Wood Mackenzie: Ungeplante Reparaturen an Photovoltaik-Anlagen kosten Industrie 16 Milliarden US-Dollar bis 2024

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Der globale Photovoltaik-Markt wird in diesem Jahr wieder wachsen. Nach dem moderaten Rückgang 2018 gehen die Analysten von Wood Mackenzie für das laufende Jahr von einem neuen Rekord von 114,5 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung aus. Anfang der 2020er Jahre werde der Weltmarkt bei 120 bis 125 Gigawatt jährlicher Nachfrage liegen, da auch in Schwellenländern immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden, wie die Analysten am Dienstag veröffentlichten. Sie gehen davon aus, dass die kumulierte DC-Leistung von rund 500 Gigawatt im Jahr 2018 auf 1243 Gigawatt im Jahr 2024 anwachsen werden. Dabei befinde sich mehr als die Hälfte der global installierten Photovoltaik-Leistung in China, Indien und den USA. Diese Länder würden damit auch zu den attraktivsten Regionen für den O&M-Sektor, als den Betrieb und die Wartung von Photovoltaik-Anlagen.

Nach der Auswertung von Wood Mackenzie belaufen sich die Kosten für Betrieb und Wartung von Photovoltaik-Anlagen in diesem Jahr auf knapp 4,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2024 würden sie sich auf etwa neun Milliarden US-Dollar verdoppeln. Dieser Anstieg sei sowohl auf das Nachfragewachstum als auch die bereits installierten Photovoltaik-Anlagen zurückzuführen, so die Analysten. Nach neuesten Untersuchungen gehen sie für durchschnittlich angenommene 50 Megawatt-Anlagen von ungeplanten Reparaturen von 3000 US-Dollar pro Megawatt und Jahr aus.

Wood Mackenzie schätzt, dass bis Ende des Jahres Photovoltaik-Anlagen mit einer installierten Leistung von 21 Gigawatt sich dem Ende der Betriebszeit ihrer Wechselrichter näherten. Dies seien immerhin 3,4 Prozent des derzeitigen Weltmarktes. Der Anteil steige in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 14 Prozent. So werden 2024 Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt 176 Gigawatt älter als zehn Jahre sein und damit potenziell von einem Tausch der Wechselrichter betroffen sein.

Nach der Analyse macht ein Photovoltaik-Wechselrichter etwa 12 bis 13 Prozent der durchschnittlichen Betriebskosten bei einer 50-Megawatt-Anlage aus. Die Kosten für das Ersatz der Geräte werden sich Wood Mackenzie zufolge auf knapp 1,2 Milliarden US-Dollar bis 2024 erhöhen. Die Gesamtkosten für den O&M-Bereich erwarten die Analysten zu diesem Zeitpunkt bei 9,4 Milliarden US-Dollar. Sie entstünden hauptsächlich durch die regelmäßige vorbeugende Wartung sowie Fehlerbehebungen, die 35 respektive 24 Prozent der Gesamtkosten ausmachten.

Der globale Preisdruck auf die Photovoltaik hat nach Aussagen von Wood Mackenzie dazu geführt, dass im O&M-Bereich verstärkt automatisierte Lösungen eingeführt und digitale Plattformen vorangetrieben wurden, um die Kosten pro Megawatt zu senken. Eine große Herausforderung sei dabei immer noch, dass die Systeme alle die gleiche Sprache sprechen und somit die Daten einfacher analysiert werden könnten. Gerade bei älteren Photovoltaik-Anlagen müssten oft verschiedene Kommunikationsprotokolle verarbeitet und ausgewertet werden, so die Analysten.

„Obwohl ein erheblicher Teil der Photovoltaik-Projekte über ein Überwachungssystem verfügt, werden nur wenige in Echtzeit mit vorhandenen Diagnosetools synchronisiert. Noch weniger führen regelmäßig grundlegende Leistungsbewertungen durch“, so Wood Mackenzie-Analystin Leila Garcia da Fonseca. Nach ihrer Einschätzung sind durchgängig digitale Plattformen im O&M-Bereich noch keine Realität. Dies sei aber die Zukunft, obgleich es nicht unbedingt sinnvoll sei, diese digitalen Lösungen bei allen Anlagen zu implementieren. „Es macht keinen Sinn, dass Eigentümer von Projekten, die kurz vor dem Ende der Lebensdauer liegen, eine teure und intelligente Plattform einsetzen. Es wäre weder technisch noch kommerziell sinnvoll, da das Datenerfassungssystem möglicherweise nicht alle Anforderungen an ein digitales System erfüllt“, so Garcia da Fonseca weiter. Für die Zukunft sei es wichtig, dass die Datendiskrepanz nicht weiter zunehme.