Yello steigt mit Pachtmodell ins Photovoltaik-Geschäft ein

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Der Stromanbieter Yello steigt mit der Yello Solar GmbH in den deutschen Photovoltaik-Markt ein. Mit dem neuen Pachtmodell „Yello Solar“ können Hausbesitzer ab 77 Euro monatlich selbst Strom erzeugen, teilte die EnBW-Tochter am Dienstag mit. Dieser Preis bezieht sich auf eine Anlage mit einer Leistung von 4 bis 4,5 Kilowatt. „Der Kunde wird mit ‚Yello Solar‘ weitgehend unabhängig von Strompreisen und gestaltet die Energiewende aktiv mit – und das ohne Anschaffungskosten“, sagt Thomas Augat, Geschäftsführer von Yello Solar. Ab wann sich eine gepachtete Anlage für den Kunden rechnet, hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel von der Größe der Anlage oder dem Eigenverbrauch an Strom, hieß es auf Nachfrage von pv magazine. Die Vertragslaufzeit sei auf 25 Jahre angelegt, aber nach zehn Jahren könne der Hausbesitzer die Photovoltaik-Anlage auch kaufen. Mit welchen Absatzzahlen Yello für dieses und die kommenden Jahre kalkuliert, wollte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage nicht verraten.

Die Größe der Photovoltaik-Anlage werde auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten, je nachdem, ob der Kunde den Strom vor allem selbst nutzen oder gegen Vergütung ins Stromnetz einspeisen will, heißt es vom Unternehmen. Im Angebot enthalten sind demnach die persönliche Beratung vor Ort, ein Energie-Check sowie die Photovoltaik-Anlage inklusive Installation und Monitoring. Die Installation der Photovoltaik-Anlage übernehme ein Fachbetrieb vor Ort. Auf Wunsch gibt es ab insgesamt 126 Euro im Monat einen Stromspeicher dazu. Bleibt der Sonnenstrom vom Dach aus, bekommen die Kunden den Strom aus dem Netz über den Tarif „Yello Strom Extra“, für den eine 24-monatige Preisgarantie gelte und der zu 100 Prozent aus Ökostrom bestehe.

Der Kunde behält per App einen Überblick über seinen produzierten Sonnenstrom und den Energieverbrauch, wie es weiter heißt. Er könne auch den Stromspeicher und die Photovoltaik-Anlage über ein intelligentes Steuersystem optional einsetzen und erhalte Energiespar-Tipps, Hinweise bei Störungen und aktuelle Wetterprognosen.

Yello Solar wird bei seinem Angebot unter anderem vom Hamburger Photovoltaik-Spezialisten DZ-4 unterstützt, der 2012 bereits ein Pachtmodell für kleine Photovoltaik-Anlagen und Speicher auf den Markt gebracht hat. Er wird nun White-Label-Partner von Yello bei dessen Photovoltaik-Pachtmodell. 2015 war EnBW bei dem Hamburger Unternehmen als Investor eingestiegen und unterstützt nach DZ-4-Aussagen seither den Unternehmensaufbau tatkräftig.

„Die Bandbreite der Reaktionen, die uns aus der Energiewirtschaft entgegen gebracht wurden, reichten von abwartendem Interesse bis hin zu offener Ablehnung“, sagt Florian Berghausen, Geschäftsführer von DZ-4, auf Nachfrage von pv magazine. Im Laufe der Jahre sei das Modell immer bekannter geworden. „Die Miete zeichnet sich durch fortlaufende Serviceleistungen aus, die über eine reine Finanzierungsoption hinaus gehen. Vor diesem Hintergrund hat sich das Photovoltaik-Pachtmodell als attraktive Alternative zu den bekannten Optionen Kauf und Finanzierung etabliert“, sagt Berghausen.

Jeder Anbieter habe dabei seine eigene Logik für die Berechnung der Pachtrate. „Ein Anbietervergleich lohnt sich definitiv, denn neben dem Preis gibt es auch bei den Serviceleistungen erhebliche Unterschiede“, so der DZ-4-Geschäftsführer weiter. Dabei würde sich die Photovoltaik-Anlage rechnen, wenn sie im Saldo aus Miete, Reststrom und EEG-Vergütung in etwa das zahlen, was sie vorher als monatlichen Abschlag an den Energieversorger überwiesen haben. Um mehr aus ihrer Solaranlage rauszuholen, könnten die Kunden  gezielt den Eigenverbrauch erhöhen – über Verbrauchsanpassung oder weitere Bausteine der persönlichen Energiewende wie eine stromgeführte Heizung, Wärmepumpe, Infrarotheizung oder den klassischen Tauchsieder im Warmwassertank. „Spätestens mit dem Voranschreiten der Elektromobilität wird sich die Frage nach dem Nutzen einer eigenen Stromproduktion über kurz oder lang erübrigt haben“, prognostiziert Berghausen.

Vor wenigen Wochen hatte die Verbraucherzentrale NRW unwirtschaftliche Photovoltaik-Pachtmodelle moniert. In einer Stichprobe waren demnach nur drei von 13 Pachtmodellen, die von Stadtwerken in Nordrhein-Westfalen angeboten werden, finanziell attraktiv.