Aus der Kohle raus – ins Erdgas rein?

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In Anbetracht der Klimaerwärmung wird er viel zu langsam sein, doch eingeleitet ist er nun wohl, der Kohleausstieg. Was beim Ringen um den Ausstieg aus dem Blick geriet, ist die Frage, in was wir einsteigen. Bis vor einiger Zeit war das selbstredend die Sonnenenergie (mit ihren unmittelbaren Derivaten Wind, Wasserkraft und Bioenergie). Inzwischen wird in Deutschland eine komplette Infrastruktur für in Amerika gefracktes LNG geplant – zusätzlich zum „Russengas“.

Wie man vor einigen Jahren der Bevölkerung vorgaukelte, durch Abtrennung und unterirdische Verpressung des CO2 aus den Rauchgasen (CCS) würden die Kohlekraftwerke „klimafreundlich“, so wird ihr heute vorgegaukelt, Erdgas sei klimafreundlicher als Kohle. Einfach ein billiger Taschenspielertrick: Man verweist auf die im Vergleich zur Kohle geringere CO2-Emission in der Gasflamme und steckt die im Zuge des Produktionsprozesses auftretenden Emissionen unverbrannten Methans in den Ärmel. Die Thematik wurde im pv magazine angesprochen: https://www.pv-magazine.de/2018/11/08/ersetzung-der-fossilen-energie-durch-erdgas/

Vertiefend hierzu: Robert Howarth, Professor an der Cornell University (New York) erforscht seit den 1970er Jahren die Wirkung des Methans in der Atmosphäre. Er macht darauf aufmerksam, dass sich die Klimawirkungsweisen von CO2 und Methan unterscheiden: Auf Veränderung von CO2-Emissionen reagiert das Klimasystem langsam, auf Veränderung von Methan-Emissionen sehr schnell. Dabei hat das Methan in den ersten zehn Jahren die mehr als 100-fache Klimawirksamkeit von CO2, nach 20 Jahren die 86-fache und nach 100 Jahren die 34-fache.

Dass in deutschen Veröffentlichungen meist eine lediglich 20-fache Klimawirksamkeit genannt wird, geht auf  einen Bericht des Weltklimarats aus 1995 zurück. Im Jahr 2013 übernahm auch der IPCC die eben genannten Werte.

Vier Prozent der Förderung einer konventionellen und etwa zwölf Prozent einer gefrackten Erdgasbohrung entweichen nach Howarth in die Atmosphäre. Somit ist der „Klima-Fußabdruck“ des Erdgases größer als der der Kohle. Ausführliche Informationen hier: http://www.eeb.cornell.edu/howarth/energy_and_environment.php

Angesichts des nur noch sehr kleinen Zeitfensters zum Kipppunkt der Klimaerwärmung und ihrem Übergang in die Selbstverstärkung wäre die Ersetzung der Kohle durch Erdgas das reine Gift.

„Es ist ja nur für den Übergang, für ein paar Jahre, bis die Erneuerbaren ausgebaut sind“, beruhigen wir uns. Mit dem Geld, das in Gas-Investitionen fließt, können schon mal keine Erneuerbaren ausgebaut werden, soviel ist klar! In Leipzig wird die Fernheizung, die bislang an einem Kohlekraftwerk hängt, umgestellt. Solarthermie ist auch vorgesehen, aber der Löwenanteil wird Erdgas sein. Da gibt es erhebliche Neuinvestitionen, und die werden auch nicht nach ein paar Jahren wieder ausrangiert.

— Der Autor Christfried Lenz war unter anderem tätig als Organist, Musikwissenschaftler und Rundfunkautor. Politisiert in der 68er Studentenbewegung, wurde „Verbindung von Hand- und Kopfarbeit“ – also möglichst unmittelbare Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis – zu einer Leitlinie seines Wirkens. So versorgt er sich in seinem Haus in der Altmark (Sachsen-Anhalt) seit 2013 zu 100 Prozent mit dem Strom seiner PV-Inselanlage. Nach erfolgreicher Beendigung des Kampfes der BI „Kein CO2-Endlager Altmark“ engagiert er sich ganz für den Ausbau der Ereneuerbaren in der Region. Als Mitglied des Gründungsvorstands der aus der BI hervorgegangenen BürgerEnergieAltmark eG, wirkte er mit an der Realisierung einer 750 Kilowatt-Freiflächenanlage in Salzwedel. Lenz kommentiert das energiepolitische Geschehen in verschiedenen Medien und mobilisiert zu praktischen Aktionen für die Energiewende —

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