Berlins weiter Weg zur „Solarcity“

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Das Ziel ist groß: Im März beschloss der Berliner Senat den Masterplan „Solarcity“, der Berlin bis 2050 eine installierte Photovoltaik-Leistung von 4,4 Gigawatt bescheren soll. Bislang ist die Hauptstadt von solchen Zahlen noch weit entfernt, viel Photovoltaik-Potenzial liegt brach. Doch Anfragen des Linken-Politikers Michael Efler zeigen, so langsam bewegt sich etwas in der Hauptstadt, gerade wenn es um die Photovoltaik-Nutzung von Dachflächen bei öffentlichen Gebäuden geht. Die vom Senat zusammengetragenen Daten beziehen sich dabei noch weitgehend auf die Entwicklung im Jahr 2018 und nur teilweise auf das vergangene Jahr.

Aus den Anfragen geht hervor, dass die Berliner Stadtwerke allein im vergangenen Jahr 4,375 Megawatt an Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Hauptstadt installiert haben. Insgesamt kommen sie damit auf eine installierte Leistung von 11,65 Megawatt. Für dieses Jahr planen die Berliner Stadtwerke neue Photovoltaik-Anlagen mit etwa 4,5 Megawatt Gesamtleistung. Wegen der Corona-Pandemie sei der Wert kurzfristig nach unten korrigiert worden. Mittelfristig sei geplant jährlich rund fünf bis zehn Megawatt zuzubauen, heißt es weiter. Für die Berliner Energieagentur gibt der Senat an, dass ein Photovoltaik-Anlagenvolumen von 264,81 Kilowatt im vergangenen Jahr neu hinzukommen sei.

Ein großes Thema aus dem vergangenen Jahr war, dass der Berliner Senat bei seiner gestarteten Neubauoffensive für Schulen die Photovoltaik-Nutzung nicht direkt mitberücksichtigte. Aus den Anfragen geht hervor, dass bei den ersten drei fertiggestellten Schulneubauten keine Photovoltaik-Anlage installiert wurde. Allerdings seien die Dächer „PV-ready“, so dass eine nachträgliche Montage erfolgen könne. Allerdings sind 2019 bestehende Schulen mit Photovoltaik-Anlagen nachgerüstet worden. Immerhin zehn neue Photovoltaik-Anlagen mit Leistungen zwischen 29 und knapp 100 Kilowatt Leistung sowie eine Solarthermieanlage sind neu installiert worden. Auch diesbezüglich sind die Berliner Stadtwerke in verschiedenen Bezirken bereits aktiv, allerdings noch nicht überall in der Hauptstadt.

Auf landeseigenen Gebäuden sind in Berlin im vergangenen Jahr zehn Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1,78 Megawatt installiert worden, heißt es in einer Anfrage. Solarthermieanlagen seien hingegen keine hinzugekommen. Damit befanden sich zum Jahresende 2019 berlinweit auf 132 landeseigenen Liegenschaft Photovoltaik- und Solarthermieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 13,1 Megawatt. Für die zweite Jahreshälfte 2020 sei zudem mit den Berliner Stadtwerken eine neue Photovoltaik-Offensive geplant. Anlagen mit insgesamt etwa einem Megawatt sollen installiert werden, wobei noch nicht genau feststehe, welche Liegenschaften ausgestattet werden.

Auf den Gebäuden von öffentlichen Unternehmen und Hochschulen in Berlin sind bis zum Jahresende 2019 insgesamt 61 Photovoltaik-Anlagen mit rund 3 Megawatt Leistung installiert worden. Im vergangenen Jahr kamen drei neue Anlagen hinzu mit etwa 170 Kilowatt Gesamtleistung. Zahlreiche neue Photovoltaik-Anlagen sind in diesem Bereich jedoch in Planung. Sie sollen zwischen 2020 und 2024 an Netz gehen und eine installierte Leistung von bis zu 750 Kilowatt haben.

Bezüglich Photovoltaik-Mieterstrom tut sich in der Hauptstadt auch einiges. Zumindest werde die Installation von Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen bei allen Neubau- und Modernisierungsvorhaben von den städtischen Wohungsbaugesellschaften geprüft, wie aus einer der insgesamt fünf Anfragen von Michael Efler an den Senat hervorgeht. Einige Mieterstrom-Projekte sind auch bereits 2019 realisiert worden. Allerdings verweisen die Wohnungsbaugesellschaften auch auf die durch das Energiesammelgesetz verschlechterten Rahmenbedingungen bei der Förderung von Photovoltaik-Mieterstrom. Dennoch bleibe es „grundsätzliches Ziel“ alle geeigneten Dächer auch tatsächlich für Photovoltaik-Anlagen zu nutzen.

Speicherförderung wird gut angenommen

Im vergangenen Jahr hatte der Berliner Senat auch eine Photovoltaik-Speicherförderung aufgelegt. Seit Jahresbeginn können nun Anträge gestellt werden und in den ersten vier Monaten gab es bereits 324. Diese haben ein beantragtes Fördervolumen von rund 910.000 Euro, wie es weiter heißt. Aus Sicht der Berliner Senats wird das Programm damit gut angenommen.

Mit dem Masterplan „Solarcity“ will die Landesregierung erreichen, dass Photovoltaik-Anlagen bis zur Mitte des Jahrhunderts rund ein Viertel des in der Hauptstadt benötigten Stroms produzieren. Dieser Weg ist noch weit. Immerhin konnte die Photovoltaik ihren Anteil 2018 schon einmal deutlich steigern. So speisten die in der Hauptstadt installierten Photovoltaik-Anlagen 88 Gigawatt Solarstrom ins Netz, ein Drittel mehr als noch 2017. Angesichts der insgesamt deutlich rückläufigen Nettstromeinspeisung stieg der Anteil der Photovoltaik binnen Jahresfrist von 0,91 auf 1,37 Prozent. Der Anteil der Erneuerbaren insgesamt liegt in Berlin bei gerade einmal 5,61 Prozent.

„Die Anfragen zeigen, dass der Ausbau der Solarenergie endlich in Gang kommt“, erklärte Michael Efler, energiepolitischer Sprecher der Linken, auf Anfrage von pv magazine. „Die Installationszahlen sowie die geplanten Installationen im Bereich der öffentlichen Gebäudeeigentümer haben einen deutlichen Sprung nach oben gemacht, was vor allem dem Engagement der Berliner Stadtwerke zu verdanken ist.“ Insgesamt seien sowohl die erfolgten als auch geplanten Installationen immer noch viel zu gering, um einen wesentlichen Beitrag zu den Berliner Klimazielen zu leisten.

Berliner Senat plant Photovoltaik-Pflicht

„Daher setzen wir auch auf eine gesetzliche Solarpflicht“, sagte Efler weiter. Die Linkspartei und die Grünen hatten bereits zu Jahresbeginn gefordert, eine Photovoltaik-Pflicht für Neubauten in Berlin einzuführen. Efler bestätigte pv magazine, dass die zuständige Senatsverwaltung für Wirtschaft und Energie derzeit an einem entsprechenden Entwurf arbeite. Details wollte er aktuell noch keine nennen. Die Verhandlungen zwischen den Koalitionspartnern, also auch mit der SPD, liefen noch. Voraussichtlich im Herbst werde der Gesetzentwurf dann in den Senat eingebracht werden, so Efler.