pv magazine award für das 1-Kilowatt-Haus von Ownworld

In Rosenfeld, südlich von Stuttgart, baut sich Klemens Jakob ein gutes Gewissen. Der 57-Jährige möchte nur noch so viele Ressourcen nutzen, wie es die Erde verkraften könnte, wenn jeder Mensch gleich viel verbraucht. Wie viel das exakt ist, lässt sich schwer sagen. Deshalb beruft er sich auf das Konzept der Schweizer 2.000-Watt-Gesellschaft. Demnach sollte eine Person dauerhaft nicht mehr als 2.000 Watt verbrauchen und nicht mehr als eine Tonne CO2 im Jahr erzeugen. Jakobs persönliche Lösung ist ein 18 Quadratmeter kleines, autarkes Häuschen, das schon jetzt sehr gemütlich aussieht und voll innovativer Technik steckt. Mit seiner edlen Holzoptik, den abgerundeten Ecken und runden Dachfenstern hat es zweifellos Charme.


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pv magazine award

Seit der letzten Runde im Juni bewarben sich zehn Unternehmen mit ihren Ideen neu für den pv magazine award. Insgesamt drei Bewerbungen haben die Juroren Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, Hans Urban, Berater im Auftrag der Schletter Gruppe, und Winfried Wahl, Senior Manager RRC Power Solutions, in dieser Runde besonders überzeugt. Ownworld ist der erste Preisträger der aktuellen Runde, den wir Ihnen mit dem Artikel vorstellen.

Zur Laudatio: Ownworld – autark im Selbstbau

Ein Haus zum Selberbauen und so durchdacht, dass der Bewohner energieautark leben kann, dazu noch günstig und „open source“, also mit veröffentlichten Plänen zum Nachmachen – das ist konsequent gedacht und hat die Jury überzeugt. Das Gebäude kann modular erweitert werden, sodass auch größere Häuser denkbar sind. Daher gewinnt Ownworld den pv magazine award in der Kategorie „top innovation“.

Mehr Informationen zu den Kriterien, zu den bisherigen Preisträgern, zu den Juroren und alles Nötige, falls Sie sich bewerben wollen, finden Sie hier.


Die Juroren des pv magazine award beeindruckte aber vor allem der konsequente Ansatz. Gebaut aus Holz, Kalk und Lehm, gedämmt mit Holzfasern sowie dreifach verglasten Fenstern betrage der kalkulierte Energiebedarf pro Tag nur eine Kilowattstunde, wohlgemerkt bei minus 16 Grad, so Jakob. Dieser geringe Bedarf ergebe sich durch ein Gleichstromnetz, an das nur sehr sparsame Verbraucher wie ein Zwölf-Volt-Kühlschrank, die Lüftung mit Wärmerückgewinnung, zwei Wasserpumpen, LED-Beleuchtung und Steckdosen mit unterschiedlichen Spannungen für die Elektronik angeschlossen werden. Andere Geräte, wie der Bio-Ethanol-Herd und die Fußpedal-Waschmaschine, haben gar keinen Stecker. Die elektrischen Geräte werden über eine 2,9-Kilowatt-Photovoltaikanlage versorgt, die auch einen Batteriespeicher mit 480 Amperestunden und einen Warmwasserspeicher lädt.

Als Heizung werden in Boden und Zwischendecke 500 Kilogramm Phase-Change-Material (PCM) eingebaut, das bei hohen Temperaturen im Sommer schmilzt und Wärme aufnimmt und diese beim Gefrieren unter 19 Grad wieder abgibt. Da es mit diesem Material noch wenig Praxiserfahrungen gibt, soll als Back-up noch ein äußerlich gedämmter Badeofen dienen, in dem das warme Wasser auch mit einem Holzfeuer erzeugt werden könnte. Mithilfe einer Pflanzenkläranlage soll auch die Wasserversorgung als Kreislauf autark funktionieren. Bevor aus dem geklärten Grauwasser wieder Trinkwasser wird, fließt es noch durch eine Umkehrosmose-Anlage. Selbst Lebensmittel kann Jakob künftig in einem kleinen Treibhaus mit Fischteich selbst herstellen und so seiner Vision von einem „weltgerechten Lebensstil“ nahekommen.

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Im Inneren des Häuschens führt eine eingebaute Regaltreppe hinauf auf den Schlafboden. Im Hintergrund ist die Duschabtrennung zu sehen. Foto: Klemens Jakob

Open Source: Baupläne werden veröffentlicht

Damit seine Idee möglichst viele Nachahmer findet, bietet Jakob das Haus zum einen als Bausatz zum Verkauf an und zum anderen kostenlos als Open-Source-Bauanleitung. Noch in diesem Winter will er damit starten. Er schätzt die reine Aufbauzeit für zwei Personen auf etwa eine Woche. Die Teile für das Häuschen soll es ab 25.000 Euro geben, doch die Technikkosten, auch für die Photovoltaikanlage und die Batterie, kommen noch dazu. Je nach Ausstattung können bis zu 100.000 Euro zusammenkommen. Außerdem benötigte Jakob selbst für das kleine Häuschen eine Baugenehmigung.

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Der Bausatz enthält 97 Holzteile, die mit Schwalbenschwanzverbindungen auch von Laien zusammengefügt werden können. Foto: Klemens Jakob

„Ich hoffe, dass die hochwertige Ausführung mainstreamtauglich ist“, sagt Jakob. Als Käufer wünscht er sich Menschen aus der alternativen Szene, vielleicht auch ältere Leute, denen ihr Haus zu groß wird und die bewusster leben wollen. Nur eins liefe seinen Absichten völlig entgegen, wenn sich sein Hausbauset als zusätzliches Gartenhäuschen etablieren würde und sich der Eigentümer damit nicht verkleinert, sondern im Gegenteil seinen ökologischen Fußabdruck noch vergrößert. Ob 18 Quadratmeter und ein Gewächshaus zum Leben ausreichen, wird Klemens Jakob nun selbst erleben. Er zieht noch im September ein. Über den Winter wird sich dann beweisen, ob die Technik wie geplant funktioniert und er seine Energieziele erreichen kann. „Für eine Person ist das genug“, ist er sich sicher. „Und wenn noch ein Partner einzieht, muss man sich entweder gut verstehen oder modular anbauen.“ Tatsächlich ist die modulare Erweiterung und das Verbinden von Hausteilen zu größeren Einheiten Teil der Strategie, sodass schließlich auch zwei oder mehr Personen in einem Ownhome leben können. (Cornelia Lichner)

Ownworld hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Bis 23. Oktober können Sie das Projekt dort unterstützen. Mehr Informtationen