonstizieren für 2019 einen Anstieg der Photovoltaik-Nachfrage um 40 Prozent.

Viele in der Branche freuten sich über die Entscheidung der Europäischen Kommission, die Mindestimportpreise auslaufen zu lassen. Angesichts der prognosen zu sinkenden Modulpreisen sagte IHS-Markit-Analystin Josefin Berg pv magazine, dass dadurch für Projektentwickler und EPC die gesamten Projektsystemkosten und die entsprechenden Stromgestehungskosten sofort sinken und sich die Projektmargen für bereits kontrahierte Projekte erhöhen werden.

Vergangene Woche erklärte die in Taiwan ansässige Energytrend, dass sie eine weitere Senkung der Solarzellenpreise beobachtet habe, insbesondere im Segment der hocheffizienten monokristallinen Zellen. Nach dem Ende der Mindestimportpreise werde ein neuer Preiskrieg die Folge sein. Insbesondere werde es einen direkten Wettbewerb zwischen Solarzellen aus China und aus Taiwan geben.

Berg zufolge wird der größte Einfluss der EU-Entscheidung darin bestehen, 2019 ein jährliches Wachstum von 40 Prozent bei neuen Photovoltaik-Installationen in Europa zu bewirken. Insbesondere Entwickler von Großprojekten in Südeuropa, die im Rahmen von Regierungsprogrammen und mit privaten Stromabnahmeverträgen arbeiten, werden demnach vom verstärkten Wettbewerb unter den Lieferanten profitieren. In ihrem jüngsten, im Juni veröffentlichten Bericht „PV Installations Tracker“ war IHS Markit bereits davon ausgegangen, dass die Mindestimportpreise nicht verlängert werden. „Damit bleiben wir bei unserer Prognose für Photovoltaik-Anlagen in Europa, die 2018 bei etwa zwölf Gigawatt und 2019 bei 17 Gigawatt liegen“, sagt Berg.

Berg zufolge wird sich der Wettbewerb auch bei Modulimporten nach Europa intensivieren. „Die Fertigungskapazitäten in Südostasien werden auf dem europäischen Markt ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, da die Importe aus China zunehmen werden. Der einzige klare Markt, der für die Kapazität in Südostasien übrig bleibt, werden die USA und möglicherweise Indien sein, abhängig von der Entwicklung der Einfuhrzölle für chinesische Module und Zellen“, fährt sie fort. Welcher Anteil der Nachfrage in den USA und Indien mit diesen Modulen gedeckt werden könnte, konnte Berg allerdings nicht sagen.

Jenny Chase von Bloomberg New Energy Finance zufolge lag der absolute Mindestimportpreis Ende Juli bei 0,30 US-Dollar pro Watt für multikristalline Module und 0,35 US-Dollar pro Watt für monokristalline Module. Sie glaubt, dass der Preisrückgang weniger als 30 Prozent betragen wird, „weil niemand so viel bezahlt hat (sie verwendeten südostasiatische Module).“ Chase erwartet, dass die Wattpreise für multikristalline Module bis Ende des Jahres bei etwa 24 US-Cent liegen werden. Die Frage, um wieviel Prozent ein Preis sinke, hänge immer von der Frage ab, was man als Ausgangswert nehme.

Die Vereinigung Solarpower Europe hat die EU-Entscheidung begrüßt und sie als einen Wendepunkt und ein neues Solarzeitalter für die europäische Solarindustrie bezeichnet. „Durch die Aufhebung der Mindestimportpreise hat die Europäische Kommission heute die größte Barriere für das Photovoltaik-Wachstum in Europa aufgehoben“, sagte Präsident Christian Westermeier in einer Pressemitteilung. CEO James Watson fügte hinzu: „Die Handelsmaßnahmen haben die Solarenergie in Europa viel teurer gemacht als notwendig. Jetzt wird sie in vielen EU-Ländern die günstigste Form der Elektrizität sein – das bedeutet, dass viel mehr Verbraucher und nationale Regierungen in der Lage sein werden, in Photovoltaik zu investieren.“ Weiter sagte Watson, dass die Aufhebung der Maßnahmen auch den europäischen Herstellern entlang der gesamten Wertschöpfungskette zugute kommen werde. „Diese Entscheidung in Verbindung mit einer starken Industriestrategie, wie sie im Rahmen des Industrieforums für saubere Energie der Europäischen Kommission vorgeschlagen wird, wird zweifellos auch die Menge der in Europa hergestellten Solarprodukte erhöhen.“

Als sich am 24. August das Ende der Mindestimportpreise abzeichnete, erklärte EU Prosun, das eine Verlängerung der Maßnahmen beantragt hatte: „Solarenergie ist heute schon die günstigste Stromquelle in Europa. Sie wird nicht billiger, wenn die geltenden Antidumpingmaßnahmen auslaufen. Die Margen der Importeure werden nur ein wenig zunehmen. Aber der Schaden für die verarbeitende Industrie – und für die gesamte Wertschöpfungskette – wird verheerend sein.“