EnBW erwägt Ausweitung des Photovoltaik-Geschäfts

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Die Ergebnisse der ersten technologieoffenen Ausschreibung haben bei so manchem Energieunternehmen Nachdenken bewirkt. „Derzeit befassen wir uns intensiv mit der Frage, ob wir der Solarenenergie ein noch stärkeres Gewicht im Rahmen unserer Ausbaustrategie geben und sie – neben der Windkraft – zu einem weiteren starken Standbein entwickeln sollten“, lässt Dirk Güsewell, Leiter Portfolioentwicklung Erzeugung bei der EnBW, am Dienstag mitteilen. Fragen zu weiteren Deteils dieser Überlegungen blieben zunächst unbeantwortet. Zum Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung die Ergebnisse der ersten gemeinsamen Photovoltaik- und Windkraft-Ausschreibung mitgeteilt, die Photovoltaik gewann bei 32 Projekten den Zuschlag, die Windkraft bei keinem einzigen.

In der Folge haben der Bundesverband Solarwirtschaft und der Bundesverband Windenergie ein weiteres Mal in einer gemeinsamen Mitteilung die technologieoffene Ausschreibung kritisiert und dabei betont, dass es auch künftig beider Technologien bedarf. In diese Richtung argumentiert nun auch EnBW-Manager Güsewell: „Die Energiewende braucht beides: Solar und Windkraft. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir uns deshalb neben unserem Schwerpunkt in der Windkraft weiterhin auch konsequent in der Entwicklung von Solarprojekten engagiert und mit sichtbaren Erfolg an den Ausschreibungen teilgenommen.“

In der ersten gemeinsamen Ausschreibung für Wind- und Solaranlagen der Bundesnetzagentur hat der süddeutsche Versorger demnach für drei Photovoltaik-Projekte den Zuschlag erhalten. Die drei Projekte befinden sich in Inzigkofen (Baden-Württemberg), Birkenfeld (Bayern) sowie Lindendorf (Brandenburg) und verfügen über eine Leistung von insgesamt rund 18 Megawatt. Der Anteil der EnBW-Zuschläge am doppelt überzeichneten Ausschreibungsvolumen von 200 Megawatt habe damit bei neun Prozent gelegen.

Insgesamt könne EnBW seit Einführung der Photovoltaik-Ausschreibungen im April 2015 nun 13 Zuschläge mit 64 Megawatt für sich verbuchen. Mit diesem Zuschlagsergebnis liege das Unternehmen mittlerweile auf Platz 4 im Teilnehmerfeld – hinter drei auf Solaranlagen spezialisierten Unternehmen und damit als führender Energieversorger. EnBW betreibt nach eigenen Angaben 13 Solarparks mit einer Gesamtleistung von 55 Megawatt, weitere vier Solarparks würden ab Mai gebaut. Rund 20 gesicherte Solarprojekte entwickele das Unternehmen aktuell, diese sollen in den kommenden Ausschreibungen eingereicht werden.

Der Trend zur Photovoltaik ist auch bei anderen großen Energieunternehmen zu spüren. So hat Vattenfall erst jüngst ein 100 Millionen Euro-Programm für den Einstieg in die Photovoltaik angekündigt. Bei der gemeinsamen Ausschreibung konnte sich auch das schwedische Unternehmen für ein Photovoltaik-Projekt mit zehn Megawatt Leistung den Zuschlag sichern – in Deutschland war das nach Unternehmensangaben bisher die erste Ausschreibung, an der das Unternehmen teilgenommen hat.

RWE-Tochter Innogy dringt indes über ihr Tochterunternehmen Belectric in den Photovoltaik-Markt vor und hat sich im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben bei den Ausschreibungen für vier Photovoltaik-Projekte mit insgesamt 28 Megawatt Leistung den Zuschlag gesichert. Zum Vergleich: Bei der ersten Onshore-Windenergie-Ausschreibung bekam Innogy den Zuschlag für ein Projekt mit sechs Megawatt Leistung. Allerdings hatten hier gerade die Energieversorgungsunternehmen durch Sonderregelungen bei den Ausschreibung ohnehin kaum eine Chance, sich gegen Windenergieprojekte von Bürgergenossenschaften überhaupt durchzusetzen. Nach Angaben einer EnBW-Sprecherin erwartet man hier durch die Abschaffung dieser Sonderregeln wieder deutlich mehr Zuschläge.

Ein Umdenken findet indes auch bei Windenergie-Spezialisten wie dem Cuxhafener Projektierer PNE Wind statt, der ebenfalls den Einstig in Photovoltaik-Geschäft angekündigt hat. Die Solartechnologie konnte in den letzten Jahren deutlich größere Kostensenkungen als die Windenergie verzeichnen und hat sich zur derzeit kostengünstigsten Technologie entwickelt.