Eine Allianz aus Bürgerenergie-Organisationen, Energiegenossenschaften und Unternehmen fordert eine pragmatische Umsetzung des neuen gesetzlichen Rahmens für Energy Sharing. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die Unterzeichner dafür aus, bestehende energiewirtschaftliche Prozesse über sogenannte virtuelle Bilanzierungsgebiete zu nutzen, statt neue Marktprozesse einzuführen. Hintergrund ist die bevorstehende Einführung von Energy Sharing nach Paragraf 42c Energiewirtschaftsgesetz zum 1. Juni 2026.
Die Allianz kritisiert insbesondere den Vorschlag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der als Grundlage für eine Festlegung der Bundesnetzagentur dienen könnte. Die Unterzeichner monieren, das BDEW-Modell Energy Sharing beschränke Energy-Sharing-Gemeinschaften auf einzelne Erzeugungsanlagen und erschwere die Einbindung bestehender Konzepte wie Mieterstrom. Zudem würden flexible Verbraucher wie Elektroautos, Wärmepumpen oder Batteriespeicher faktisch ausgeschlossen. Tatsächlich beruft sich der BDEW bereits in einer Anwendungshilfe für seine Mitgliedsunternehmen vom März dieses Jahres darauf, dass der Wortlaut von Paragraf 42c nahelegt, „dass es sich jeweils um die gemeinsame Nutzung einer und nicht mehrerer Anlagen handelt“.
In ihrem gemeinsamen Papier argumentieren die Organisationen, dass virtuelle Bilanzierungsgebiete auf bereits etablierten Marktprozessen basieren und kurzfristig umgesetzt werden könnten. Damit ließen sich lokale Stromgemeinschaften und Energiegemeinschaften einfacher organisieren, ohne neue technische Systeme oder komplexe Datenaustauschprozesse aufzubauen.
„Mit §42c EnWG steht Energy Sharing endlich im Gesetz“, sagte Anna Leidreiter, Vorständin der Bürgerenergie Nord eG. Die Bürgerenergie-Community sei bereit, daraus konkrete Lokalstromangebote zu entwickeln. Statt neue Prozesse aufzubauen, sollten standardisierte Abläufe der Energiewirtschaft genutzt werden. Bestehende Mieterstromanlagen könnten überschüssigen Solarstrom regional teilen, wenn virtuelle Bilanzierungsgebiete zugelassen würden. Auch Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy, sieht Handlungsbedarf. Die wirtschaftlichen Anreize für Energy Sharing seien bereits gering, daher brauche es „eine pragmatische Regulierung statt neuer Hürden“. Neue komplizierte Systeme würden den Markthochlauf unnötig verzögern.
Zu den Unterzeichnern des Positionspapiers gehören unter anderem das Bündnis Bürgerenergie, der Bundesverband Neue Energiewirtschaft, Germanwatch sowie mehrere Energiegenossenschaften und Unternehmen wie Green Planet Energy, Bürgerwerke eG und Prokon eG.
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