Nicht jeder bekommt den Speicherkredit

Das im Mai gestartete Kreditprogramm für Photovoltaik-Speicher kommt noch nicht so richtig in Schwung. Die bisher eher verhaltene Nachfrage erstaunt angesichts der Tatsache, dass das Förderprogramm schon vor einem Jahr vom Bundesumweltministerium angekündigt wurde und der Start immer wieder mit Verweis auf Finanzierungsprobleme verschoben worden war. Immerhin trommeln zahlreiche Hersteller und Händler seit über zwei Jahren für ihre Batteriesysteme für Photovoltaik-Anlagen.

Ein Grund für die Zurückhaltung sind die komplizierten technischen Vorgaben, auf die sich ein Speicherkäufer einlassen muss, um in den Genuss des Tilgungszuschusses beim KfW-Programm Nr. 275 zu kommen. Problematisch ist aber auch, dass es sich um keinen direkten Zuschuss handelt, sondern einen Kredit mit Teilschuldenerlass. Der Kunde muss also erst einen Kredit aufnehmen, um an den Zuschuss heranzukommen. 

Hinzu kommt: Keine Bank bewirbt das Programm, einige wollen es gar nicht vermitteln und viele Banken bieten das Kreditprogramm nur ihren Stammkunden an. Die Kreditinstitute sind nämlich nicht verpflichtet, KfW-Darlehen durchzureichen und direkt bei der KfW kann man die Kredite nicht beantragen.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter verschiedenen Banken ergab kein einheitliches Bild. So bietet die Umweltbank das KfW-Programm generell nicht an und verweist stattdessen auf ihre eigenen Finanzierungsangebote für Photovoltaikanlagen – ohne Tilgungserlass. Die GLS-Bank dagegen finanziert ab einer Kreditsumme von 10.000 Euro, bewertet die Bonität aufgrund der Einkommensverhältnisse des Darlehensnehmers und verzichtet auf eine Besicherung. 

Bei der Ethikbank war man bisher noch nicht mit Anfragen zum KfW-Speicherprogramm konfrontiert und hat deshalb keine generelle Vorgabe. Die Vorstandssprecherin Sylke Schröder verspricht aber pragmatische Entscheidungen bei konkreten Kundenanfragen.

Bei regional verankerten Banken wie der Photovoltaik-affinen Volksbank Main-Tauber in Tauberbischofsheim oder der Sparkasse Nürnberg können Hausbankkunden den Speicherkredit nutzen. Bei den überregionalen Banken zeigt sich beispielsweise die SWK-Bank aus Bingen am Rhein kundenfreundlich und verspricht bei Darlehensanträgen zwischen 5.000 und 100.000 Euro eine unkomplizierte Online-Abwicklung für Privatkunden im Angestelltenverhältnis bei Anlagen auf dem eigenen Dach.

Während die Deutsche Kreditbank das Programm für Privatkunden generell nicht anbietet, versagt die Sparda-Bank (Baden-Württemberg) eine Kreditvergabe genau deshalb, weil man Photovoltaik-Betreiber als Gewerbetreibende ansieht und deshalb satzungsgemäß keine solchen Geschäfte machen dürfe. Dagegen antwortet Christiane Lorch von der Presseabteilung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main auf die Frage „Bieten Sie die Vermittlung des neuen KfW-Kreditprogramms für Solarspeicher in Photovoltaik-Anlagen für Ihre Kunden an?“ schlicht mit „Ja“.

Bei der KfW zeigt man sich positiv überrascht, dass in den wenigen Wochen seit Start des Programms schon über hundert Kreditanträge gestellt wurden. Pressesprecher Wolfram Schweickhardt empfiehlt Interessenten, sich über das Programm auf der Internetseite und in der Servicehotline der KfW zu informieren und den Kreditantrag soweit als möglich zu konkretisieren, bevor man zur Hausbank geht: „Das Speicherprogramm ist nicht als Breitenprogramm gedacht, sondern für die Pioniere, die nicht aus finanziellen Motiven investieren“.

Für die Entscheidung, ob eine Bank das Programm anbietet, können Kriterien entscheiden wie die Höhe der Kreditsumme und die Bindung des Kunden an die Bank. Bei zu kleinen Kreditbeträgen ist der Aufwand für die Bank viel höher als der Gewinn, den die KfW in Form einer Zinsmarge den Hausbanken zugesteht. Die besten Chancen haben Kunden mit einem guten Draht zur eigenen Hausbank und manchmal braucht es wohl auch etwas Ausdauer, dem Bankberater gegenüber. Schlechte Karten haben Kunden, die häufig ihre Bank wechseln und keine langjährige Kundenbeziehung haben. (Thomas Seltmann)

Der Autor ist unabhängiger Experte und Autor des Stiftung-Warentest-Ratgebers„Photovoltaik – Solarstrom vom Dach“.