Chinas Photovoltaik-Politik schlägt weiter Wellen

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Trotz der jüngsten Entwicklungen in China erwartet Solarpower Europe ein weiteres Rekordjahr: Der europäische Solarverband geht davon aus, dass die weltweit neu installierte Photovoltaik-Kapazität in diesem Jahr 102 Gigawatt erreichen wird, nur fünf Gigawatt weniger als in der bisherigen Prognose angenommen. Verbandschef James Watson sagte in einer Stellungnahme gegenüber dem pv magazine, dass der Ausblick auf das globale Photovoltaik-Wachstum im Jahr 2018 nur geringfügig unten korrigiert worden sei. „Trotz der Nachrichten aus China verfallen wir nicht in Panik und reduzieren auch nicht drastisch unsere Erwartungen für den Zubau netzgekoppelter Photovoltaik. Unsere aktuellen Schätzungen deuten darauf hin, dass wir auf Kurs sind für etwa 102 Gigawatt Photovoltaik-Zubau weltweit.“

Im Juni vergangenen Jahres hatte Solarpower Europa für 2018 rund 107 Gigawatt Zubau als Teil des mittleren Szenarios seines Global Market Outlook prognostiziert. Ein Zubau von 102 Gigawatt, wie er jetzt angenommen wird, wäre immer noch eine Steigerung im Vergleich zu 2017, als weltweit 99 Gigawatt Photovoltaik installiert wurden. Watson geht davon aus, dass unter anderem eine steigende Nachfrage sowie Projekte beispielsweise in Indien, dem Nahen Osten, Südostasien, Lateinamerika und Afrika die Abschwächung in China kompensieren können. „Unsere Prognosen für Europa und die USA werden wir nicht wesentlich ändern, da beide Märkte durch Handelsmaßnahmen behindert werden, so dass der Preisrückgang nicht an Unternehmen und Verbraucher weitergegeben werden kann“, fügte Watson hinzu. „Aber der Rest der Welt kann und wird davon profitieren.“

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will das Marktforschungsinstitut IHS Markit die globale Zubauprognose für 2018 um fünf bis zehn Gigawatt oder bis zu neun Prozent zu senken. Ein anderes Institut, Wood Mackenzie, geht davon aus, dass der Zubau in China wahrscheinlich 20 Gigawatt niedriger sein wird als erwartet. Viele Aktien von Modulproduzenten sind demnach bereits unter Druck geraten, da ein geringerer Zubau in China zu einem Überangebot an billigen in China hergestellten Modulen, die für einheimische Projekte bestimmt waren, die Modulpreise sinken lassen wird – ein Preisrückgang, der Herstellern aus Sicht von Analysten nur hauchdünne Gewinnspannen lassen wird.

Wie Reuters weiter meldet, haben chinesische Modulproduzenten Peking aufgefordert, die überraschenden Förderkürzungen zu verschieben und die Deckelung für neue Projekte zu lockern. Das gehe aus einem von Reuters überprüften Brief an die Nachrichtenagentur Xinhua hervor, wonach die Politik einem Sektor schaden werde, der bereits finanziell kämpfe. Führungskräfte von elf chinesischen Solarfirmen würden in dem Brief beklagen, dass der am 1. Juni angekündigte überraschende Schritt der chinesischen Regierung viel zu früh gekommen sei. Demnach hat der Sektor riesige Schulden gemacht, um sicherzustellen, mit traditionellen Stromerzeugern konkurrieren zu können, und brauche noch drei bis fünf Jahre Regierungsunterstützung. Reuters zufolge hat Chinas nationale Energiebehörde nach Gesprächen mit Vertretern der Solarindustrie versprochen, die Einführung eines Quotensystems zu beschleunigen, das die Regionen dazu zwinge, mehr erneuerbare Energie zu kaufen.