Dass der Iran-Krieg vor allem wegen der Auswirkungen auf den Gasmarkt auch bei Strom zu teils erheblichen Preissteigerungen geführt hat, ist Teil der durch diesen Krieg ausgelösten Energiekrise. Die Börsenstrompreise verzeichneten vor allem Anfang März kräftige Ausschläge, allerdings nicht ausschließlich nach oben, sondern auch nach unten. Die Stromtarife für Neukunden kannten hingegen nur eine Tendenz, nämlich aufwärts.
Die Debatte über diese Entwicklungen ist bislang nicht differenziert genug, heißt es in einer Auswertung von Tibber, die pv magazine vorliegt. Der Anbieter dynamischer Stromtarife hat die Verhältnisse für Kundinnen und Kunden mit Elektroauto, Smart Meter und dynamischem Tarif ausgewertet – also für eine Gruppe, die durch angepasstes Verbrauchsverhalten vor allem beim Laden ihres Fahrzeugs besonders gut auf Preisvolatilitäten reagieren kann. Resultat: Diese Kunden haben im März nur etwa drei Prozent mehr für ihren Strom bezahlt als im Februar. Und das Viertel der betrachteten Haushalte, das sich durch intelligentes Laden am stärksten an die Preisänderungen anpasste, kam gegenüber dem Februar sogar mit durchschnittlich knapp sieben Prozent geringeren Stromkosten durch den März.
Photovoltaik macht es noch günstiger
Wie sich Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher hierbei auswirken, wurde für die Analyse nicht dezidiert ausgewertet. Sie dürften aber die Lage für die jeweiligen Haushalte mit hoher Wahrscheinlichkeit verbessern, heißt es auf Anfrage von pv magazine. Das Unternehmen geht mit Verweis auf eine ADAC-Statistik, der zufolge 68 Prozent der Elektroautobesitzer eine Photovoltaik-Anlage haben (Stand: 2023) davon aus, dass dies auf rund drei Viertel der Haushalte in dem nun betrachteten Datensatz zutrifft. Und man wisse, dass etwa im Gesamtjahr 2025 die Top 10 Prozent der Tibber-Kunden mit Photoltaik und Elektroauto im Schnitt 22 Cent je Kilowattstunde gezahlt hätten, während die Top 10 Prozent mit Elektroauto, aber ohne Photovoltaik, 26 Cent zahlten. Deshalb könne man davon ausgehen, dass die erste Gruppe auch im Februar und März dieses Jahres signifikant weniger gezahlt hat als die zweite.

Grafik: Tibber
Die Auswertung zeigt nach Einschätzung von Tibber, dass seine Kundinnen unter der gestiegenen Preisvolatilität nicht gelitten haben, „sondern diese im Gegenteil für sich nutzen konnten“. Durch das automatisierte Verschieben des Stromverbrauchs hätten sie Preisspitzen vermeiden können. Die Analyse zeigt im März erhöhte Lade-Aktivität zwischen 4 und 6 Uhr morgens, während im Vergleich zum Februar weniger in den Abendstunden geladen wurde (siehe Grafik).
Zweischneidige Zahlen
Die Auswertung birgt mithin eine gute Nachricht für alle, die einen dynamischen Stromtarif so effektiv nutzen können, wie das für Elektroautofahrer mit eigener Ladestation möglich ist. Edgeir Aksnes, globaler CEO und Mitgründer von Tibber, findet dennoch neben der guten auch eine schlechte Nachricht: „Die steigenden Strompreise in Deutschland sind größtenteils dem steigenden Gaspreis geschuldet. Die aktuelle Krise zeigt erneut: Gas für die Stromversorgung ist nicht die Lösung. Die Kombination aus erneuerbaren Energien und flexiblem Verbrauch ist deutlich günstiger und krisenbeständiger.“ Aus einer „skandinavischen Perspektive“, findet der Chef des in Norwegen beheimateten Unternehmens, sei es „schwer nachvollziehbar, warum Deutschland noch immer so stark auf fossile Energieträger setzt.“
Neben dem Strommix – dessen Erneuerbaren-Anteil speziell in Norwegen ja weniger mit Windkraft- und Photovoltaikausbau, sondern mit reichlich verfügbarer Wasserkraft zu tun hat – spielt aber auch die Verbreitung von Smart Metern als Voraussetzung für dynamische Tarife eine Rolle. Erstere sind dort in jedem Haushalt installiert, letztere werden nach Angaben von Tibber von 93 Prozent der Stromkunden genutzt. Es werde Zeit, fordert Aksnes, „dass die deutsche Regierung den Smart-Meter-Rollout entschlossen beschleunigt und zur Priorität macht.“
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Tibber hin und her (jedenfalls für mich).
nur: ein „Tibber“ funktioniert eben nur mit einem SmartMeter…
Tibber hat als Krücke noch den „Pulse“, so dass dynamische Stromtarife auch ohne Smartmeter funktionieren. Es muss aber ein digitaler Stromzähler vorhanden sein. Mit einem Ferrariszähler funktioniert das nicht. 100 Euro extra für ein proprietäre Lösung auszugeben, die eben ausschließlich mit Tibber funktioniert, ist allerdings nicht wirklich sinvoll.
„Tibber hat als Krücke noch den „Pulse“
@Gernot,
wie Du so schön schreibst-> Krücke. (das im wahrsten Sinne des Wortes)
„Die steigenden Strompreise in Deutschland sind größtenteils dem steigenden Gaspreis geschuldet. Die aktuelle Krise zeigt erneut: Gas für die Stromversorgung ist nicht die Lösung. Die Kombination aus erneuerbaren Energien und flexiblem Verbrauch ist deutlich günstiger und krisenbeständiger.“ Aus einer „skandinavischen Perspektive“, findet der Chef des in Norwegen beheimateten Unternehmens, sei es „schwer nachvollziehbar, warum Deutschland noch immer so stark auf fossile Energieträger setzt.“
🤔 Edgeir, lustig, Deutschland verbrennt welches Gas zur Stromproduktion? Und wer importiert dann den «teuren» Strom und klagt ? 🤣🤣🤣
Oder liest Du keine hiesigen Avisen?
„Neben dem Strommix – dessen Erneuerbaren-Anteil speziell in Norwegen ja weniger mit Windkraft- und Photovoltaikausbau, sondern mit reichlich verfügbarer Wasserkraft zu tun hat …“
zu PV Ausbau:
Thema ist bekannt: mit kollektiver Inkompetenz liegt dieser Markt am Boden. Und auch Tibber ist ein Teil von dieser kollektiven Inkompetenz.
„spielt aber auch die Verbreitung von Smart Metern als Voraussetzung für dynamische Tarife eine Rolle. Erstere sind dort in jedem Haushalt installiert, letztere werden nach Angaben von Tibber von 93 Prozent der Stromkunden genutzt.“
93%? Edgeir, schon mal was von Norgespris gehört? Ist ja hier in N in aller Munde. 🤪
Damit sind, zumindest in NO1/2 und 5 jeglicher dynamischer Preis obsolet (zumindest solange Støre und Stoltenberg noch genug Pulver in der Flinte haben)
„Es werde Zeit, fordert Aksnes, „dass die deutsche Regierung den Smart-Meter-Rollout entschlossen beschleunigt und zur Priorität macht.“
Jeg er 1000% enig med deg i det, kjære Edgeir. 😎
Hilsen Uwe
Laut Verivox ist das durchschnittliche Preisniveau für Haushalts-Strom bei Abschluss von Neuverträgen von 23,0 Cent/kWh am 02.01.2026 auf 28,0 Cent/kWh am 26.03.2026 gestiegen. Ohne MwSt. ein Preisanstieg von 4,20 Cent/kWh. Wenn man berücksichtigt, dass Strom 2025 im Einkauf im Mittel um die 8 Cent/kWh kostete, bedeutet das, dass der Markt bzw. konkreter zumindest die günstigen Anbieter am Markt da eine Kostensteigerung von 50% antizipieren und einpreisen. Es dürfte primär am verdoppelten Gaspreis liegen.
Das Preisniveau liegt für Haushalts-Strom damit aktuell über dem Preisniveau von 2024 und 2025 zum gleichen Zeitpunkt im Jahr. Die steuerfinanzierte Senkung der Übertragungsnetzentgelte würde damit verpuffen. Danke Netanyahu. Danke Trump. Danke Reiche.
Die einzige Option, uns mittelfristig davon zu lösen, wäre es, den Verteilnetzbetreibern in den Hintern zu treten und endlich mehr Erneuerbare und vor allem viel mehr Großspeicher ans Netz zu bekommen. Dank Reiche setzen wir aber lieber auf Gaskraftwerke.
„Haushalts-Strom bei Abschluss von Neuverträgen von 23,0 Cent/kWh am 02.01.2026 auf 28,0 Cent/kWh am 26.03.2026 gestiegen.“
@Gernot,
in DE werden nach wie vor Netzgebühren/ Strom/ Abgaben ( inkl. MwSt) alles auf einen Haufen geschmissen. Da ist Null Transparenz zu erkennen.
Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit Sandra Enkhardt meine Abrechnung (wie das hier in N aussieht) zur Verfügung gestellt.
Vielleicht könnte Sandra mal einen extra Artikel dazu hier mit Bild erstellen. Ich bin gerne bereit, das dann begleitend zu kommentieren.