BETD 2019: IRENA und IEA unterzeichnen Absichtserklärung für Zusammenarbeit

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Im Auswärtigen Amt ist am Dienstag der 5. Berlin Energy Transition Dialogue 2019 (BETD) vom Hausherren Heiko Maas (SPD) eröffnet worden. Er verwies in seiner Rede vor den rund 2000 Gästen aus etwa 100 Ländern auf die hohe geo- und sicherheitspolitische Bedeutung der Klimapolitik. „Es geht um unsere Existenz“, sagte Maas. Mit Blick auf die demonstrierenden Schüler bei #FridaysforFuture gestand er ein: „Sie lassen uns gerade alt aussehen.“

Dennoch erklärte Maas, die Energiewende habe sowohl positive als auch negative geopolitische Folgen. Positiv sei, dass es künftig weniger Konflikte um Rohstoffe geben werde. Negativ dagegen: Es würden Geschäftsmodelle ganzer Länder wegbrechen, die sich heutzutage aus Einnahmen fossiler Brennstoffe finanzierten. Ihnen müsse bei der Umstellung geholfen werden. „Die deutsche Wirtschaft stehe bereit, beim Wandel zu helfen“, so Maas.

Der deutsche Außenminister sprach zudem davon, dass die Energiewende eine globale Herausforderung sei, die nicht mit nationalen Alleingängen zu lösen sei. Zugleich dürfe die Energiewende nicht an der Grenze aufhören. Deutschland könne der Welt zeigen, wir man Erneuerbare weiter ausbaue und ein Industrieland mit hohem Wohlstandsstandard bleiben könne. Solange Speicher noch nicht ausreichend zur Verfügung stünden, sollten die Netze stärker ausgebaut und der Handel der Länder untereinander intensiviert werden. Dies gelte für die europäischen Nachbarn ebenso wie für Europa mit Nordafrika, so Maas.

Auch Altmaier betonte, dass der Übergang zu erneuerbaren Energien in vielen Zwischenschritten erfolgen müsse. „Wir haben viel über Photovoltaik und Windkraft diskutiert und werden es weiter tun“, so der Bundeswirtschaftsminister, der auch für den Bereich Energie zuständig ist. „Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass die Systemintegration der Erneuerbaren gelingt. Parallel dazu setze Deutschland auch auf eine neue Wasserstoffstrategie. „Eine erfolgreiche Energiewende muss global und ganzheitlich gedacht werden. Ganzheitlich heißt, dass die Energiewende in allen Sektoren erfolgreich ist und die sozio-ökonomische Komponente stets mitgedacht wird“, so Altmaier weiter.

Nach den Ministern folgte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser mit einer Keynote. Er forderte eine starke Führerschaft, um den Kampf gegen den Klimawandel zu führen. „Wir haben keinen Planet B“, sagte Kaeser. Es sollten nicht nur die Freitage, sondern alle Tage für die Zukunft sein.

Die Diskrepanz zwischen den politischen Bekundungen und den realen Entwicklungen machte im Anschluss der Executive Director der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, deutlich. Er zeigte die Entwicklungen der Energiedaten für 2018 auf. Demnach ist der Energiedarf weltweit gestiegen und hat den höchsten Stand der Dekade erreicht. 70 Prozent davon würden durch fossile Brennstoffe gedeckt. Vor allem die Kohlekraft werde weltweit stark ausgebaut – trotz vielfacher politischer Bekenntnisse zur Energiewende weltweit. In der Folge seien die globalen CO2-Emissionen im vergangenen Jahr nochmals deutlich angestiegen und die Kohleverstromung sei für ein Drittel der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich. Und auch in Sachen Energieeffizienz habe es 2018 keine Fortschritte gegeben, sondern sie habe im Gegenteil weiter abgenommen.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen forderte Birol die politischen Vertreter auf, „die reale Dimension der Herausforderung zu erkennen“ und ihre Handlungen konsequent daran auszurichten. Welches Potenzial, die Erneuerbaren dafür haben, zeigte im Anschluss der neue Generaldirektor der Internationalen Agentur für Erneuerbaren Energien (IRENA), Francesco La Camera, mit der in Berlin vorgestellten Studie „Global Energy Transformation: A Roadmap to 2050“ auf. „Erneuerbare Energie ist die effektivste und am schnellsten verfügbare Lösung, um den Trend steigender CO2-Emissionen umzukehren“, so La Camera, der erst seit zwei Tagen im Amt ist und den somit seine erste Dienstreise in der neuen Position nach Berlin führte. In der Studie geht IRENA unter anderem davon aus, dass durch eine schnellere Energiewende, Gesundheitskosten, Energiesubventionen und Klimaschäden bis 2050 von insgesamt bis zu 160 Billionen US-Dollar eingespart werden könnten. „Jeder Dollar, der für die Energiewende ausgegeben wird, zahlt sich bis zu siebenmal aus“, sagte La Camera weiter.

Und in dem Sinne, dass die Welt im Jahr 2050 von Energieentscheidungen abhänge, die heutzutage getroffen werden, unterzeichneten Birol und La Camera ein Memorandum of Understanding für eine künftige Zusammenarbeit. Man kann schon heute gespannt sein, ob sich diese Absichtserklärung bereits im nächsten World Energy Outlook (WEO) der IEA niederschlagen wird.