Energy-Charts: Gaspreis steigt im März um 48 Prozent – Strompreis sinkt um 0,7 Prozent

Entwicklung Strom- und Gaspreise im ersten Quartal 2026, Quelle: Energy-Charts vom Fraunhofer ISE

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Energy-Charts vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat die Entwicklung der Strom- und Gaspreise für das erste Quartal 2026 ausgewertet. Dies ist gerade vor dem geopolitischen Hintergrund interessant, da seit dem Ausbruch des Nahostkonflikts die Lieferwege für Gas massiv beeinträchtigt sind, was sich auch in den Preisen widerspiegelt. Während die Day-ahead-Strom- und Gaspreise zwischen Januar und Februar leicht zurückgingen, stiegen sie März wieder.

Nach Kriegsbeginn zeigen die Daten von Energy-Charts einen Anstieg der Gaspreise im März um 48 Prozent auf 52,71 Euro pro Megawattstunde. Der Day-ahead-Strompreis sank hingegen leicht um 0,7 Prozent auf 95,58 Euro pro Megawattstunde. Eigentlich sei zu erwarten gewesen, dass angesichts von Merit-Order am deutschen Strommarkt auch der Strompreis im März ansteigt, sagt Bruno Burger, der Energy-Charts aufgebaut hat, in seinem monatlichen „Energy-Talk“ am Mittwoch.

Generell seien die Gaskraftwerke preissetzend in den Monaten gewesen. Dabei erhöhten sich die Grenzkosten für die Kraftwerke von 101,13 auf 132,87 Euro pro Megawattstunde von Februar auf März, was auf den gestiegenen Gaspreis zurückzuführen ist, da die CO2-Zertifikatskosten leicht rückläufig waren. Während im Januar und Februar die Grenzkosten für die Gaskraftwerke auf etwa in der Höhe des Day-ahead-Strompreises lagen, waren diese im März um 28 Prozent höher als der Strompreis von 95,58 Euro pro Megawattstunde.

Der Grund dafür sei, dass nur an wenigen Stunden der Strompreis noch über den Grenzkosten für Gaskraftwerke lag. Waren es im Februar noch 270 Stunden oder 40 Prozent der Zeit, in denen der Strompreis höher als die Grenzkosten war, sanken diese Werte auf 181 Stunden oder 24 Prozent der Zeit im März ab, wie Burger ausführt. Dazu kamen wieder deutlich mehr Stunden, in denen sich der Strompreis nahe 0 oder sogar darunter bewegte.

Nettostromerzeugung im März 2026, aufgeteilt nach Technologien, Quelle: Energy-Charts vom Fraunhofer ISE
Im März stieg der Anteil der Erneuerbaren gegenüber dem Februar 2026 deutlich an. Die höhere Einspeisung der Photovoltaik-Anlagen sorgte zudem für mehr Stunden mit niedrigen Börsenstrompreisen.

Grafik: Fraunhofer ISE/Energy-Charts

Dies wiederum ist auf die deutlich gestiegene Erzeugung der erneuerbaren Energien und vor allem der Photovoltaik zurückzuführen. So lag der Anteil der Erneuerbaren an der Nettostromerzeugung im März bei fast 60 Prozent – nach 53 Prozent im Februar. 23 Prozent davon erzeugten die Windparks an Land und 18,8 Prozent die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland. Zugleich fiel der Anteil der Gaskraftwerke gegenüber Februar von 20 auf 12 Prozent. „Dies hat den Strompreis auf jeden Fall günstiger gemacht“, so Burger. „Dies zeigt, dass bei einem hohen Anteil von Erneuerbaren der Strompreis nahezu vom Gaspreis entkoppelt ist.“ Dabei hilfreich für die Stabilität des Strompreises im März sei gewesen, dass nahezu kein Strom exportiert wurde. Auch blieb der Anteil von Braun- und Steinkohlekraftwerken konstant.

Leonhard Gandhi, der die Leitung der Energy-Charts unlängst von Bruno Burger, übernommen hat, gab in einem Interview mit pv magazine zusätzlich noch einen kleinen Ausblick auf die zu erwartende Entwicklung in den kommenden Monaten.

pv magazine: Wie hoch war die Nettostromerzeugung der Photovoltaik-Anlagen im März und welchen Anteil hat die Photovoltaik damit insgesamt erreicht?

Leonhard Gandhi: Der Anteil der Netzeinspeisung waren 18,8 Prozent an der Erzeugung. Inklusive Eigenverbrauch betrug die Photovoltaik-Erzeugung 21,1 Prozent an der gesamten Nettostromerzeugung.

Erwarten Sie auch für die kommenden Monate eine ähnliche Entwicklung oder werden sich die Gaspreissteigerungen dann stärker auswirken?

In den Sommermonaten ist aufgrund der hohen Einspeisung aus Photovoltaik in Deutschland und vielen Nachbarländern nur mit geringeren Anstiegen zu rechnen. Im kommenden Winter könnte es bei anhaltend hohen Erdgaspreisen auch zu deutlichen Auswirkungen auf den Strompreis kommen.

Sehen Sie andere europäische Länder, wo sich die Gaspreissteigerungen deutlich stärker auf den Börsenstrompreis ausgewirkt haben?

Ein gutes Beispiel ist hierfür Italien. Dort gab es von Februar auf März eine deutliche Zunahme in der Gebotszone IT-Nord um 24,4 Prozent. Der Anteil Photovoltaik an der Erzeugung betrug zwar ebenfalls 16,6 Prozent, allerdings hat Italien auch sehr viel Strom importiert. Der Anteil Photovoltaik an der Last betrug im März nur 12,3 Prozent.

Kann man sagen, dass wir „Glück“ hatten, dass die Lage im Iran jetzt eskaliert ist und Deutschland dank des starken Photovoltaik-Zubaus der vergangenen Jahre dies in den Frühlings- und Sommermonaten bis in den Oktober hinein besser abfedern kann als andere Länder?

Der starke Zubau insbesondere der Photovoltaik seit 2022 trägt entscheidend dazu bei, dass die Auswirkungen der Erdgaspreise auf den Börsenstrompreis dieses Mal deutlich geringer ausfallen. Noch ist der Ausbau der erneuerbaren Energien aber insgesamt nicht ausreichend, um deutlich unabhängiger von geopolitischen Schocks sein zu können.

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