In den deutschen Haushalten schlummert großes Flexibilitätspotenzial: Die installierten Photovoltaik-Heimspeicher, Wallboxen und Wärmepumpen könnten einen großen Teil der künftig benötigten Flexibilität im Stromsystem liefern, ist die Smart-Meter-Initiative (SMI) überzeugt. In dieser Gruppe haben sich Stromanbieter Ostrom, Rabot Energy, Tibber und Octopus Energy zusammengeschlossen.
Um das Potenzial zu verdeutlichen, bezieht sich die SMI auf Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums, mittelfristig Flexibilitäten mit einem Volumen von 29 Gigawatt zu sichern. Eine überschlägige Rechnung zeige, dass Haushalte mit der intelligenten Vernetzung der vorhandenen Speicher, Wallboxen und Wärmepumpen etwa 35 bis 50 Prozent dieses Bedarfs decken könnten. Dabei geht die Initiative davon aus, dass alle diese Haushalte mit Smart Meter und dynamischem Stromtarif ausgestattet sind.
So könnten Wärmepumpen auch an kalten Winterabenden ein oder zwei Stunden pausieren, ohne dass das Haus auskühlt. Auf Signale der Netzbetreiber hin könnten damit auf einen Schlag fünf bis sieben Gigawatt Last aus dem System genommen werden, so die Initiative.
Heimspeicher im systemdienlichen Betrieb
Elektroautos könnten weitere drei bis fünf Gigawatt beisteuern, auch ohne bidirektionales Laden. Die Gesamtleistung der Batterien in Elektroautos liegt gab derzeit bei rund 25 Gigawatt. Die Initiative weist jedoch darauf hin, dass zu Spitzenzeiten nur etwa 15 bis 20 Prozent der Fahrzeuge gleichzeitig laden.
Weitere 10 bis 15 Gigawatt kämen hinzu, wenn die in Deutschland bereits vorhandenen Elektroautos und Hybride zusätzlich zum netzdienlichen Verschieben von Lasten auch noch ins Netz einspeisen könnten (Vehicle-to-Grid). Das ist jedoch nur eine theoretische Annahme, da bislang nur ein verschwindend kleiner Teil der Elektrofahrzeuge und der Wallboxen bidirektionales Laden unterstützen. Zudem macht die SMI darauf aufmerksam, dass viele Verteilnetze noch nicht darauf ausgelegt sind, dass sämtliche Elektroautos im Netzgebiet mit voller Leistung einspeisen.
Würden Photovoltaik-Heimspeicher durch dynamische Stromtarife und intelligente Energiemanagementsysteme perfekt gesteuert, könnten sie realistisch drei bis vier Gigawatt zur Spitzenlastdeckung beitragen, ist die SMI überzeugt. In einer typischen winterlichen Dunkelflaute haben die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern tagsüber kaum Strom produziert, die Speicher sind abends also oft leer. Damit Heimspeicher in diesen Phasen helfen können, müssen sie in den Tagen zuvor – wenn viel Windstrom im Netz ist – gezielt aus dem Netz geladen werden.
SMI fordert mehr Pragmatismus beim Smart-Meter-Rollout
Als entscheidende Hürde bei der Nutzung dieses Potenzials sieht die Initiative die geringe Verbreitung von Smart Metern in Deutschland. Ende letzten Jahres waren 5,5 Prozent aller Messstellen mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet. Bei den Pflichteinbaufällen – vor allem steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a EnWG, also etwa Wärmepumpen und Wallboxen – liegt die Quote immerhin bei 23,3 Prozent.
Die Mitglieder der SMI fordern deshalb Lösungen wie einen zentralen Datenhub für Verteil- und Messstellenbetreiber (MSB) sowie die Fusion kleiner MSB, um die nötige zeitgemäße IT-Infrastruktur zu gewährleisten. Auch pragmatische Regeln, die einen gebündelten Zählerwechsel pro Gebäude ermöglichen, können den Rollout beschleunigen, so die Initiative.
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„Die Mitglieder der SMI fordern deshalb Lösungen wie einen zentralen Datenhub für Verteil- und Messstellenbetreiber (MSB)“
Interessante Idee, das auch in Deutschland so zu handhaben.
Allerdings liegt das Hauptproblem darin, dass all diese Bemühungen umsonst sind, zumindestens so lange, wie nur der Verbraucher transparent ist, aber der Netzzustand weiterhin unbekannt bleibt.
Das Hauptproblem ist nicht der Datenfluss vom Verbraucher, sondern der fehlende Datenfluss zum Verbraucher. Und die Netzbetreiber und Generatoren scheuen Transparenz wie der Teufel das Weihwasser.
Die Problematik ist ein „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ Problem. Verbraucher könnten schon seit Jahren, gänzlich ohne Smartmeter, das Netz stabilisieren, wenn es auch nur den geringsten Hinweis darauf gäbe, ob das (lokale) Netz von einer Lastreduzierung oder Lastzuschaltung profitiert.
Aber das weiss meistens der Netzbetreiber selbst nicht, er hat schlicht keinen Vorteil davon, wenn diese Daten existieren. Wer lässt sich schon gerne über die Schulter schauen? Dann waere Schluss damit, dass man die eigenen Kosten festlegen kann, ohne dass da mal genauer hingeschaut wird bzw. werden kann.
Smartmeter haben hier nur den Vorteil, dass man dem Verbraucher dann auch abrechnungstechnisch Vorteile (Preissignal für Last und/oder Einspeisung, statt Einheitspreis) gewähren kann.
Bisher ist es so, dass in vielen Smartmetersystemen der Kunde der Letzte ist, der seine Smartmeter-Daten zu Gesicht bekommt, wenn er überhaupt Zugriff darauf bekommt. Insofern haben die meisten Systeme ohnehin eine oder oft mehrere Leistungserfassungen zusätzlich zum Smartmeter.
Das ist der Grund, warum die Smartmeter-Daten eben bestenfalls zu Abrechnungszwecken zu gebrauchen sind. Das ginge auch besser, ist aber offensichtlich nicht gewünscht.
Lobenswert ist, dass die SMI wenigstens den Umstand der Abrechnungsdaten angeht. Schlussendlich wird der Datenfluss in beide Richtungen gebraucht.
Zudem haben die Energieversorger ein Interesse daran, ein Stück vom gut bezahlten Kuchen der Stabilisierung abzubekommen. Oder aber zumindest die Versorger mit geringeren eigenen bzw. kontrollierten Erzeugungsanlagen in der Konzerngruppe.
Leider sieht es mit Initiativen für den Daten-Fluss in Richtung Verbraucher sehr trüb aus, das Hauptproblem wird weiter bestehen bleiben.
„Das Hauptproblem ist nicht der Datenfluss vom Verbraucher, sondern der fehlende Datenfluss zum Verbraucher. Und die Netzbetreiber und Generatoren scheuen Transparenz wie der Teufel das Weihwasser.“
Der Strompreis ist doch hier das Relevante – und den sehe ich in meiner Tibber-App jederzeit. Schön wäre natürlich noch, wenn die Netzentgelte nicht nur zeitvariabel, sondern sogar dynamisch wären und ebenfalls in der App angezeigt würden.
Und ganz ehrlich: Ohne Smart Meter + dynamischer Tarif, wodurch ein finanzieller Anreiz geschaffen wird, sich netzdienlich zu verhalten, würden es die meisten doch nicht tun.
Leider ist der Strompreis zu grob. Nur 1 Wert für Dtl. Das bildet lokal oft das falsche ab. Node-Pricing oder das Anpassen an den Netzknoten würde das können. Aber das ist nicht absehbar.