Deutschlands Kohleausstieg ist bis 2030 möglich

Einige Industrieländer wie Kanada und Großbritannien wollen auf dem Weltklimagipfel in Bonn den Startschuss für einen weltweiten Kohleausstieg geben. Doch Deutschland gehört noch zu den Bremsern, obwohl hierzulande jetzt 50 große und mittlere Unternehmen mit insgesamt 450.000 Mitarbeitern einen Ausstieg aus der Kohle bis 2030 fordern Zu ihnen gehören Firmen wie Siemens, ALDI Süd, die Commerzbank, die DZ-Bank, die Telekom, die Deutsche Bahn, aber auch die Umweltverbände und die Verbände der Erneuerbaren Energien ohnehin.

Deutschland gewinnt 2017 bereits über 37 Prozent seines Stroms erneuerbar. Dieses Tempo hin zu den Erneuerbaren kann beschleunigt werden. 2016 hat Deutschland so viel Strom exportiert wie noch nie. Dabei zeigt sich ganz deutlich: Durch die Energiewende wird Deutschland nicht de-industrialisiert wie oft behauptet, sondern re-industrialisiert. Durch die erneuerbaren Energien sind bereits über 340.000 neue zukunftsträchtige Jobs entstanden. (Solarpower Europe erwartet 94.000 neue Photovoltaik-Jobs in der EU bis 2021)

Eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz ist eine große Chance für weitere neue Arbeitsplätze, für Innovationen und für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Dazu passt der Kohleausstieg in Deutschland nicht nur, er ist geradezu Voraussetzung. Doch CDU/CSU und der FDP fehlt einfach der Mut dazu, der in anderen Ländern vorhanden ist. Warum schaffen England und Kanada wozu bei deutschen Parteien dieser Mut fehlt?

Noch 2012 haben die Engländer 40 Prozent ihres Stroms aus Kohlekraft produziert. Und dennoch hat die englische Regierung vor kurzem das Jahr 2025 als Schlusspunkt für die Kohle beschlossen. Voraussetzung dafür war die Einführung eines Preises von 18 englischen Pfund für den Ausstoß von einer Tonne CO2.

Kanada beschloss den Kohleausstieg für das Jahr 2029 und hat ebenfalls einen festen CO2-Preis für eine Tonne bestimmt.

Auf dem Klimagipfel in Bonn versuchen England und Kanada eine Allianz von insgesamt 19 Industriestaaten zu organisieren, die bis 2030 raus aus der Kohle wollen. Zu dieser Klimaallianz werden auch Bundesstaaten wie Kalifornien und Städte wie New York, New Delhi, Peking gehören. Dieser Allianz anschließen und bis 2030 aus der Kohle aussteigen wollen unter andern: Österreich, Neuseeland, Frankreich, Dänemark, Finnland, die Niederlande, Schweden und Portugal.

Schon heute kommen Länder wie die Schweiz, Norwegen und Island komplett ohne die Kohlekraft aus.

Klar ist: Ohne Kohleausstieg wird das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens nicht erreicht.

Wie wäre es, Angela Merkel, wenn Sie am Ende dieser Bonner Konferenz ankündigen würden, dass sich Deutschland der neuen Allianz anschließt. Ein zweites und beherztes „Wir schaffen das“ wäre jetzt ein gutes und starkes Signal dafür, dass auch Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen will. Die Welt wartet auf ein solches Signal.

Wenn selbst Eon den Kohleausstieg propagiert, worauf wartet dann noch die Kanzlerin.

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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