BNEF: Photovoltaik, Speicher und Windkraft können uns bis 2030 auf Kurs halten

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von pv magazine global

In zwei Dritteln der Länder der Erde sind Photovoltaik und Windkraft bereits die günstigste Quelle für neue Stromerzeugungsanlagen. Wenn es um die Dekarbonisierung weltweit geht, dann wird Europa führend sein, wie die Analysten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) in ihrem aktuellen „New Energy Outlook“ erklären. Die Autoren des am Dienstag veröffentlichten Berichts erwarten, dass Europa bis 2050 dank der CO2-Preise und anderer unterstützender Maßnahmen 92 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen wird.

Die Emissionen des Stromsektors in China werden jedoch erst 2026 – dank einer umfangreichen modernen Kohlekraftwerksflotte – ihren Höhepunkt erreichen, wie es weiter heißt. Obwohl sie in den folgenden 20 Jahren voraussichtlich um mehr als die Hälfte sinken werden. Das liegt BNEF zufolge zum Teil an einem erwarteten Anstieg der globalen Stromnachfrage um mehr als 50 Prozent bis 2050, wobei sie vor allem in Asien und dort in China und Indien kommen wird. Damit verbunden sind den Analysten zufolge zwischen 2018 und 2050 auch Investitionen von 13,3 Billionen US-Dollar in neue Erzeugungskapazitäten, wovon 4,2 Billionen US-Dollar auf die Photovoltaik und 5,3 Billionen US-Dollar auf neue Windparks entfallen.

Bei der Dekarbonisierung werden die USA hinter Europa zurückbleiben, so die BNEF-Studie, die auf der Analyse der Kosten konkurrierender Energietechnologien basiert. Erneuerbare Energien werden ihren Beitrag zum US-Energiemix mehr als verdoppeln – auf 43 Prozent im Jahr 2050. Photovoltaik und Windkraft müssen aber mit reichlich Erdgas in einem Markt für neue Energiekapazitäten von 1,1 Billionen US-Dollar ergänzt werden.

Erneuerbare sind der große Gewinner

Trotz der Dominanz von Erdgas in den USA prognostiziert der „New Energy Outlook 2019“, dass Gas als Energieträger im Jahr 2050 etwa den gleichen Marktanteil einnehmen wird wie heute, ebenso wie Wasserkraft und Kernenergie. Öl wird bis Mitte des Jahrhunderts als Energiequelle verschwunden sein, fügte der BNEF-Bericht hinzu. Die Kohlekraft – die heute 37 Prozent der Stromerzeugung liefert – wird auf einen Anteil von 12 Prozent reduziert worden sein.

Erneuerbare Energien, unterstützt durch Lithium-Ionen-Batteriespeicher, werden laut BNEF die Lücke schließen, wobei der Anteil der Stromerzeugung von heute 7 auf 48 Prozent bis 2050 ansteigen wird. Dien Angaben liegt eine Schätzung zugrunde, nach der die Preissenkungen bei Solar-, Energiespeicher- und Windtechnologien mit 28, 18 respektive 14 Prozent für jede Verdoppelung der installierten Leistung fortgesetzt werden. Wenn sich diese Kostensenkungsvorhersagen bestätigen, werden die erneuerbaren Energien bis 2030 „fast überall“ mehr Energie liefern und speichern als Kohle und Gas, wie es im BNEF-Bericht heißt.

Die gute Nachricht ist, dass die Welt dies bis 2050 bei einer globalen Erwärmung von weniger als zwei Grad Celsius auf Kurs bleiben würde. Dabei wären in den nächsten 15 Jahren nicht einmal neue öffentliche Förderanreize für erneuerbare Energien erforderlich. Ab 2030 wären jedoch neue Technologien notwendig, da die erneuerbaren Energien bis 2050 in vielen Ländern 80 Prozent der Energieerzeugung ausmachen könnten.

Neue Lösungen erforderlich

Das würde bedeuten, dass nach 2030 innovative und alternative Lösungen wie Kernkraft, Biogas-to-Power, grüner Wasserstoff-to-Power und CO2-Abscheidung und -Speicherung eingeführt werden müssten, wie die Analysten erklären. Dies wiederum erfordere erhebliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung vor diesem Zeitpunkt. Eine weitere Voraussetzung, um bereits bis 2030 auf Kurs zu bleiben, wäre die Reform der Strommärkte, um die Rolle der erneuerbaren Energien und der Speicherung bei der Netzentwicklung richtig anzuerkennen und zu honorieren.

In dem BNEF-Bericht sind auch die möglichen CO2-Einsparungen in einer Welt mit voll elektrifiziertem Verkehr und Gebäudeheizung berücksichtigt. Die Leiterin der Energiewirtschaft, Elena Giannakopoulou, erklärte: „[Der] NEO[New Energy Outlook] ist grundsätzlich politisch agnostisch, geht aber davon aus, dass die Märkte rational und fair funktionieren, um es den Anbietern mit den niedrigsten Kosten zu ermöglichen, zu gewinnen.“

Darin liegt vielleicht der Haken.