Eurosolar gibt Gewinner des „Europäischen Solarpreis 2018“ bekannt

Teilen

Eurosolar hat die Preisträger des Europäischen Solarpreises 2018 bekannt gegeben. Der gemeinnützige Verein zeichnet damit jährlich Vorbilder und Pioniere auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien aus. Der seit 1994 vergebene Preis soll Tatkraft und Erfindergeist von lokalen und regionalen Akteuren würdigen und neue Impulse für eine regenerative und dezentrale Energiewende in Europa geben. Die diesjährige Auszeichnung wird am 17. November in Bonn verliehen.

Die Preisträger des Jahres 2018:

Solarelektrische Autofähre „Sankta Maria II“, Deutschland, in der Kategorie „Transport und Mobilität“

Die Moselfähre „Sankta Maria II“ wird als weltweit erste vollelektrische Autofähre auf Binnengewässern ausschließlich mit Batterien und Solarenergie betrieben. Sie ersetzt eine traditionelle Autofähre, die seit 1966 an der deutschen Grenze zwischen Oberbillig und der luxemburgischen Gemeinde Wasserbillig auf der Mosel pendelt. Das neue, 28 Meter lange Schiff mit einer Tragfähigkeit von bis zu 45 Passagieren und sechs Autos soll jährlich 14.000 Liter Treibstoff einsparen sowie Lärm und Abgasemissionen reduzieren. Hersteller ist das Stralsunder Unternehmen Ostseestaal.

S&H Connect GmbH, Österreich, in der Kategorie „Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe / Unternehmen“

Das 2015 gegründete Unternehmen S&H Connect hat sich auf die Beratung, Planung und Installation von Photovoltaik-Anlagen spezialisiert. Ausgezeichnet wurde das Konzept der Firma zur Erschließung des Nutzungspotenzials von Solarstrom auf den Dächern von kommunalen Einrichtungen und Industriegebäuden. Im Rahmen des so genannten „Sonnenvorsorgepakets“ können Kommunen, industrielle Unternehmen und auch Privathaushalte aus dem Burgenland ihre ungenutzten Dachflächen an S&H Connect für die Installation von Photovoltaik-Anlagen verpachten. Die Verpächter profitieren in den ersten 13 Jahren von garantierten Mieteinnahmen in Höhe von 5,00 Euro pro Kilowatt. Nach Ablauf dieser Frist werden sie zu Eigentümern der Anlagen. Dann kann die gewonnene Sonnenenergie, je nach Bedarf, für den Eigenverbrauch genutzt oder ins Netz eingespeist werden.

Pilatus Flugzeugwerke AG, Schweiz, in der Kategorie „Solare Architektur und Stadtplanung“

Die Pilatus Flugzeugwerke AG, ein Schweizer Flugzeugentwicklungs- und -produktionsunternehmen, wurde für die neue Produktionshalle in Stans ausgezeichnet. Der aus einheimischem Holz errichtete Plusenergie-Industriebau ist nord- und südseitig ganzflächig mit Solarmodulen ausgestattet. Die knapp 6000 Quadratmeter große monokristalline Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 1,05 Megawatt erzeugt jährlich 1,09 Gigawatt Strom. Damit kann das Unternehmen seinen gesamten Strombedarf decken. Der Überschuss wird ins Netz des Elektrizitätswerks Nidwalden eingespeist.

Plusenergie-Siedlung Zentrum Tobel, Schweiz, in der Kategorie „Eigentümer und Betreiber Erneuerbarer-Energien-Anlagen“

Auf dem Gelände einer ehemaligen Industriebrache mitten im Dorfkern der Thurgauer Gemeinde Tobel wurde 2017 eine Plusenergie-Siedlung mit nachhaltig günstigem Wohnraum fertig gestellt. Das Projekt umfasst drei Mehrfamilienhäuser mit 32 nach „MinergieP“ zertifizierten Mietwohnungen. Auf den Flachdächern wurde eine genossenschaftliche Solaranlage installiert, die noch auf die Balkonfassaden ausgeweitet wird. Den Sonnenstrom vom Dach können die Mieter zum üblichen Haushaltstarif direkt vom Vermieter kaufen. Zudem wurde eine Solarthermie-Anlage errichtet, deren Wärme für alle Mieter gratis nutzbar ist. Das hält die Nebenkosten niedrig. Im Mietpreis inbegriffen sind vier E-Mobile, die über ein eCarSharing-Konzept den Mietern zur Verfügung stehen.

Low Carbon Hub, Großbritannien, in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine / Gemeinschaften“

Low Carbon Hub (LCH) entwickelt in Partnerschaft mit Schulen, Unternehmen und lokalen Gruppen gemeinschaftliche Erneuerbare-Energien-Projekte in Oxfordshire – und das ohne Kosten für ihre Partner. Um die Projekte zu realisieren, bietet LCH den Bürgern die Möglichkeit, direkt in diese zu investieren und so finanziell von ihnen zu profitieren. Als soziales Unternehmen investiert LCH seinen gesamten finanziellen Überschuss in gemeinnützige Projekte, etwa zur Verringerung der Energiearmut oder zur Erhöhung der Energieeffizienz. Bis heute wurden 37 Photovoltaik-Anlagen und ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von insgesamt 3,6 Megawatt installiert. Darüber hinaus belaufen sich die Einsparungen bei den Stromrechnungen der Haushalte auf 1,6 Millionen Pfund. Für die Gemeinden in Oxfordshire konnten bereits 2,4 Millionen Pfund an Spendengeldern bereitgestellt werden.

Comet-ME, Israel, in der Kategorie „Eine-Welt-Zusammenarbeit“

Die israelisch-palästinensische Organisation Comet-ME ist eine Mischung aus Technologie-Start-up, Entwicklungshilfe-Agentur und politischer Menschenrechtsorganisation für netzferne palästinensische Gemeinschaften. Durch die Bereitstellung von grüner Energie und sauberem Wasser ermöglicht sie die soziale und wirtschaftliche Stärkung einiger der ärmsten und am stärksten marginalisierten Gemeinschaften in den besetzten palästinensischen Gebieten. Bis heute hat Comet-ME bereits in 55 Gemeinden autonome Wind- und Solarsysteme installiert, die fast 5000 Menschen mit sauberer Energie versorgen. Dabei sind Partizipation und Vertrauensbildung integrale Bestandteile der Arbeit.

Le Mené, Frankreich, in der Kategorie „Städte, Gemeinden, Landkreise, Stadtwerke“

Die nahe Saint-Tropez gelegene Region mit rund 6.500 Einwohnern hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 ihren Energiebedarf vollständig regenerativ zu decken. Die derzeit installierten 78 Photovoltaik-Anlagen und sieben Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 12 Megawatt decken heute etwa vierzig Prozent des Strombedarfs. Zusätzlich produziert eine Rapsölanlage Treibstoff für Dieseltraktoren sowie Viehfutter. Darüber hinaus wird regionales Holz zur Wärmeerzeugung genutzt.

Solar Decathlon Europe, in der Kategorie „Bildung und Ausbildung“

Der Solar Decathlon Europe ist ein internationaler Wettbewerb, der studentische Teams dazu auffordert, energieeffiziente Häuser zu entwerfen und zu bauen, die ausschließlich mit der Energie der Sonne versorgt werden.  Durch den Bau von bis dato 73 Häusern, die Teilnahme von über 2000 Studierenden aus 26 Ländern und über 500.000 Besuchern leistet die Veranstaltung einen großen Beitrag zur Akzeptanz der erneuerbaren Energien.