Der Markt kommt in Fahrt, die Preise noch nicht

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Die zu Jahresanfang schon beobachtete Knappheit bei den preiswerten polykristallinen Modulen der Klasse „Mainstream“ hält weiter an. Es sind noch keine Effekte aus der Trump-Entscheidung in den USA erkennbar, also ansteigende Modulmengen für den europäischen Markt aufgrund einer gesunkenen Nachfrage auf der anderen Seite des großen Teiches. Im Gegenteil – offenbar scheinen viele Errichter in den USA bereits mit steigenden Modulpreisen kalkuliert zu haben. Das Einsparungspotenzial bei anderen Komponenten und Dienstleistungen scheint die um bis zu 30 Prozent höheren Modulpreise beinahe zu kompensieren, die Nachfrage im bisherigen Jahresverlauf und auch für zukünftige Lieferungen scheint ungebrochen hoch zu sein.

Für den hiesigen Markt bedeutet das: keine Veränderungen bei den Preisen, zumindest bei Modulen der mittleren Leistungsklassen. Bei der Anfang Februar einsetzenden steigenden Nachfrage könnten die Preise punktuell sogar wieder ansteigen, wenn nicht doch noch zusätzliche Kontingente für Europa frei werden. Die deutschen und europäischen Hersteller behaupten zwar, sie seien uneingeschränkt lieferfähig, allerdings ist dies bei den bisher eher überschaubaren Produktionskapazitäten eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn dann auch noch die in der Regel in Asien eingekauften Zellen und Materialien knapper werden, wendet sich schnell das Blatt.

Interessanterweise gibt der Preis für leistungsstärkere Module im Gegensatz zu allen anderen Fraktionen nochmals um wenige Prozentpunkte nach. Dies ist aber im Wesentlichen der Tatsache geschuldet, dass immer mehr Hersteller mit ihren polykristallinen 60-Zellen-Modulen in den Bereich von 280 Wattpeak vorstoßen, ohne für diese Produkte signifikant höhere Preise aufzurufen. Dadurch wird der Durchschnittspreis für „High Efficiency“-Module leicht nach unten gedrückt. Ich werde das Phänomen die kommenden Monate weiter beobachten, um rechtzeitig die Klasseneinteilung korrigieren zu können.

Ebenfalls auffällig ist das vermehrte Erscheinen von Halbzellenmodulen auf dem Markt. Angeblich lassen sich durch die Verdopplung der Zellenzahl und weiterer Optimierungen, wie Erhöhung der Zahl der Busbars bei gleichzeitiger Verkleinerung der Leiterquerschnitte, bis zu drei Prozent mehr Leistung aus dem Modul kitzeln. Dies ist vermutlich im Wesentlichen der geringeren Stromstärke auf Zellebene und den damit einhergehenden kleineren Übergangsverlusten zu verdanken. Auf der Negativseite schlagen eine Erhöhung der inaktiven Fläche zwischen den Zellen, sowie die Gefahr von Hotspots an schlechten Lötverbindungen, die sich bei diesem Format ja auch vervielfachen, zu Buche. Hoffen wir, dass sich die Produktionstechnik ebenfalls in einem Maße weiterentwickelt hat, so dass sich Reklamationen und Rückrufaktionen bei 120- und 144-Zellern ausbleiben oder sich in engen Grenzen halten. Preislich sind diese Produkte aktuell jedenfalls noch im oberen Segment einzuordnen, was sie für mittlere und große Projekte noch unattraktiv macht.

In den letzten Wochen ist die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen nicht nur in Deutschland stark gestiegen, auch in den Nachbarländern sind die Betreiber und Errichter aufgewacht. War im Rahmen der frühjährlichen Wartungsarbeiten vor allem noch Ersatz für defekte Altmodule gefragt, steigt mittlerweile auch der Bedarf an Standardkomponenten für Neuanlagen stark an. Insgesamt sehen wir in Europa einem spannenden und erfolgreichen Solarjahr entgegen. Österreich, Benelux, Frankreich und Spanien sind nur einige Beispiele, wo ambitionierte Photovoltaik-Ausbauziele für 2018 verkündet und bereits entsprechende Fördermaßnahmen eingeleitet wurden oder noch werden. Auch in Dänemark und Schweden geht bald die Post ab, wenn man den Ankündigungen von Politik und Brancheninsidern dort Glauben schenkt.

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Produzentenseite gut vorbereitet in das neue Jahr gegangen ist, entsprechende beziehungsweise bereits geplante Kapazitätserweiterungen zügig umsetzen kann und die Versorgung mit Rohmaterialien nicht hinter dem Bedarf herhinkt. Auch die Investorenseite steht in den Startlöchern und hat ihren Fokus neben China auch wieder auf Deutschland und Europa gerichtet, weiß die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG zu berichten. So gerüstet dürften wir einem weltweiten Marktwachstum von 25 bis 30 Prozent in diesem Jahr entgegensehen. Es gibt bei den aktuellen Modulpreisen schließlich noch so viele Projekte, die wirtschaftlich umgesetzt werden können. Es gibt wirklich keinen Grund mehr abzuwarten – er sei denn …

Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Februar 2018 inklusive der Veränderungen zum Vormonat:

ModulklassePreis (€/Wp)Veränderung
ggü. Vormonat
Beschreibung
High Efficiency0,47– 2,1 %Kristalline Module ab 280 Wp, mit Cello-, PERC-, HIT-, N-Type- oder Rückseitenkontakt-Zellen oder Kombinationen daraus
All Black0,47  0,0 %Modultypen mit schwarzer Rückseitenfolie, schwarzem Rahmen und einer Nennleistung  zwischen 200 Wp und 275 Wp
Mainstream0,37  0,0 %Module mit üblicherweise 60-Zellen, Standard-Alurahmen, weißer Rückseitenfolie und 250 Wp bis 275 Wp – sie repräsentieren den Großteil der Module im Markt
Low Cost0,26  0,0 %Minderleistungsmodule, B-Ware, Insolvenzware, Gebrauchtmodule (kristallin), Produkte mit eingeschränkter oder ohne Garantie

 

(Die dargestellten Preise geben die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt wieder.)

 

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponenten www.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. Dort wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten.


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