Sonnige Aussichten für die Niederlande

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Zwei Gigawatt neue Photovoltaik-Installationen erwartet Rolf Heynen für 2019 – nach 1,434 Gigawatt im vorigen Jahr. Auch danach wird der Markt attraktiv bleiben, so die Einschätzung des Direktors von „Good! New Energy“, einem Marktforschungsinstitut und Organisator der Solar Solutions, die am heutigen Donnerstag in Amsterdam zu Ende geht. Der Markt im Nachbarland wird zum einen durch das Net-Metering für Photovoltaik-Anlagen bis 15 Kilowatt getrieben, zum anderen von Ausschreibungen für Freiflächen und größere Dachanlagen. In beiden Segmenten gibt es Fragezeichen, die die Stimmung aber nicht trüben. Vor allem für Investoren scheinen die Zeiten rosig zu sein.

Die kleinen Anlagen, die über Net Metering finanziert werden, machten 2018 nach den Analysen von „Good! New Energy“ 38 Prozent des Marktes aus, also etwa 550 Megawatt. Bei rund 15 Cent pro Kilowattstunde Stromverbrauchskosten sichert das eine gute Finanzierung. Das Net-Metering sollte eigentlich 2020 durch andere Förderungen abgelöst werden. Dieser Termin sei jetzt schon um ein Jahr verschoben worden, so Rolf Heynen. Er geht sogar davon aus, dass es noch erhalten bleiben wird. Alle anderen Förderoptionen würden den administrativen Aufwand erhöhen und dadurch habe das Net-Metering auch im Wirtschaftsministerium Befürworter.

Auch wenn nicht klar ist, wie es weitergeht. Unsicherheit würde dadurch nicht entstehen. Für Anlagen, die jetzt gebaut werden, gilt laut Heynen Bestandsschutz. Für die Zukunft habe das Ministerium bereits klargestellt, dass sich die Photovoltaik-Anlagen auch bei einem alternativen System innerhalb von sieben Jahren refinanzieren sollten. Selbst wenn die Regierung wechsele, könne man davon ausgehen, dass sich die Linie nicht grundsätzlich ändere, so Heynen. Die Erneuerbaren-Ziele für 2030 seien weithin akzeptiert und die Niederlande liegen bei ihren EU-Zielen sehr weit zurück. Außerdem sei der Ausstieg aus dem Gas, das in dem Land selbst gefördert wird, für das Heizen geplant. Der Photovoltaik-Zubau ist also nötig.

6,5 Gigawatt Photovoltaik-Pipeline

Das bedeutet auch Sicherheit für die größeren Dach- und Freiflächenanlagen. Diese werden nach dem „SDE+“-Programm gefördert. Zweimal im Jahr finden innerhalb dieses Programms Ausschreibungen statt. Es gilt das Prinzip, wer zuerst kommt, bekommt den Zuschlag. Allerdings haben Antragsteller die Wahl zu warten. Wer zu Beginn der Runden einsteigt, bekommt eine niedrigere Vergütung als derjenige, der bis zum Ende wartet. Wer später kommt, hat einerseits das Risiko, dass das zu vergebende Volumen bereits aufgebraucht ist, bekommt aber mehr, falls er doch noch einen Zuschlag bekommt. Für die Runde, die derzeit stattfindet, liegt die Vergütung zwischen 6,4 und 9,2 Cent pro Kilowattstunde und wird für 15 Jahre gezahlt. In der Vergangenheit konnte man oft bis zum Ende warten, so dass viele Anlagen mit hohen Vergütungen bezuschlagt sind.

Das Ausschreibungsvolumen ist zwar von sechs Milliarden Euro pro Runde im vergangenen Jahr auf fünf Milliarden Euro 2019 reduziert worden. Zwar könne es sein, dass Photovoltaik in Zukunft mit mehr Technologien konkurrieren müsse, so Heynen. Doch grundsätzlich sei das Programm bis 2025 gesichert. „Und schon früher wird es möglich sein, Großanlagen ohne Förderung zu bauen“, sagt er.

Egal, wie viele Anlagen jetzt neu bezuschlagt werden, allein die Pipeline von 6,5 Gigawatt verspricht einen großen Markt. Dieses Volumen ist bereits bezuschlagt, aber noch nicht gebaut. Angesichts der Einspeisetarife dürften sich die Investoren die Hände reiben.

Ein Thema auf der Messe ist allerdings, wie viele der bezuschlagten Anlagen am Ende wirklich gebaut werden. Einige sehen das sketpisch, Tobias Friedrich, Key Account Manager bei Goldbeck Solar, hat weniger Bedenken. „Ich kennen keinen Markt, in dem die Ausschreibungen so nachhaltig umgesetzt werden“, sagt er. Goldbeck Solar installiert gerade eine 104 Megawatt-Anlage bei Groningen, die die größte des Landes sein wird. „Holland hat den am besten funktionierenden Markt in Europa“, sagt Friedrich.

Rolf Heynen geht zwar davon aus, dass ein Teil der Anlagen nicht gebaut wird. Das wird dem Markt aber keinen Abbruch tun. Wenn er 2019 trotz der großen Pipeline „nur“ zwei Gigawatt groß wird, liegt das daran, dass Investoren bei Großanlagen drei Jahre Zeit haben und daher warten oder dass der Netzanschluss vor allem im Norden teilweise dauert und dass es partiell wieder Lieferengpässe bei Modulen geben könnte.

Im Großanlagenmarkt mischen vor allem deutsche EPC-Unternehmen mit. Außer Goldbeck Solar etwa Pfalzsolar, IB Vogt und Innogy. Baywa re ist vor fast genau einem Jahr in eine Projektpipeline von zwei Gigawatt bei der Groen Leven Group eingestiegen, mehrere Hundert Megawatt davon sind schwimmende Anlagen.

Pfalzsolar wird dieses Jahr vermutlich 80 bis 100 Megawatt installieren, sagt Geschäftsführer Lars Josten. In den zwei Jahren danach ähnlich viel. Auch bei Dachanlagen ist das Unternehmen aktiv. Es installiert in einem Projekt, das seit Oktober 2018 läuft, 7000 Dachanlagen mit einer durchschnittlichen Größe von 4,5 Kilowatt. Dieses Projekt ist durch das Programm „de Groene Zone“ möglich geworden, bei dem Kommunen günstige Kredite zur Verfügung stellen, die man zusammen mit den Solaranlagen verkaufen kann. Das Modell erlaubt einen Mietkauf der Anlagen, der für viele Eigenheimbesitzer attraktiv ist. Auch dieses Programm zeigt, wie gut die Stimmung gegenüber Photovoltaik derzeit ist.

Hersteller auf der Solar Solutions

Mit zwei Gigawatt voraussichtlichem Installationsvolumen ist der Markt interessant für viele der bekannten Hersteller, die auch auf der Messe präsent waren, darunter die meisten bekannten Modul- und Wechselrichtermarken.

Offensichtlich nimmt Growatt auch das Design ernst. Links auf dem Messestand das Gewerbegerät, rechts das für das Heimsegment.

Foto: pv magazine

Growatt stellte etwa zwei neue Wechselrichter vor und erwartet ein Wachstum von 20 bis 30 Prozent. Das eine Gerät zielt auf Gewerbeanlagen und ist seit letzten Dezember mit Leistungen von 50 bis 80 Kilowatt verfügbar. Das andere Gerät ist für die Privatanlagen gedacht. Mit Leistungen von 2,5 bis 5 Kilowatt und einem Eingang zur Nachrüstung mit Batteriespeichern wird es ab Ende des Jahres in Europa erhältlich sein. Es sei 35 Prozent leichter als das Vorgängermodell, kommt in einem attraktiv designten Gehäuse und sei in Australien bereits 2000 Mal verkauft worden, sagt Lisa Zhang, CEO Assistant and Marketing Director. Für die Geräte ist ein so genanntes „Online Smart System“ erhältlich, das per Kabel mit dem Router verbunden wird und stellt dann eine eigene Funkverbindung mit dem Wechselrichter herstellt. Dadurch muss der Hausbesitzer am Wechselrichter keine Einstellungen mehr vornehmen, sollten sich die WiFi-Zugangsdaten ändern.

Das Gewerbegerät bietet jetzt auch die Möglichkeit, eine Strom-Spannungs-Kennlinie aufzunehmen. Ein Feature, das zuvor schon Huawei eingeführt hat. Außerdem kann man optional eine integrierte „PID Protection“ erhalten. Das ist eine Schaltung, die die Strings bei Nacht unter Spannung setzt und damit die separaten „Anti-PID-Boxen“ ersetzt, die oft nachträglich eingebaut werden, sollte es zu Problemen kommen. Auch eine Schaltung, die bei Lichtbögen abschaltet, ist erhältlich. In China seien diese Optionen bereits sehr populär, in Europa allerdings noch nicht, so die Growatt-Experten.

Auch das Service-Thema geht der Hersteller an. In Europa gebe es rund 20 Mitarbeiter und Ansprechpartner in den verschiedenen Sprachen, Ende des Jahres auch eine Hotline. Bereits seit vier Jahren hat das Unternehmen ein Lager in Rotterdam, so dass Geräte im Zweifelsfall schnell ersetzt werden könnten.

Modulhersteller vor Ort

Trina Solar stellte das neue „full black“-Modul vor, das nicht nur ganz schwarz ist, sondern dank technologischer Weiterentwicklungen nun 340 Watt mehr Leistung als die bisherigen Produkte hat. „Wie gemacht für den Residential Markt“, kommentiert Klaus Hofmeister, Product Marketing Manager bei Trina. Außerdem ist auf dem Stand das Modell einer Floating-Photovoltaik-Anlage zu besichtigen, was angesichts des Potenzials auf dem holländischen Markt nahe liegt.

Auch Longi Solar glaubt an den niederländischen Markt. Jeden Monat verschifft das Unternehmen eine festgesetzte Menge an 60-Zellen-Modulen, um schnell lieferfähig zu sein. Ab Mai werden das 15 Megawatt pro Monat an Mono-Perc-Modulen sein. „80 Prozent davon werden zu Dachanlagen gehen“, sagt Sales Director EMEA Nick Wang. Projekte werden mit 72-Zellen-Modulen extra bedient. Er geht davon aus, dass es dieses Jahr auf dem Modulmarkt wieder zu Lieferengpässen kommen wird. Die fixen Lieferungen sollen die Installateure für davor schützen, dass sie gegenüber Projekten, die extra bedient werden, sonst das Nachsehen haben. Die Preise werden, so erwartet er, trotzdem stabil bleiben.

Der private Dachanlagen-Markt wird zunehmend von schwarzen Modulen bestimmt. Canadian Solar verschifft etwa vier bis fünf Megawatt dafür pro Monat. In Projekte würden auch nach wie vor polykristalline Module geliefert. 2018 seien es insgesamt 270 Megawatt gewesen. Für 2019 erwartet er mit 1,7 Gigawatt etwas allerdings weniger Zubau als Rolf Heynen in dem Land.

Auch Jinko Solar liefert große Volumen Module in die Niederlande. Country-Manager Arda Kristaporyan geht davon, dass das Unternehmen mindestens 250 Megawatt liefern wird. Nur ein Viertel davon gehe in Projekte, der Rest werde über Distributoren verkauft und auch kontinuierlich nach Rotterdam verschifft, so dass es einen durchgehende Belieferung gebe. „Wir konzentrieren uns auf Ultra-Hocheffizienz- Premiumprodukt „Mono Perc Cheetah“, sagt er. Auch er erwartet keinen weiteren Preisrückgang für die Hocheffizienzmodule, sondern eher verhaltene Preissteigerungen, da ab dem dritten Quartal die Nachfrage in China wieder steigen werde.

Peter Desmet von Solarclarity, dem vermutlich größten Großhändler in den Niederlanden, sieht auch die Gefahr von Lieferengpässen. Wenn jeder genug Module bekomme, seien die zwei Gigawatt installierte Solarleistung 2019 möglich, sagt er. Daher beurteilt er die Lieferanten vor allem nach deren Liefertreue und schätzt das Longi-Vorgehen.

Sektorkopplung und Batteriespeicher

Auch über den reinen Photovoltaik-Ausbau hinaus kommt Bewegung in den holländischen Markt. Auf der Solar Solutions stellen seit vergangenem Jahr auch Anbieter für Heizungssysteme, Solarthermie und Wärmepumpen aus. „In Holland gibt es eine große Gruppe von Installateuren, die sowohl Im Heizungsbau als auch im Bau von Photovoltaik-Anlagen aktiv sind“, sagt Rolf Heynen.

Sektorkopplung und die Kombination von Photovoltaik-Anlagen mit Batteriespeichern wird vermutlich attraktiver werden. Net-Metering macht solche Lösung unwirtschaftlicher, da die Prosumer das Netz als Speicher nutzen können. Doch selbst wenn das Net-Metering nicht abgeschafft werde, so Heynen, wird es Regulierungen geben, die den Verbrauch vor Ort fördern.

Wechselrichterhersteller wie Huawei und Growatt preisen ihre Geräte daher damit an, dass man an sie nachträglich eine Batterie anschließen könne. „Auch PVT-Systeme sind im Kommen“, sagt Heynen. Noch seien die Volumen von Photovoltaik-Solarthermie-Kombimodulen gering. Er sieht darin jedoch einen Trend, je mehr mit dem Gasausstieg in dem Land, in dem Flächen knapp sind, ernst gemacht wird.