IRENA: 34 Prozent Erneuerbare in EU bis 2030 möglich

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2014 hat die EU ihr 27-Prozent-Ziel für die erneuerbaren Energien verabschiedet. Seitdem sind die Kosten insbesondere für die Photovoltaik und die Offshore-Windenergie stärker als erwartet gesunken. Daraus ergibt sich nun das Potenzial, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 34 Prozent zu erhöhen, wie eine Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA) zeigt, die Anfang der Woche in Brüssel vorgestellt wurde. Der Erneuerbaren-Anteil könnte sich damit zwischen 2016 und 2030 verdoppeln. Zum Vergleich: Die derzeitigen Pläne und Strategien für den Einsatz erneuerbarer Energien würden bis 2030 zu einem Anteil von 24 Prozent führen, heißt es in dem Bericht.

„Der Bericht bestätigt unsere eigenen Einschätzungen, dass die Kosten für erneuerbare Energien in den letzten Jahren erheblich gesunken sind und dass wir diese neuen Realitäten bei unseren ehrgeizigen Zielen für die bevorstehenden Verhandlungen zur Erneuerbare-Energien-Politik der EU berücksichtigen müssen“, sagte EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete. IRENA-Generaldirektor Adnan Amin betonte bei der Vorstellung des Berichts den positiven Effekt für die Wirtschaft. Insgesamt 368 Milliarden Euro würden durch eine beschleunigte Energiewende zusätzlich investiert, das entspräche etwa einem jährlichen Beitrag von 0,3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukts der EU. Daraus ergäben sich pro Jahr Erneuerbaren-Investitionen von durchschnittlich 62 Milliarden Euro. Mit einem gesteigerten Zubau würden die Beschäftigungszahlen im Erneuerbaren-Sektor von derzeit 1,2 Millionen ebenfalls deutlich steigen. Der Studie zufolge würde der beschleunigte Erneuerbaren-Ausbau Kosten zwischen 44 und 113 Milliarden Euro einsparen, vor allem an Energiekosten sowie Kosten für Umwelt und Gesundheit werden vermieden. Heute sterben in Europa jährlich etwa 400.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung, heißt es in dem Bericht.

In der Photovoltaik ließen sich bis 2030 rund 270 Gigawatt Leistung installiert, das wären 86 Gigawatt mehr als bei einem „Business as usual“. In der Windenergie würden im gleichen Zeitraum 327 Gigawatt installiert, das wären 97 Gigawatt mehr. Die Studienautoren benennen dabei ein Problem der erneuerbaren Energien, die aufgrund ihrer Erzeugungszeiten einen Abwärtsdruck auf die Strompreise ausüben. „Am stärksten ist dieser Effekt bei Photovoltaik-Anlagen ausgeprägt, da sich ihre Erzeugung auf die zentralen Tageszeiten und den Sommer konzentriert“, heißt es in dem Bericht. Der dadurch abnehmende wirtschaftliche Wert für die Erzeugung sei womöglich ein Hindernis für Investitionen in neue Kapazitäten. Dies könnte jedoch durch Speicher und mehr Flexibilität auf der Nachfrageseite abgemildert werden.

Die Treibhausgas-Emissionen würden durch den stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien um weitere 15 Prozent senken. Das wären zusätzlich 412 Megatonnen, was der Gesamtemission Italiens entspricht. Die EU könnte so ihr Ziel doch noch erreichen, die Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken.

„Mit einer ehrgeizigen und realisierbaren neuen Strategie für erneuerbare Energien kann die EU Investoren und Entwicklern Marktsicherheit bieten, die Wirtschaftstätigkeit stärken, Arbeitsplätze schaffen, die Gesundheit verbessern und die EU in Einklang mit ihren Klimazielen bringen“, sagte IRENA-Generaldirektor Amin.

Insbesondere im Wärmebereich und im Verkehr habe sich inzwischen ein großes Potenzial für die erneuerbaren Energien ergeben. Eine beschleunigte Einführung von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen würde den Stromanteil am gesamten Energieverbrauch auf 27 Prozent erhöhen, gegenüber 24 Prozent im „Business as usual“-Szenario. Der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor würde bis 2030 auf 50 Prozent steigen, verglichen mit 29 Prozent im Jahr 2015. In den Endverbrauchssektoren würden erneuerbare Energien 42 Prozent der Energie in Gebäuden, 36 Prozent in der Industrie und 17 Prozent im Verkehrssektor ausmachen, wobei IRENA sowohl mit Batterie als auch mit Biokraftstoff betriebene Fahrzeuge berücksichtigt.

Der Bericht ist ein Beitrag zu den laufenden Diskussionen über das im November 2016 von der Europäischen Kommission vorgelegte Winterpaket „Saubere Energie für alle Europäer“. Darin enthalten ist auch eine neue Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien. Dabei wird immer noch diskutiert, ob für die EU-Mitgliedsstaaten verbindliche Ziele beim Erneuerbaren-Ausbau festgelegt werden. Mitte Januar stimmte das EU-Parlament dafür, bis 2030 verbindliche Ausbauziele von mindestens 35 Prozent bis 2030 festzulegen. Sie folgten damit einem Vorschlag des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) vom November 2017. Eine endgültige Entscheidung darüber fällt aber erst im Trilog von EU-Kommission, Europäischem Rat und Parlament.