Tibber-Analyse: Krise verstärkt Strompreis-Volatilität, Haushaltskunden mit Flexibilität profitieren

Tibber, Auswertung Strompreise, Kunden mit E-Auto, Februar und März 2026

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Dass der Iran-Krieg vor allem wegen der Auswirkungen auf den Gasmarkt auch bei Strom zu teils erheblichen Preissteigerungen geführt hat, ist Teil der durch diesen Krieg ausgelösten Energiekrise. Die Börsenstrompreise verzeichneten vor allem Anfang März kräftige Ausschläge, allerdings nicht ausschließlich nach oben, sondern auch nach unten. Die Stromtarife für Neukunden kannten hingegen nur eine Tendenz, nämlich aufwärts.

Die Debatte über diese Entwicklungen ist bislang nicht differenziert genug, heißt es in einer Auswertung von Tibber, die pv magazine vorliegt. Der Anbieter dynamischer Stromtarife hat die Verhältnisse für Kundinnen und Kunden mit Elektroauto, Smart Meter und dynamischem Tarif ausgewertet – also für eine Gruppe, die durch angepasstes Verbrauchsverhalten vor allem beim Laden ihres Fahrzeugs besonders gut auf Preisvolatilitäten reagieren kann. Resultat: Diese Kunden haben im März nur etwa drei Prozent mehr für ihren Strom bezahlt als im Februar. Und das Viertel der betrachteten Haushalte, das sich durch intelligentes Laden am stärksten an die Preisänderungen anpasste, kam gegenüber dem Februar sogar mit durchschnittlich knapp sieben Prozent geringeren Stromkosten durch den März.

Photovoltaik macht es noch günstiger

Wie sich Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher hierbei auswirken, wurde für die Analyse nicht dezidiert ausgewertet. Sie dürften aber die Lage für die jeweiligen Haushalte mit hoher Wahrscheinlichkeit verbessern, heißt es auf Anfrage von pv magazine. Das Unternehmen geht mit Verweis auf eine ADAC-Statistik, der zufolge 68 Prozent der Elektroautobesitzer eine Photovoltaik-Anlage haben (Stand: 2023) davon aus, dass dies auf rund drei Viertel der Haushalte in dem nun betrachteten Datensatz zutrifft. Und man wisse, dass etwa im Gesamtjahr 2025 die Top 10 Prozent der Tibber-Kunden mit Photoltaik und Elektroauto im Schnitt 22 Cent je Kilowattstunde gezahlt hätten, während die Top 10 Prozent mit Elektroauto, aber ohne Photovoltaik, 26 Cent zahlten. Deshalb könne man davon ausgehen, dass die erste Gruppe auch im Februar und März dieses Jahres signifikant weniger gezahlt hat als die zweite.

Tibber, Auswertung Verbrauch vs. normierte Strompreiskurve, Kunden mit E-Auto, Februar und März 2026
Preisangepasster Verbrauch: Vergleich des Meridian-Verbrauchs der Tibber-Kunden mit Elektroauto im Februar (blaue Kurve) und März (rot) mit den normierten Preiskurven für diese beiden Monate (durchgezogene bzw. gestrichelte Linie).

Grafik: Tibber

Die Auswertung zeigt nach Einschätzung von Tibber, dass seine Kundinnen unter der gestiegenen Preisvolatilität nicht gelitten haben, „sondern diese im Gegenteil für sich nutzen konnten“. Durch das automatisierte Verschieben des Stromverbrauchs hätten sie Preisspitzen vermeiden können. Die Analyse zeigt im März erhöhte Lade-Aktivität zwischen 4 und 6 Uhr morgens, während im Vergleich zum Februar weniger in den Abendstunden geladen wurde (siehe Grafik).

Zweischneidige Zahlen

Die Auswertung birgt mithin eine gute Nachricht für alle, die einen dynamischen Stromtarif so effektiv nutzen können, wie das für Elektroautofahrer mit eigener Ladestation möglich ist. Edgeir Aksnes, globaler CEO und Mitgründer von Tibber, findet dennoch neben der guten auch eine schlechte Nachricht: „Die steigenden Strompreise in Deutschland sind größtenteils dem steigenden Gaspreis geschuldet. Die aktuelle Krise zeigt erneut: Gas für die Stromversorgung ist nicht die Lösung. Die Kombination aus erneuerbaren Energien und flexiblem Verbrauch ist deutlich günstiger und krisenbeständiger.“ Aus einer „skandinavischen Perspektive“, findet der Chef des in Norwegen beheimateten Unternehmens, sei es „schwer nachvollziehbar, warum Deutschland noch immer so stark auf fossile Energieträger setzt.“

Neben dem Strommix – dessen Erneuerbaren-Anteil speziell in Norwegen ja weniger mit Windkraft- und Photovoltaikausbau, sondern mit reichlich verfügbarer Wasserkraft zu tun hat – spielt aber auch die Verbreitung von Smart Metern als Voraussetzung für dynamische Tarife eine Rolle. Erstere sind dort in jedem Haushalt installiert, letztere werden nach Angaben von Tibber von 93 Prozent der Stromkunden genutzt. Es werde Zeit, fordert Aksnes, „dass die deutsche Regierung den Smart-Meter-Rollout entschlossen beschleunigt und zur Priorität macht.“

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