Enpal: Augen auf beim Vertragsabschluss

Teilen

„Einfach Geld sparen“ prangt dem Besucher der Enpal-Webseite entgegen. Das Konzept, ohne Investitionskosten über die nächsten 30 Jahre die Stromkosten zu senken, verfängt natürlicherweise. Auch Matthias Schreiner*, der mit seiner Frau im Berliner Umland ein kleines Häuschen bewohnt, war davon angetan.

„Ich fand das Angebot interessant und habe vor einem knappen Jahr angerufen“, sagt er heute. Photovoltaik zur Miete ab 49 Euro, habe es damals geheißen. Nach dem Anruf ging es schnell. Schreiner hat Fotos von seinem Haus zu Enpal geschickt und im Juni 2021 kam es zu einer einstündigen Videokonferenz. Ein Enpal-Berater hat ihm ein Angebot gemacht und ist es mit ihm durchgegangen. „Dann habe ich digital unterschrieben.“ Danach kam ein Enpal-Mitarbeiter zur Ortsbesichtigung und stellte fest, dass das Angebot so umsetzbar sei, und dann drei Wochen später der Bautrupp.

Später kam die Enttäuschung. Wieviel monatliche Miete die Anlage kostet und was das bedeutet, wurde Schreiner erst mit der Zeit klar. Im Dokument aus der Videokonferenz stehen Nettowerte. Außerdem sei ihm unklar gewesen, dass ein Batteriespeicher eingeschlossen sei, der die Miete nochmal verteuere. Und dass er die monatlichen Kosten zunächst nicht reduziere, sondern im Gegenteil, deutlich erhöhe, sei ihm auch erst so richtig klar geworden, als die erste Abrechnung ins Haus flatterte. „Ich habe damals einfach keine Ahnung davon gehabt“, sagt er heute.

Vor Installation der Photovoltaik-Anlage zahlten er und seine Frau pro Jahr für 2.414 Kilowattstunden Verbrauch rund 800 Euro. Nach den Enpal-Berechnungen wird er nach Installation einer 3,7 Kilowatt-Photovoltaik-Anlage und eines 5 Kilowattstunden-Batteriespeichers immer noch 564 Kilowattsunden Reststrom im Jahr benötigen, was ungefähr dem entspricht, worauf die ersten Abrechnungen hinweisen. Bei einem konstanten Strompreis kosten diese rund 185 Euro. Die Mietkosten in den ersten zwei Jahren betragen 1256,64 Euro brutto. Wenn man gutschreibt, dass er durch die Einspeisung von Solarstrom 130 Euro im Jahr einnehmen kann, steigen durch die Mietanlage im ersten Jahr Schreiners strombezogene Energiekosten von 800 auf 1310 Euro. „Das war mir nicht klar“, sagt er.

Das Resultat ließe sich noch etwas verbessern, wenn Matthias Schreiner nicht die Kleinunternehmerregelung nutzen würde. Er könnte dann die Mehrwertsteuer, die auf der Miete liegt, vom Finanzamt erstattet bekommen und müsste im Gegenzug Mehrwertsteuer für den selbstverbrauchten Strom zahlen. Das würde das Ergebnis um rund 135 Euro im Jahr verbessern. Doch Schreiner hat diese Option noch nicht realisiert, weil sie ihm niemand erklärt habe, sagt er.

Wie sieht die Wirtschaftlichkeit für die Zukunft aus?

Wenn sich Miet-Photovoltaik-Anlagen im ersten Jahr noch nicht rechnen, sagt das grundsätzlich noch nichts über die Wirtschaftlichkeit über einen längeren Zeitraum aus. Schließlich steigen die Stromkosten und dadurch die Stromkosteneinsparungen. In Schreiners Fall müsste der Strompreis auf 60 Cent pro Kilowattstunde steigen, damit er durch die Einsparung die Miete zahlen kann. Ab dem Jahr drei steigen außerdem seine Mietkosten auf 1.470 Euro jährlich. Dann müsste der Strompreis sogar über 70 Cent pro Kilowattstunde steigen, um die Mietkosten zu erwirtschaften.

Jetzt kann man spekulieren, ob und wann der Strompreis diese Marke überschreitet. Projiziert man die jetzige Energiekosteninflation von 6 Prozent in die Zukunft, wird es im Jahr 2033 so weit sein. Vor einem Jahr haben das noch die wenigsten für ein wahrscheinliches Szenario gehalten haben, doch der Blick darauf könnte sich durch den Krieg in der Ukraine geändert haben.

„Die Strompreisentwicklung über die nächsten Jahrzehnte kann vermutlich niemand seriös abschätzen“, sagt Sören Demandt von der Verbraucherzentrale NRW. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass Anbieter transparent machen, mit welcher Preissteigerung sie in ihren Beispielrechnungen rechnen. Es müsse klar werden, dass bestenfalls verschiedene Szenarien dargestellt werden. Demandt hält es für wenig wahrscheinlich, dass sich die aktuelle Entwicklung über Jahrzehnte fortsetzt. „Das wäre in einer Zukunft, in der viele Bereiche des Lebens elektrisch sein werden, gesamtgesellschaftlich nicht tragbar“, sagt er.

Was zeigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Photovoltaik-Mietanlage?

Andreas Löschel, Ökonomieprofessor an der Ruhr-Universität Bochum, hat im pv magazine Webinar am 15. Februar eine im Auftrag von Enpal erstellte Studie vorgestellt, in der er die Wirtschaftlichkeit der Mietanlagen betrachtet. Auf Anfrage hat das Unternehmen nun in der gleichen Methodik die Anlage der Schreiners durchgerechnet. Darin rechnet es mit einem jährlichen Strompreisanstieg von 3,5 Prozent. 2 Prozent davon sind die allgemeine Inflation, 1,5 Prozent ein zusätzlicher Stromkostenanstieg. Nutzt man die mögliche Mehrwertsteuererstattung kann Matthias Schreiner ab dem Jahr 2040 mit einer positiven Jahresbilanz rechnen, 19 Jahre nach dem Abschluss des Vertrags.

Über den Zeitraum der Mietdauer von 20 Jahren lässt sich mit diesen Annahmen also keine Wirtschaftlichkeit erreichen. Nach Ablauf des Vertrags wird Matthias Schreiner die Anlage für einen symbolischen Euro übernehmen können. Danach hat er keine Mietkosten mehr und bekommt keine Einspeisevergütung mehr für den eingespeisten Strom. Solange jedoch die Module und der Batteriespeicher funktionieren, hat er weiter die Stromkostenersparnisse. Nimmt man ferner an, dass er den eingespeisten Strom dann zu Preisen auf dem Strommarkt vermarkten kann, die heute 7,53 Cent pro Kilowattstunde entsprechen, und dass die Anlage keine Betriebskosten verursachen wird, amortisiert sich die Anlage im Jahr 2045. Das ist 24 Jahre nach der Inbetriebnahme. Nach 30 Jahren im Jahr 2051 – das ist der von Enpal betrachtete Zeitraum – hätte er dann mit den getroffenen Annahmen in der Tat 10.000 Euro mehr auf dem Konto als wenn er die Anlage im Jahr 2021 nicht gebaut hätte.

Der Enpal-Slogan „einfach Geld sparen“ stimmt in diesem Sinne, allerdings wird Matthias Schreiner den Effekt erst 24 Jahre nach Bau der Anlage bemerken. Und das nur, wenn die Kostenannahmen zu Strompreissteigerungen, Inflationsrate und Vermarktungserlöse zutreffen und der Batteriespeicher nicht nach Ablauf der Mietdauer, innerhalb derer er bei einem Ausfall kostenlos repariert wird, kaputt geht.

Auf Nachfrage zur Wirtschaftlichkeit dieser Anlage teilt Enpal mit, dass Photovoltaik-Anlagen heute generell weniger rentabel seien als noch vor wenigen Jahren und dass „bei langfristig steigenden Strompreisen sich für die meisten Haushalte immer noch auf lange Sicht“ eine Ersparnis erzielen lasse. „Auch Herr Schreiner hat über die gesamte Laufzeit der Anlage ein Ersparnispotenzial“, heißt es weiter.

Abbildung 1: In den Unterlagen an Matthias Schreiner hat Enpal grafisch deutlich gemacht, wie groß die Einsparungen durch die Photovoltaikanlage und den Batteriespeicher in Kilowattstunden sein werden. Screenshot: pv magazine

Screenshot: pv magazine

Transparenz beim Vertragsabschluss

Matthias Schreiner hatte es allerdings anders erwartet. Dass seine strombezogenen Kosten im Jahr drei zunächst 68 Prozent höher sind als ohne Photovoltaik-Anlage und sich dann nur langsam reduzieren, hatte er nicht auf dem Schirm.

Dabei hat Enpal in der Präsentation in dem Verkaufsgespräch mit einer Grafik gezeigt (Abbildung 1), wie mit der Anlage die Energieflüsse aussehen werden. Aus dieser wird deutlich, das auch mit der Installation der Restrombedarf bei 532 Kilowattstunden liegt und auch dass die monatlichen Mietkosten 2021 deutlich über den monatlichen Stromkosten ohne Anlage liegt (Abbildung 2). Er hätte es also wissen können. Nach dem Verkaufsgespräch hat er diese Unterlagen zugesandt bekommen und bis zum Bau der Anlage Zeit gehabt zu stornieren.

Matthias Schreiner fühlt sich trotzdem überrumpelt. Es sei alles sehr schnell gegangen in dem Verkaufsgespräch. In der Verkaufsvideokonferenz hat Enpal noch eine weitere – vorsichtig ausgedrückt – verwirrende Grafik gezeigt, die die monatlichen Kosten auf einer Zeitskala darstellen. Diese habe er damals nicht verstanden. Es habe im Gespräch immer geheißen, er könne „weitermachen und es sich hinterher noch einmal genau ansehen“. Dass er das nicht getan hat, sei sein Fehler gewesen, den er sich heute nicht mehr erklären könne. Ihm sei erst mit der ersten Stromrechnung nach der Installation klar geworden, worauf er sich eingelassen habe.

Das kann durchaus auch daran liegen, dass Kunden ja deshalb an Mietanlagen interessiert, weil sie sich gerade nicht im Detail mit der Anlage beschäftigen wollen. „Das „Rundum-Sorglos“-Versprechen kann dazu verleiten, sich weniger mit den Details einer Ersparnisberechnung auseinanderzusetzen und sich schlicht auf das zu verlassen, was in der Werbung und im Verkaufsgespräch signalisiert wird: Kosten sparen ohne Aufwand und Risiko“, sagt Demandt. Dass so gut wie immer erst mal Mehrkosten entstünden und unter welchen Voraussetzungen beziehungsweise ab welchem Zeitpunkt wirklich gespart wird, werde bewusst nicht deutlich gemacht.

Abbildung 2: Aus dem Enpal-Angebot an Matthias Schreiner. Screenshot: pv magazine

Screenshot: pv magazine

Wie wirtschaftlich sind Photovoltaik-Anlagen generell?

Das Ehepaar Schreiner hat nur einen geringen Stromverbrauch. Die Anlage ist klein und hat einen verhältnismäßig groß dimensionierten Batteriespeicher. Das ist von daher auch für Enpal keine typische Installation. Enpal teilt mit, dass der durdurchschnittliche Kunde einen Stromverbrauch von über 4.500 Kilowattstunden pro Jahr und eine Anlage von 8,1 Kilowattpeak Leistung hat. Das ist ungefähr das, was man auch von anderen Anbietern hört. Solch größere Anlagen sind oft wirtschaftlicher. Eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto steigern die Wirtschaftlichkeit weiter, da dadurch der Eigenverbrauch steigt.

Über die Frage, ob die Kaufanlagen wirtschaftlicher sind, streiten Experten nicht erst seit dem pv magazine-Webinar mit Andreas Löschel. Die Verbraucherzentrale NRW hat kürzlich einen Ratgeber dazu veröffentlicht. Am Ende hängt es von den realen Installationskosten, den Annahmen zu Inflation, Betriebs- und Kapitalkosten ab, was eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ergibt. Insbesondere die Strompreissteigerung, die niemand über 20 oder geschweige 30 Jahre abschätzen kann, bestimmt das Ergebnis der Anlagen mit Eigenverbrauch. Diese Ungenauigkeit verhindert jede eindeutige Renditeaussage.

„Das Entscheidende ist die individuelle Beratung. Die Anlage sollte auf die Kundenbedürfnisse ausgelegt sein und nicht darauf, dass der Anbieter möglichst viel daran verdient“, sagt Sören Demandt von der Verbaucherzentrale NRW. „Wirtschaftlichkeitsberechnungen nach ‚Schema F‘ werden dem oftmals nicht gerecht.“ So gibt es Kunden, die sich vor allem gegen das Risiko wappnen wollen, falls die Stromkosten wirklich stark steigen. Andere wiederum ist eine besonders frühe Wirtschaftlichkeit wichtig und wieder andere wollen vor allem zum Klimaschutz und zur Energiewende beitragen.

*Name von der Redaktion geändert

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.