5 Mythen gegen die Elektromobilität und wie sie widerlegt werden

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„Alles schon mal dagewesen“ – das war der Lieblingsspruch unseres damaligen sehr engagierten jungen Lateinlehrers. Er wollte damit ausdrücken, dass sich die Geschichte doch immer wieder an vielen Stellen wiederholt.  Und was soll man sagen: Recht hatte er!  Kenner der Branche werden sich bei den vielen Vorwürfen und Mythen in Bezug auf Elektroautos an die Anfangszeit der Photovoltaik zurückerinnern: Was gab es damals für Horrormeldungen über Brände, über die vollkommen ungeklärte Entsorgung der Module und das Zitat „Photovoltaik in Deutschland ist so sinnvoll, wie Ananas züchten in Alaska“ wurde schon fast zum geflügelten Wort. Obwohl ja eigentlich schon damals bekannt war, dass Photovoltaik-Anlagen die eingesetzte Energie selbst in Deutschland in weniger als zwei Jahren zurückgewinnen.

Mythos 1: „Elektroautos brennen ständig“

Ähnliche Vorurteile und Mythen hören wir aktuell über Elektroautos nicht nur in fast allen Medien, sondern auch an allen Stammtischen und das scheinen durchaus normale Begleiterscheinungen beim Durchbruch einer neuen Technologie zu sein. Damit sind wir schon beim ersten Vorwurf, nämlich dem, dass „Elektroautos ja ständig brennen“. Diese Wahrnehmung liegt ganz sicher an einer alles andere als repräsentativen Berichterstattung, aber man muss auch durchaus zugeben, dass es in Einzelfällen immer wieder zu nicht ganz einfach zu beherrschenden Brandereignissen kommt. Tatsache ist jedoch, dass diese statistisch weit seltener auftreten als bei Verbrenner-Fahrzeugen und Tatsache ist auch, dass selbst die offiziellen Feuerwehr-Verbände angeben, mit solchen Brandereignissen professionell umgehen zu können. Profis können diesen Mythos nicht bestätigen.

Mythos 2: „Stromnetze brechen zusammen“

Ein weiterer häufiger Vorwurf ist, dass „die ganze Energie für Elektroautos ja überhaupt nicht zur Verfügung steht und der Mehrbedarf die Stromnetze zum Zusammenbrechen bringen könnte“. Auch hier muss man durchaus zugeben, dass es an verschiedenen Stellen zum Ausbau in Stromnetzen kommen muss und dass wir natürlich einen Zubau an möglichst regenerativen Erzeugungskapazitäten brauchen, um das Projekt Elektromobilität in eine sinnvolle Zukunft zu führen. Dennoch wird der zusätzliche Strombedarf meistens stark überschätzt, denn selbst wenn wir alle PKWs in Deutschland von heute auf morgen elektrifizieren, brauchen wir nur etwa 15 bis 20 Prozent mehr Strom. Entscheidend ist dabei jedoch, dass durch den Wechsel in diese wesentlich effizientere Technologie zwar der Strombedarf ansteigt, aber auf der anderen Seite der Primärenergiebedarf in der Summe stark zurückgeht! Und genau das ist es doch, was wir im Rahmen der Energiewende brauchen.

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Mythos 3: „Durch Elektromobilität gehen Arbeitsplätze verloren“

Auch das Argument der verlorengehenden Arbeitsplätze wird sehr oft gegen die Elektromobilität gebraucht. Zu diesem Punkt gibt es eine recht einfache Antwort: Die Arbeitsplätze gehen nicht verloren, sondern sie gehen dorthin, wo man seitens der Industrie und auch der Politik früh genug an die Elektromobilität geglaubt hat. Und das war zumindest in den letzten zwei Jahrzehnten definitiv leider nicht Deutschland. Dennoch kann man auch diesem Punkt etwas differenzierter beleuchten, denn gerade neuere Studien sagen, dass auch Elektromobilität durchaus sehr viele neue Chancen im Arbeitsmarkt bietet. Aktuell erleben wir gerade das ja schmerzlich als Mangelsituation im Elektronikbereich. Und dass die gesamte Energiewende sich zum Jobmotor entwickeln wird, dass im Gegenteil, sogar Fachpersonal an allen Stellen fehlen wird, das sollte eigentlich inzwischen keiner mehr in Frage stellen.

Mythos 4: „Warten wir doch auf den Wasserstoff“

Ein weiteres immer wieder gern gewähltes Argument, um sein Nichtstun zu rechtfertigen, lautet: „Wir warten doch lieber auf den Wasserstoff.“ Und gleich anfügen könnte man hier auch noch die synthetischen Wunder-Kraftstoffe bis hin zu Methanol. An diesem Argument zeigt sich recht deutlich, wie oft heutzutage die „Meinung“ über die „Ahnung“ gestellt wird. Oder anders gesagt: Wer sich mit der physikalischen Effizienz dieser verschiedenen Kraftstoffarten auch nur zehn Minuten auseinandersetzt, der sollte eigentlich schon selber die richtigen Schlüsse ziehen. Inzwischen bestätigt aber auch fast die gesamte deutsche Autoindustrie von sich aus, dass zumindest im PKW-Bereich die Zukunft ausschließlich bei den batterieelektrischen Fahrzeugen liegt.

Nicht ganz so konsequent sind leider die großen Autokonzerne was die Rolle der meist großen und schweren Hybridfahrzeuge betrifft. Dass diese im Sinne der Energiewende nur eine Mogelpackung sind, das zeigen spätestens die Vergleiche der realen Verbrauchsdaten mit den Phantasiewerten, die in Prospekten angegeben werden. Verkauft und auch gekauft werden diese Fahrzeuge eigentlich weniger, um etwas für die Mobilitätswende zu tun. Vielmehr schöpfen die Autohersteller mit diesen Fahrzeugen sehr hohe Margen ab und die Nutzer profitieren von den immer noch sehr hohen Steuervorteilen, die diese Fahrzeuge speziell im Dienstwagenbereich genießen. Ach ja, Thema „Dienstwagen“, da ist der Verbrauch ja sowieso egal, denn den zahlt ja die Firma. Höchste Zeit, diese politischen Fehlsteuerungen sofort einzustellen und nicht weiter an den Symptomen wie der elektrischen Mindestreichweite herumzudoktern und von dieser die Förderung abhängig zu machen.

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Mythos 5: „Die CO2-Bilanz ist schlecht“

Eines der wichtigsten Gegenargumente muss natürlich hier am Schluss noch genannt werden, nämlich dass „Elektrofahrzeuge im Verlauf der Nutzung ja meistens gar kein CO2 einsparen, sondern durch den erhöhten Energiebedarf bei der Produktion sogar in der Summe mehr CO2 verursachen“. Zu nennen sind hier auch weitere Punkte wie zum Beispiel  der immer wieder kritisierte Kobalt-Abbau oder der hohe Wasserverbrauch bei der Lithium-Gewinnung. Allein um diesen Mythos im Detail zu beleuchten, müsste man sehr weit ausholen. In jedem Falle haben die meisten dieser Studien schon mal zwei Gemeinsamkeiten: Sie wurden meistens von Lobbyisten der Erdölindustrie erstellt und sie greifen meistens an vielen Stellen auf komplett überholte Daten zurück.

Neuere Studien mit aktuellen Daten bestätigen durchaus diesen erhöhten CO2-Rucksack bei Elektrofahrzeugen, der Break-Even-Point liegt aber insbesondere bei Betrieb mit erneuerbaren erzeugtem Strom nicht irgendwo jenseits der 150.000 Kilometern, sondern je nach Fahrzeug eher bei 25.000 bis 30.000 Kilometern. Aber unabhängig davon, welche genauen Vergleichszahlen sich bei einer neutralen Betrachtung ergeben, bleibt doch das Hauptargument, dass die neue Technologie an dieser Stelle immer besser wird, die andere fossile Technologie immer gleich schlecht bleiben wird und deswegen definitiv nicht zukunftsfähig ist.

Dennoch sollten alle Verfechter der Elektromobilität als Zukunftstechnologie nicht alte Fehler der fossilen Lobby wiederholen und Gegenargumente arrogant vom Tisch wischen. Vielmehr sollte man daraus lernen und sich immer wieder im Detail kritisch damit auseinandersetzen. Denn selbst wenn wir hoffentlich bald unsere komplette Energie erneuerbar erzeugen, bedeuten doch PKWs nach wie vor einen hohen Ressourcenverbrauch. Deswegen muss die Zukunft unabhängig von der Antriebsart in kleinen und effizienten Fahrzeugen liegen und nicht im elektrischen Drei-Tonnen-Elektro-SUV.

— Der Autor Hans Urban hat den Solarbereich bei Schletter aufgebaut. Seit seinem Ausscheiden aus der dortigen Geschäftsleitung ist er als Berater tätig. Zudem hält er deutschlandweit Vorträge zu Themen rund um erneuerbare Energien und Elektrombilität. —

 

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