BEE: Warum Deutschland mehr Erneuerbare braucht

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kämpft für die Energiewende in Deutschland. Doch im Stromsektor stockt sie derzeit. In den Sektoren Wärme und Verkehr kommt der Umstieg auf die erneuerbaren Energien nur schleppend voran. Hinzu kommen die Rufe aus der Politik nach einem Ende des EEG – etwa von Union und FDP. Warum Deutschland den konsequenten Umstieg auf die erneuerbaren Energien jedoch braucht, hat der BEE in einem 68-seitigen Papier zusammengetragen und pv magazine vorab exklusiv zur Verfügung gestellt. Der Verband hat sich darin mit den verschiedenen Argumenten auseinandergesetzt, die gern von den Gegnern der Energiewende hervorgezogen werden, um einen weiteren Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Co. zu verlangsamen.

In einem Faktencheck zeigt der BEE auf, dass sich beispielsweise die Klimaschutz- und CO2-Einsparziele der Bundesregierung nur mit einem stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien erreichen lassen. Zugleich mache sich Deutschland dadurch unabhängiger von Energieimporten und schaffe zukunftsfähige Arbeitsplätze. Nach Ansicht von BEE-Präsident Fritz Brickwedde sprechen daher auch viele Argumente für einen engagierten Ausbau der erneuerbaren Energien: „Neben dem Klimaschutz würde das auch unseren Wirtschaftsstandort stärken und Arbeitsplätze schützen. GreenTec und Elektromobilität dürfen wir nicht allein China, Indien oder den USA überlassen.“ Mit der derzeitigen Politik verspiele Deutschland seine Spitzenreiterrolle und Technologieführerschaft bei erneuerbaren Energien, die es dank des EEGs in der Vergangenheit international eingenommen habe.

Brickwedde betont, dass Photovoltaik und Windenergie schon heute wirtschaftlicher als neue Kohlekraftwerke sind. Dabei würden die Folgeschäden bei den Berechnungen meist unter den Tisch fallen. Diese fehlenden fairen Wettbewerbsbedingungen führten dazu, dass die Förderung oder gesetzlich festgeschriebenen Refinanzierungmöglichkeiten für erneuerbare Energien noch benötigt würden. „Vor dem Hintergrund der gesunkenen Kosten widerspricht der rigide Ausbaudeckel der Bundesregierung gleichermaßen der ökologischen Notwendigkeit wie der ökonomischen Vernunft“, kritisiert der BEE dabei die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Änderungen beim EEG.

Der Verband setzt sich zudem in dem Papier mit technologiespezifischen Argumenten auseinander. Im Kapitel zur Photovoltaik werden zum einen die stetig gesunkenen Kosten für neue Anlagen betont. Zum anderen verweist der BEE auf die wachsende Zahl von Speichersystemen, die Solarstrom auch dann zur Verfügung stellten, wenn die Sonne nicht scheint. „Im Kraftwerksmaßstab können neue Gas- oder Kohleanlagen bei Solarstromkosten ab fünf Cent pro Kilowattstunde ohnehin nicht mehr mithalten. Ökologisch und ökonomisch spricht alles für einen starken Ausbau der Photovoltaik.“ Auch bei privaten Kleinanlagen lägen die Photovoltaik-Stromgestehungskosten mittlerweile nur noch bei zwölf Cent pro Kilowattstunde. Jedes Gigawatt neu installierte Photovoltaik-Leistung lasse die EEG-Umlage um lediglich 0,016 Cent pro Kilowattstunde in diesem Jahr steigen.

Das erste Argument, mit dem sich der BEE auseinandersetzt, ist, ob Deutschland über genügend Sonne verfüge, so dass sich Solarstrom hierzulande lohne. Die klare Antwort: Ja. Allein auf den nutzbaren Dachflächen in Deutschland könnten nach Expertenmeinung Photovoltaik-Anlagen mit 120 bis 130 Gigawatt Leistung installiert werden. Von diesem Potenzial sei gerade einmal ein Viertel ausgeschöpft. Darüber hinaus biete Deutschland noch viel Platz für Freiflächenanlagen. Daher ist nach Expertensicht ein Photovoltaik-Zubau in Deutschland zwischen 5 und 15 Gigawatt jährlich durchaus sinnvoll. Die konkrete Höhe hänge davon ab, wieviel Solarstrom für den Verkehrs- und Wärmesektor gebraucht würden. Der aktuelle Zubau – gerade in den vergangenen drei Jahren – erreichte nicht einmal das politisch gewollte Ziel von 2,5 Gigawatt neu installierter Leistung jährlich. Der BEE fordert daher von der Politik, „den Ausbaudeckel zu entfernen, Investitionsbarrieren wie die Pflicht zur EEG-Umlage auf selbstverbrauchten Solarstrom zu beseitigen und faire Marktbedingungen zu schaffen, um der Energiewende mehr Dynamik zu verleihen“.

Mit Verweis auf die großen Fortschritte bei den Speichertechnologien sei Solarstrom bereits jetzt sicher, planbar und jederzeit verfügbar. Die Tendenz im Photovoltaik-Heimspeichermarkt sei stark steigend. Bereits mehr als 60.000 Speichersysteme seien in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen von privaten Hausbesitzern bereits installiert worden. Dazu kommt, dass die Kosten für schlüsselfertig installierte Speichersysteme in den vergangenen drei Jahren um 40 bis 50 Prozent gesunken seien.

Mit Kohlekraftwerken lasse sich das Energiesystem der Zukunft nicht gestalten. Brickwedde fordert daher, die Energiewende müsse endlich deutlich entschiedener angegangen und zugleich gerechter gestaltet werden. Dabei sind es vor allem Privatpersonen und Landwirte, denen mehr als 50 Prozent der in Deutschland installierten Erneuerbaren-Anlagen gehören, die die Energiewende in Deutschland aktiv vorantreiben. Das können sie nach Ansicht des BEE aber nur, wenn auch die politischen Rahmenbedingungen dafür stimmen.