EU-Daten: Photovoltaik-Ausbau braucht nur wenig Flächen

Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU hat das Potenzial für Solarenergie der 28 EU-Mitgliedstaaten analysiert. Demnach würde selbst eine Verhundertfachung der aktuell installierten Leistung von Photovoltaik und CSP nur eine sehr begrenzte Landfläche erfordern – und viel weniger als die Windenergie.
Der Flächenverbrauch von Eerneuerbare-Energien-Anlagen sorgt in letzter Zeit vermehrt für Diskussionen. | Foto: Pixabay/Epicantus

von pv magazine global

Das Potenzial der Solarenergie in den 28 EU-Mitgliedsstaaten haben jetzt Wissenschaftler der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Union untersucht. Für insgesamt 276 Regionen haben sie die potenzielle Landnutzung für erneuerbare Energien und die Möglichkeiten zum Bau von Erzeugungskapazität analysiert und in dem Papier „ENSPRESO – an open, EU-28 wide, transparent and coherent database of wind, solar and biomass energy potentials“ veröffentlicht. Die Autoren betonen, dass Solar- und Windenergie jeweils dreimal mehr Strom produzieren können, als die EU im Jahr 2016 generiert hat. Um dieses Ziel zu erreichen, würde für die Solaranlagen nur 1,4 Prozent der EU-Gesamtfläche benötigt. Windenergieanlagen hingegen würden dafür mindestens 16 Prozent der Fläche erfordern.

Den Forschern zufolge wurde das Solarenergiepotenzial unter Berücksichtigung der Sonneneinstrahlungsdaten für Dächer, Fassaden und verfügbares Land jeglicher Art berechnet, kombiniert mit einer räumlichen Analyse der für solche Anlagen geeigneten Gebiete und der Berücksichtigung von Photovoltaik und solarthermischen Kraftwerken als verfügbaren Technologien. Unter der Annahme einer Erzeugungskapazität von 170 Megawatt pro Quadratkilometer, einer vollständigen Nutzung der verfügbaren künstlichen Flächen und einer Nutzung von drei Prozent der verfügbaren nicht-künstlichen Flächen könnte die EU demnach Solaranlagen mit zehn Terawatt Leistung aufnehmen, heißt es in dem Bericht. Das würde ausreichen, um auf 1,4 Prozent der gesamten EU-Fläche 11.000 Terawattstunden Strom zu erzeugen – und nicht alle dieser 1,4 Prozent wären landwirtschaftlich genutzte Flächen. In der Realität wäre dem Bericht zufolge wahrscheinlich noch weniger Fläche nötig, da die Studie keine technologischen Fortschritte berücksichtige. Auch Landkosten oder öffentlichen Widerstand gegen die Solarenergie habe die Studie nicht einbezogen.

Der Widerstand gegen Photovoltaik wegen des Flächenverbrauchs ist nichts Neues, hat sich aber in letzter Zeit verschärft. In den Niederlanden beispielsweise wurden im Mai Beschränkungen für die Entwicklung großer Solarparks eingeführt, und in Italien gab es lautstarken Widerstand in geplanten Solarzentren wie den Provinzen Viterbo und Brindisi. Auch in Deutschland und Frankreich kam es zu Protesten gegen Solarparks. Seit einigen Jahren werden hierzulande keine Freiflächenanlagen auf Ackerland mehr durch das EEG gefördert. Allerdings haben mehrere Bundesländer mittlerweile eine begrenzte Anzahl an Grün- und Ackerflächen für Solarparks wieder freigegeben. In Südkorea gab es währenddessen Vorwürfe, dass es für Photovoltaik-Anlagen zu Rodungen gekommen sei. Gleichzeitig hat die französische Umwelt- und Energiebehörde im Mai einen Bericht über das Solarenergie-Potenzial von vernachlässigten Flächen und Parkplätzen veröffentlicht und darin 17.764 solcher Standorte identifiziert, auf denen Photovoltaik-Anlagen betrieben werden könnten.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].

Mehr über

Kommentare

Ministerpräsident Weil – Zukunft ist seine Sache nicht › Piratenpartei Niedersachsen
Jan 04, 2020
Sebastian Bath
Oct 14, 2019

Ich.muss meinen Vorrednern Recht geben:
A Ist der Flächenvergleich wirklich Bullshit
B Benötigen wir einen Mix für den Umstieg auf EE damit die Grundlastfähigkeit so hoch wie möglich ist.

Gunter Häckner
Oct 12, 2019

Die Behauptung, dass die Solarenergie viel weniger Flächen benötigt als die Windenergie ist absurd und schlichtweg falsch. Während bei einer angenommenen PV-Leistung von 170 MW/km² (1,7 MW/ha) diese Fläche vollständig mit Modulen abgedeckt werden muss und dann ca. 200 GWh erzeugt würden (ca. 1.200 VLh), wären auf der gleichen Fläche zwar nur 6 Windenergieanlagen neuester Generation (6 MW/D160m) installierbar ( 3D x 5D Abstand), diese würden an guten Standorten nur die Hälfte der PV-Fläche erzeugen (bei 2.800 VLh) – ABER, diese Fläche wäre (bei 1 ha Infrastruktur pro WEA) noch zu 94 % landwirtschaftlich nutzbar!
Umgekehrt – wenn man die tatsächlich versiegelte und damit anderer Nutzung entzogene Fläche einer WEA von maximal einem Hektar rechnet, können pro km² (ohne Abstandsflächen) 100 WEA mit 600 MW und einer Erzeugung von 1,67 TWh installiert werden…
Also bitte „Wissenschaftler der gemeinsamen Forschungssteller der EU“ – bitte die ganze Wahrheit über die „Landnutzung“ erzählen und nicht so einen – Entschuldigung – bullshit!

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
Ortmann
Oct 14, 2019

Ich denke, man hat hier vorausgesetzt, dass die meiste Installation auf den Dächern erfolgt und nur das was zusätzlich noch gebraucht würde ist weniger als das was Windenergie benötigen wird.

Echo einer Zukunft
Oct 12, 2019

Würde man Agrarphotovoltaik (also Aufständerung über die pflanzliche Nutzkultur) als Standardaufbau annehmen, dann wäre zwar die Flächenbilanz wieder zugunsten der Photovoltaik verändert, die saisonale Verteilung der Stromeinspeisung erfordert jedoch (ohne Zwischenspeicherung) eine Aufteilung in etwa 40:60-50:50 (2017 56:42*) für Windkraft- und Photovoltaikanlagenanteile. (Zusätzlich müsste die Erneuerung der hohen Aufständerung oder die Flächeneinschränkung bei Nutzung bifazialer Module eingerechnet werden. Damit wird auch regionale Gewichtung durch Geographie und klimatische Bedingungen wichtiger.)
Konzeptionell testet man auch im Wind gehaltene, fliegende oder schwebende Windkraftanlagen (deren wirtschaftliche Bedeutung noch unklar scheint).

Berechnung EEG-Umlage, Darstellung Seite 15
https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
Zertifikatspreise für CO2, Seite 19
Eigentümerstrukturen Photovoltaikanlagen Deutschland, Seite 28
*11.2.3 Sonnen- und Windstrom ergänzen sich, Seite 34