Altmaier: Die Energiewende wird ein Geschäftsmodell

„Die Energiewende ist dabei, ein Business Model zu werden“, sagt Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier auf dem Berlin Energy Transition Dialogue. Auch er bestätigt, dass Strom aus Solarpanelen und Windenergie „teilweise sogar attraktiver als solcher aus anderen Quellen“ sei und reiht sich damit ein in die vielen, die die Energiewende vor allem auch als ökonomische Chance sehen. Dieser Erfolg sei auch zustande gekommen, weil „Deutschland als eines der ersten Länder bereit war, das Risiko einzugehen und nach vorne zu gehen.“

Mit Blick auf die Zukunft wiederholte Altmaier seine Forderung, dass Energiespeicher in den Markt geführt werden müssen, am besten durch die Errichtung von Gigafactories zur Batteriezellproduktion in Deutschland und Europa.

Gefragt nach der Kohleausstiegskommission sagte Altmaier: „Deutschland ist für seine Kommission bekannt. Wahrscheinlich haben wir mehr Kommissionen als Unternehmen“. Zugleich legte er die Schwerpunkte seiner Energiepolitik in dieser Legislaturperiode dar: „1. Beschleunigung des Netzausbaus und 2. Beendigung der polarisierenden Debatte über fossile Energie, indem jedem klar wird, dass Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigt. Sicher nicht in ein bis zwei Jahren, aber mit einer klaren Perspektive.“ Die Zielsetzung der Kommission orientieren sich nach seiner Ansicht an den 2030-Zielen, nach denen 60 Prozent der Kohlendioxidemissionen aus Kohlekraft reduziert werden müssen. Dazu müsse die Stromerzeugung aus Kohle halbiert werden.

Das hört sich nach viel an, doch es geht wie schon oft diskutiert auch ambitionierter. „Wir brauchen einen stärkeren und schnelleren Weg“, sagt BEE-Vorsitzende Simone Peters in der anschließenden Pressekonferenz.

Der Berlin Energy Transition Dialogue

Der Energy Transition Dialogue wurde von der Bundesregierung geschaffen und findet zum dritten Mal statt. Ein voller Erfolg, so wie es aussieht. Im Vorfeld wurde vor allem gewarnt, dass man früh genug da sein müsse, so viele Teilnehmer haben sich angemeldet. 2000 Experten, davon rund die Hälfte von außerhalb Deutschlands aus über 90 Ländern, haben sich angemeldet, darunter rund 50 Minister.

So geht es schon lange nicht mehr nur darum, Deutschland zu bewerben, sondern auch die Sicht der anderen auf die deutsche Energiewende aufzunehmen, erklärt Miguel Berger, Abteilungsleiter für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung im Auswärtigen Amt. Vor einigen Jahren sei der Anlass für die Organisation der Veranstaltung gewesen, dass die über 120 Botschafter Deutschlands immer nach der Energiewende gefragt worden seien. Heute hätten 70 Prozent der Länder eigene Pläne.

Außenminister Heiko Maas skizzierte angesichts dessen eine neue Energiediplomatie, mit der die immensen Auswirkungen der Energiewende auf die Geopolitik gestaltet werden. Der Zusammenhang von Klimaschutz und Sicherheit werde immer dringlicher: „Klimawandel wird die Migrationsbewegungen der Zukunft maßgeblich beeinflussen“.

Nicht umsonst bezeichnet Adnan Amin, Generalsekretär der Internationalen Erneuerbaren Energien-Agentur IRENA die Bedeutung der Energiewende als Investitionsprogramm und Jobwunder. Seiner Einschätzung nach seien die Berufe wie Solarinstallateure und Windenergietechniker die am schnellsten wachsenden Jobprofile weltweit. Bis 2050 könnten weltweit elf Millionen neue Energie-Jobs entstehen, womit die Arbeitsplatzverluste in der fossilen Industrie völlig ausgeglichen werden können. Wie relevant das ist unterstreicht er am Beispiel Ägyptens: dort drängen jedes Jahr eine Millionen junge Menschen neu auf den Arbeitsmarkt.

Daher legt er Wert auf die lokalen Wertschöpfung. Sie helfe auch dabei, den Ausbaupfad der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. „Wir müssen sechs Mal schneller sein als bisher, wenn wir die Paris-Ziele erreichen wollen“, sagt er.

Auch in der deutschen Bundesregierung sieht man die Energiewende den Worten nach als gute Investition. Kein anderes Investitionsprogramm werde in den nächsten Jahren größer sein, so Thorsten Herdan, Altmaiers Abteilungsleiter Energiepolitik, Wärme und Effizienz im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Auch sonst sind die Statements der Regierung ja an Freundlichkeit der Energiewende gegenüber kaum zu überbieten. Auf die Frage danach, wann Erneuerbare subventionsfrei wirtschaftlich würden, erklärt Herdan das für die falsche Frage. Wichtig sei, Regulierungen zu finden, die sowohl den Umweltaspekt als auch die Versorgungssicherheit berücksichtigen, faire Wettbewerbsbedingungen herstellen und einen freien Marktzugang erlauben.

Autoren: Stephan Franz, Michael Fuhs